Längst bewilligtes Bauprojekt wird sistiert
16.04.2026 RothenfluhDie Sanierung der Gemeindeverwaltung beginnt auf Feld 1
Die Rothenflüher Stimmberechtigten haben beim Sanierungsprojekt für die Gemeindeverwaltung die Notbremse gezogen. Denn sollte das 2021 bewilligte Vorhaben heute ausgeführt werden, würde es um 70 Prozent teurer. ...
Die Sanierung der Gemeindeverwaltung beginnt auf Feld 1
Die Rothenflüher Stimmberechtigten haben beim Sanierungsprojekt für die Gemeindeverwaltung die Notbremse gezogen. Denn sollte das 2021 bewilligte Vorhaben heute ausgeführt werden, würde es um 70 Prozent teurer. Die Planung beginnt aufs Neue.
Otto Graf
Seit Jahren hält die Sanierung der Gemeindeverwaltung die Rothenflüher Behörden auf Trab. Vorgestern ist an der Gemeindeversammlung der unendlichen Geschichte ein weiteres Kapitel angefügt worden. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Immerhin herrscht nun über das weitere Vorgehen Klarheit. Denn die 43 Stimmberechtigten hiessen den gemeinderätlichen Antrag klar gut, die Übung abzubrechen. Somit wird das bereits bewilligte Umbauprojekt, unter anderem mit einer zusätzlichen 3,5-Zimmer-Wohnung, sistiert.
Zuvor umrissen Gemeindepräsident Cleto Cudini und Gemeinderat Benjamin Abt das Geschäft in groben Zügen. Vor fünf Jahren beschloss die Gemeindeversammlung, das Objekt an der Hirschengasse mit den Räumlichkeiten der Gemeindeverwaltung im Erdgeschoss den heutigen Begebenheiten anzupassen, und bewilligte einen Umbaukredit von 1,088 Millionen Franken.
Da Rothenfluh im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung aufgeführt ist, erwies sich das Baubewilligungsverfahren als komplexe Angelegenheit. Unterschiedliche Auffassungen zwischen Denkmalpflege und Gemeinderat zogen das Verfahren in die Länge. Corona und andere Gründe führten zu weiteren Verzögerungen und brachten aufgrund neuer Offerten einen Kostenanstieg von mehr als 70 Prozent.
Für das Weiterführen der Planung, rechnete Abt vor, wäre ein Zusatzkredit von 1 Million Franken nötig. Angesichts der gestiegenen Kosten und angespannten finanziellen Lage der Gemeinde zog der Gemeinderat im November 2025 die Notbremse und stoppte die weitere Planung.
Nun beginnt die Planung wieder auf Feld 1. Was gebaut und umgebaut werden soll, ist offen. Mehrere Votanten wünschten jedoch aufgrund der Vorarbeiten vom Ratstisch genauere Informationen, auch was das Finanzielle betrifft. «Wir können keine Zahlen auf den Tisch legen, solange noch nicht feststeht, in welche Richtung die Gebäudesanierung gehen soll», stellte Abt klar. Er versicherte, dass viele Elemente der sistierten Planung in den künftigen Prozess einfliessen dürften. In einem nächsten Schritt wird nun der Gemeinderat eine oder mehrere Varianten der Sanierung ausarbeiten und zu gegebener Zeit der Gemeindeversammlung vorlegen.
Problematische Substanzen?
Obwohl die ehemalige Hauskehrichtdeponie Hohle Gasse im Gebiet «Heuelschüür» seit mehr als 60 Jahren als Strasse sowie als Kulturland genutzt wird, werden nun allfällige Altlasten im Zuge der Gesamtmelioration wieder zum Thema. Was sich im Untergrund befindet, ist nicht dokumentiert. «Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass auch problematische Substanzen deponiert wurden», so Gemeinderätin Doris Horisberger.
Eine technische Untersuchung soll Klarheit schaffen. So werden an verschiedenen Stellen Proben aus dem Boden geholt und analysiert. Zudem wird das Wasser des Isletenbächleins und der Ergolz auf mögliche Schadstoffeinträge untersucht. Die Stimmberechtigten hiessen einen Kredit von 40 000 Franken für die Untersuchungen gut, der Bund beteiligt sich mit 30 Prozent an den Kosten.
Unter «Verschiedenes» kündigte Gemeinderätin Tina Erny an, dass im Gebiet «In den Reben» der Kugelfang der 1990 stillgelegten Schiessanlage wegen der hohen Bleibelastung im Boden saniert werden muss, was Kosten bis rund 235 000 Franken auslösen könnte. Da Bund und Kanton 90 Prozent des Aufwands übernehmen, dürfte sich der Gemeindeanteil der Sanierung in Grenzen halten.

