«Man muss immer von sich überzeugt sein»
26.03.2026 Sport, EishockeyAuf ZS-Goalie Michele Lepori lastete im 2.-Liga-Final grosser Druck
Der EHC Zunzgen-Sissach ist Schweizer Meister der 2. Liga. Wie geht Goalie Michele Lepori mit dem Druck um? Haben sich die Play-offs aus Sicht von Finanzchef Jukka Schäublin gelohnt? Und will ZS nicht vielleicht doch ...
Auf ZS-Goalie Michele Lepori lastete im 2.-Liga-Final grosser Druck
Der EHC Zunzgen-Sissach ist Schweizer Meister der 2. Liga. Wie geht Goalie Michele Lepori mit dem Druck um? Haben sich die Play-offs aus Sicht von Finanzchef Jukka Schäublin gelohnt? Und will ZS nicht vielleicht doch aufsteigen, Präsident Cristiano Santoro?
Sebastian Wirz
Herr Lepori, wie blicken Sie auf die emotionale Reise vom Play-off-Start auf der Bank bis zum Titelgewinn im Tor zurück?
Michele Lepori: Als Goalie ist es in einem Team immer schwierig: Es ist die einzige Position, auf der es nur einen braucht. Sven Tschan und ich haben während der Qualifikation abgewechselt, jeder hatte seine Einsätze. Aber während der Regular Season hat man nie so intensive Spiele wie in den Play-offs. Und es ist schwierig, die beste Leistung abzurufen, wenn es nicht intensiv ist. In den Play-offs entschieden die Trainer dann, wer im Tor steht.
Ab dem zweiten Halbfinalspiel bis zum Titel standen immer Sie zwischen den Pfosten …
Es ist vielleicht nicht fair, aber im Endeffekt habe ich davon profitiert, dass Sven gegen Bucheggberg nicht sein bestes Spiel gemacht hat. Jeder hat einmal einen schlechten Tag. So habe ich ab dem zweiten Halbfinalspiel meine Chance erhalten – und wir haben sieben Matches in Serie gewonnen. Wenn du als Goalie wenige Tore erhältst, ist das zwar eine Teamleistung und nicht eine Einzelleistung, aber es gibt dennoch grosses Selbstvertrauen. Zu wissen, dass wir eine Partie gewinnen, wenn wir zwei oder mehr Tore erzielen, ist schon sehr toll.
Wie gehen Sie mit der Situation um, dass ein Fehler von Ihnen immer schlimmer ist als ein Fehler eines Feldspielers?
Goalie zu sein, ist immer eine mentale Herausforderung. Der Gedanke, ein Spiel verlieren zu können, wenn man auch nur einen einzigen Fehler macht, ist zermürbend. So war es im Heimspiel gegen Oberlangenegg. Das macht schon etwas mit einem. Man muss immer von sich überzeugt sein. Sobald du als Goalie das Gefühl hast, es könnte ein Tor gegen dich geben, hast du verloren. Dann landet der Puck beim nächsten oder übernächsten Angriff hinter dir.
Wie haben Sie das Endspiel um den Titel mit der zweimaligen Führung und dem späten Zürcher Ausgleich erlebt?
Das war ein echter Krimi. Der Dielsdörfer Goalie hat sehr gut gehalten, ich hatte kaum etwas zu tun – und erhalte dann innert 40 Sekunden zwei Gegentore. Das darf dich nicht aus der Ruhe bringen. Als wir erneut mit zwei Treffern vorne lagen, ging es darum, den Gedanken nicht zuzulassen, dass wir bald den Kübel in der Hand halten könnten. Der Puck lag zweimal bereit, um aus der Zone befreit zu werden – und dann haben wir doch noch den Ausgleich erhalten. Das bricht dich. Aber man muss weiter seinen Job machen.
In der Overtime war es von aussen betrachtet zu Beginn recht langweilig. Keine Aktionen vor den Toren, keine
Arbeit für Sie.
Ja. In der Overtime eines Finals darf man sich keinen Fehler erlauben. Entweder man hat danach eine Feier auf dem Eis, eine tolle Heimfahrt und eine grosse Party in Sissach – oder die grösste Enttäuschung der Saison. Daher ist viel Sicherheitsdenken in den Köpfen. Der Druck ist riesig. Als Goalie ist hier die mentale Ruhe entscheidender als Talent. Man darf nicht die falschen Gedanken in den Kopf lassen. Am Ende hätte das Märchen nicht besser sein können. Mattia Di Biase, der vor zwei Jahren noch so enttäuscht war, weil er in der entscheidenden Phase verletzt zuschauen musste, trifft in der Verlängerung und wir werden Meister.
Die Partynacht dürfte lange gedauert haben …
Wir konnten den Fans, die immer dabei sind, alles zurückgeben. Der Empfang in der «Lounge 11» war einmalig, das wird für immer in Erinnerung bleiben. Denen, die das organisiert haben, gebührt grosser Dank, das ist nicht selbstverständlich für ein 2.-Liga-Team. Es war einfach richtig, richtig schön.
«Der Titel ist episch, aber er ändert nichts»
Muss ZS nach dem grösstmöglichen Erfolg in der 2. Liga in Sachen Aufstiegsverzicht noch einmal über die Bücher?
Cristiano Santoro, Präsident EHC ZS: Der Titelgewinn war etwas Episches, etwas Fantastisches. Ich habe so viel geschrien, dass kein Ton mehr herauskam. Das kannte ich noch nicht von mir. Auch für die Region ist dieser Schweizer-Meister-Titel etwas Besonderes, aber das ändert nichts an unserem bisherigen Plan.
Die Ausgangslage ist weiterhin so, dass die Kosten für Reisen und das Kader in der 1. Liga hoch sind, während das Potenzial für neue Sponsorengelder gering ist. Unserem Standort würde die 1. Liga vermutlich kaum einen ausschlaggebenden Vorteil bringen. Zudem haben diese Playoffs wieder gezeigt: Das Niveau in der 2. Liga ist wahnsinnig gut. Es passt, wie es ist. Ich würde einen Aufstieg in die 1. Liga für die Zukunft nicht per se ausschliessen, aber der Platz, wo wir sind, passt zum aktuellen Zeitpunkt.
«Play-offs sind ein grosser Zustupf»
Ist so ein Play-off-Run lukrativ oder gehen die Ticketeinnahmen der Heimspiele für Eismiete und Carfahrten gleich wieder drauf?
Jukka Schäublin, Finanzchef EHC ZS: Play-off-Spiele sind immer ein grosser Zustupf. Aufgrund der Modusänderung hatten wir aber im Vergleich zu 2023/24 weniger Heimspiele und vor allem wurde der Zentralschweizer Final gegen Oberlangenegg nur als «Best of three»-Serie gespielt. Hier hatten wir also nur ein Heimspiel wie auch in der Finalrunde – und das an einem Donnerstag gegen Bulle. Je weiter wir in den Play-offs kommen, desto mehr Zuschauer kommen und desto mehr Geld nehmen wir ein. Insbesondere gegen Bulle hätte ich aber mit mehr Zuschauern gerechnet.
Zusätzliche Eiskosten hatten wir in diesem Jahr nicht, da die Sport Sissach AG bis vergangenen Samstag geöffnet hatte. 2023/24 ging sie eine Woche vor der Finalrunde zu, und wir mussten die Halle tageweise mieten, damit das Eis nicht abgetaut wurde.
Für die Finalrunde gibt es vom Verband gewisse Vorgaben. So muss zum Beispiel ein Sanitätsteam inklusive Arzt auf Platz sein. Aber das wurde durch die höhere Anzahl Zuschauer und auch dank des Matchpucksponsorings durch die Thomas Kamber AG und die Metzgerei Häring wettgemacht.
Bei den Fancars haben wir teils draufgelegt, unter dem Strich aber eine schwarze Null geschrieben. Wie auch immer: Der sportliche Erfolg steht im Vordergrund. Budgetiert wird ein solcher Erfolg nicht.

