Leben wie ein König
26.03.2026 SportWie letztes Mal versprochen, hören Sie von mir dieses Mal von einem anderen Kontinent. Amerika – den USA, «the greatest country in the world» oder so. Im März stand das legendäre «Sunshine Double» an: zwei ATP- 1000-Masters Turniere in Indian Wells und ...
Wie letztes Mal versprochen, hören Sie von mir dieses Mal von einem anderen Kontinent. Amerika – den USA, «the greatest country in the world» oder so. Im März stand das legendäre «Sunshine Double» an: zwei ATP- 1000-Masters Turniere in Indian Wells und Miami. Die zweithöchste Turnierstufe nach den Grand Slams – entsprechend gross sind Punkteverteilung sowie Preisgelder.
Die Anreise lief allerdings nicht wie geplant. Am Tag vor dem Abflug habe ich mir ein Innenband am Fuss kaputt gemacht. Die Folge: Rund 30 Stunden später wurde ich beim Umsteigen auf den Flug nach Palm Springs mit dem Rollstuhl durch den Flughafen von San Francisco geschoben. Äusserst unangenehm – aber notwendig. Denn mit meinem Geh-Tempo und inklusive Einreisekontrolle würden wir wahrscheinlich heute noch zum Gate D31 laufen – oder humpeln.
«Alle kaputten Bänder bringen Glück» – oder wie auch immer der Spruch lautet – zählte leider nicht für diesen Turniertrip. Trotz guter Vorbereitung war der Gegner in Indian Wells bereits in der ersten Runde zu gut. Die Devise: weiterarbeiten. Ein zusätzliches Turnier zwischen den beiden Masters brachte etwas bessere Resultate, bevor es nach Miami ging, wo erneut ein starker Gegner früh Endstation bedeutete.
Da es sportlich wenig High- oder Lowlights gab, möchte ich einen Blick hinter die Kulissen dieser 1000er-Events gewähren. Man muss es nicht kleinreden: Auf dieser Stufe werden Spieler wie Könige behandelt – mit Abstufungen innerhalb der Königsklasse von Carlos Alcaraz bis zu den Qualifikationsspielern.
Die Top 64 des Hauptfelds erhalten für die Turnierwoche ein eigenes Fahrzeug. Alle anderen werden auf Abruf herumchauffiert. Bewegen kann man sich auf der Anlage nur mit einer Akkreditierung. Genau auf dieser befinden sich täglich ungefähr 100 Dollar Guthaben, mit denen man sich beim Spielerrestaurant bedienen kann. Von Sushi bis zu Steaks, alles ist dabei. Aber nicht nur das: Wem etwa die frische Wäsche ausgeht, der kann seine gebrauchen Kleider einfach bei der Turnierwäsche abgeben und am nächsten Morgen liegt ein frisch gewaschener Wäschesack bereit.
Auch abseits des Platzes wird um einen gesorgt: Wer Lust auf eine Runde Golf hat, geht einfach zur Spielerauskunft, holt sich zwei Golf-Vouchers und darf dann gleich nebenan im luxuriösen Golf Resort eine 18-Loch-Runde spielen gehen. Kein Problem.
Sie sehen: Auf dieser Stufe fehlt es an wenig. Natürlich sind da auch nur die Besten der Besten. Gleichzeitig: Wer zu oft da oben verliert, findet sich ganz schnell wieder auf einer tieferen Turnierstufe wieder. Ohne Golf. Ohne Auto.
Yannik Steinegger
Der Bubendörfer Yannik Steinegger (2000) gehörte zu den besten Schweizer Tennisspielern, ehe er sich schon mit 23 entschied, Profi-Trainer zu werden. Er betreut die Schweizer Tennis-Hoffnung Leandro Riedi.

