Kurzweil bei Kicken und Krimis
02.06.2026 SissachSeraina Degen und Christine Brand zu Gast in Ueli Mäders Gesprächsreihe
Die Fernseh-Sportreporterin Seraina Degen mit Wurzeln im Oberbaselbiet und Christine Brand, die aktuell erfolgreichste Schweizer Krimi-Autorin, sorgten für eine eher aussergewöhnliche Ausgabe der ...
Seraina Degen und Christine Brand zu Gast in Ueli Mäders Gesprächsreihe
Die Fernseh-Sportreporterin Seraina Degen mit Wurzeln im Oberbaselbiet und Christine Brand, die aktuell erfolgreichste Schweizer Krimi-Autorin, sorgten für eine eher aussergewöhnliche Ausgabe der Gesprächsreihe von Ueli Mäder im Sissacher «Cheesmeyer».
Jürg Gohl
Möglicherweise gab der sommerliche Abend, den viele Gäste nach dem Anlass noch im Hinterhof des Sissacher «Cheesmeyer» ausklingen liessen, den Ausschlag. Vielleicht lag es auch an den «vielen neuen Gesichtern im Publikum», die Hausherr Kaspar Geiger bei seiner Begrüssung wahrnahm. Eine Rolle spielte sicher auch die Aufforderung von Moderator Ueli Mäder an seine beiden Gäste, aufgrund ihres beruflichen Werdegangs das Moderieren und Befragen gleich selbst zu übernehmen, was sie dann auch teilweise taten.
Sicher aber sorgen auch die beiden eher leichtfüssigeren Themen des Abends, der Fussball und das Verfassen von Kriminalromanen, für einen Abend, der in der mittlerweile im vierten Jahr stehenden monatlichen Gesprächsreihe eine Sonderstellung einnehmen dürfte. Als schliesslich die eine, Krimi-Autorin Christine Brand, von ihrer Wahlheimat Sansibar schwärmte, in der alles «polepole», das in Suhali für «langsam» und «gemütlich» steht, genommen werde, integrierte die andere, Fussballreporterin Seraina Degen vom Schweizer Fernsehen, dieses Wort sogleich in ihr Vokabular. Wann bekommen es die Sportkonsumenten von ihr erstmals zu hören? Irgendwie bezeichnend für den Abend ist auch, dass, abgesehen von den Einstiegssätzen, nur noch in Mundart geredet wurde.
«Nie, nie, nie» nach Zürich zügeln
Die Schweizer Sportjournalistin des vergangenen Jahres und «Volksstimme»-Kolumnistin bezeichnet in Bezug auf das Oberthema der Gesprächsreihe, das «Heimat für alle» lautet, das Vordere Waldenburgertal als ihre Heimat. Das bleibe so, auch wenn sie inzwischen seit Jahren in Basel wohne. Nach Zürich, ihrem Arbeitsort, werde sie garantiert «nie, nie, nie» umziehen. Da pflichtete ihr die erfolgreichste Schweizer Krimi-Autorin in ihrem Emmentaler Dialekt bei.
Die frühere «NZZ»-Redaktorin und Gerichtsberichterstatterin, die sich inzwischen voll aufs Krimi-Schreiben fokussiert und im Jahrestakt ein Buch verfasst, erschrecke immer wieder von Neuem ab der Hektik, die in der Schweizer Wirtschaftsmetropole herrsche, wie sie sagte. Mühe bekundet sie auch mit anderem: Zum Beispiel damit, ihr «Kind» loszulassen, als ihr Bestseller «Blind» mit teils einschneidenden Änderungen verfilmt wurde (und im Herbst in sechs Teilen am Fernsehen zu sehen sein wird).
Femizide als leidiges Thema
Obwohl die beiden Frauen ihre Leidenschaft für Journalismus verbindet, kannten sie sich und ihre jeweilige Arbeit zuvor nicht näher.
Der einen fehlt das Interesse an Fussball, der anderen neben der täglichen Zeitungslektüre die Zeit, um Bücher zu lesen. Aber die beiden verstanden sich auf Anhieb und waren sich in vielen Punkten einig. Zum Beispiel: Fussball zu schauen oder einen Kriminalroman zu lesen sei sehr wohl ein Mittel, um sich zu unterhalten oder, wie es Mäder provozierend formulierte, die Langeweile zu vertrieben. Daran fanden aber beide nichts Stossendes. Zumal: Krimis, die wohl von Gewalt handeln, als auch der Fussball lösen zumindest bei den Frauen keine Gewalt aus.
Dieses Stichwort führte zum ernstesten Teil des Abends. Seraina Degen stellt fest, dass vor allem in Fussballvereinen noch immer sehr patriarchale Strukturen herrschen und sich das erst bessere, wenn sich die Frauen mehr Macht erkämpfen. «Wagt euch vor!», appellierte sie an ihre Geschlechtsgenossinnen. Wohltuend verzichtete sie darauf, für Kickerinnen die gleich hohen Löhne, die bei den männlichen Spitzenspielern Usus sind und die sie als «absurd» bezeichnete, zu fordern. Christine Brand thematisierte die Femizide, die in ihr eine «Altersaggressivität» auslösen würden. Sie ist sogar überzeugt: «In diesem Bereich entwickelt sich unsere Gesellschaft sogar zurück.»
Nächster Anlass der Reihe: «Literatur und Musik – Entwurf einer Heimat», Donnerstag, 25. Juni, 19.30 Uhr im «Cheesmeyer». Gäste: Musikerin Deborah Regez und Autor Wolfram Bortlik. Moderation: Ueli Mäder.

