Kunstturner aus Leidenschaft
06.11.2026 Sport, Weitere SportartenJanick Brunner beweist Ausdauer und Leidenschaft
Kürzlich krönte sich Janick Brunner zum vierten Mal zum Amateur-Schweizer-Meister im Kunstturnen. Mit seinen 32 Jahren ist er der «Methusalem» unter den NKL-Kunstturnern. Trotz Dreifachbelastung denkt er noch nicht ans ...
Janick Brunner beweist Ausdauer und Leidenschaft
Kürzlich krönte sich Janick Brunner zum vierten Mal zum Amateur-Schweizer-Meister im Kunstturnen. Mit seinen 32 Jahren ist er der «Methusalem» unter den NKL-Kunstturnern. Trotz Dreifachbelastung denkt er noch nicht ans Aufhören.
Markus Graf
Seit Jahren ist Janick Brunner der beste Amateur-Kunstturner der Schweiz. Das Mitglied des TV Lupsingen ist vierfacher Amateur-Schweizer-Meister, Turnfestsieger und Captain des erfolgreichen Kunstturn-Teams des Nordwestschweizerischen Kunstturn- und Trampolinzentrums Liestal (NKL). Trotz seines für Kunstturner hohen Alters von 32 Jahren ist Brunner nach wie vor sehr motiviert und denkt noch nicht ans Aufhören. «Solange mein Körper noch mitmacht» will er dabei bleiben. Auch eine Schulteroperation als 21-Jähriger konnte ihn nicht bremsen – just zu einer Zeit, in der er am meisten hätte Gas geben müssen. Rund zwei Jahre handicapierte ihn diese Verletzung.
Ansonsten kam er relativ verletzungsfrei durch seine Kunstturn-Karriere. Das ist auch der Grund, wieso er als «Methusalem» noch immer als Mehrkämpfer an allen sechs Geräten mit der Konkurrenz mithalten kann. Nach seinem liebsten Gerät gefragt, weiss er zunächst keines zu nennen: «Das ist eine schwierige Frage. Alles.» Schlussendlich meint er: «Am Barren turne ich sehr gerne.»
Vor Wettkämpfen trainiert Brunner etwa vier- bis fünfmal in der Woche, das ergibt insgesamt zehn bis zwölf Stunden. Früher waren es zeitweise wöchentlich bis 28 Stunden. Es verwundert nicht, dass sich die NKL-Turner als Team fühlen, verbringen sie doch einen grossen Teil ihres Lebens in der «Rosen»-Sporthalle in Liestal. Das schweisst zusammen. «Irgend jemand ist immer da, um zu unterstützen und zu korrigieren», schätzt Brunner die lockere und kameradschaftliche Atmosphäre. Sie sind ein flexibles Team und trainieren in der NKL-Halle grundsätzlich unabhängig voneinander. Konkurrenzkampf sei nur in Einzelwettkämpfen spürbar, aber jeder freut sich über gute Bewertungsnoten des anderen.
Unbändiger Bewegungsdrang
Janick Brunner war schon seit jeher von einem unbändigen Bewegungsdrang getrieben. Seine Mutter Anita engagiert sich seit Jahrzehnten sehr stark im Kinderturnen und Vater Rolf war erfolgreicher Leichtathlet des SC Liestal und turnt nun im TV Lupsingen. Die Eltern steckten ihn als Fünfjährigen ins NKL-Kinderturnen. Schon nach der ersten Probelektion war für Janick Brunner klar, dass er bleiben will. Er ist geblieben und mit viel Training – in Spitzenzeiten fünfmal wöchentlich – stellte sich der Erfolg ein.
Unterstützung erfuhr er von allen Seiten, vorab von den Eltern, die ihn nie unter Leistungsdruck setzten. Brunner wurde in die Sportklasse der Baselbieter Leistungsförderung aufgenommen und erhielt neben der nötigen Freistellung vom Unterricht für Training und Wettkämpfe auch geregeltes Physiotraining und medizinische Unterstützung in der Rennbahnklinik Muttenz.
Die nachfolgende turnerische Weiterentwicklung in Magglingen brach er ab. Der handwerkliche Typ passte nicht ins Magglinger Spitzensportförderungsschema mit KV- oder sonstigen Bürolehren. Er entschied sich für eine Lehre als Schreiner auf dem Arxhof. Anfänglich war der Wechsel von der Schulbank zum Schreinerhandwerk eine körperliche Umstellung. Aber nach rund einem halben Jahr hat sich das eingependelt und er fühlte sich dort wohl.
Hobby-Kunstturner bleiben
Auf seine weitere Entwicklung angesprochen meint er, dass er schon mehrmals Rücktrittsgedanken verspürte. Solange er aber mithalten könne, keine grossen Rückschritte erfahre und von Verletzungen verschont bleibe, werde er weitermachen. Janick Brunner verspürt noch immer grosse Motivation, neue Elemente und Verbindungen zu lernen. Sein grosses Repertoire einfach weiter zu perfektionieren, sei nicht sein «Ding» und würde auf Dauer zu langweilig. Aber natürlich stehen in den letzten sechs Wochen vor einem Wettkampf die Übungselemente und der Ablauf im Fokus.
Nach seiner Spitzensport-Karriere wolle er weiter als Hobby-Kunstturner aktiv bleiben. Eine früher ins Auge gefasste Trainerlaufbahn in Magglingen hat er abgebrochen. Zu gross war die Belastung neben dem Spitzensporttraining und einem 100 Prozent-Arbeitspensum.
In seiner Karriere gewann Brunner bislang viermal den Titel als Amateur-Schweizer-Meister – zuletzt Anfang Oktober an den Schweizer Meisterschaften in Winterthur. Als sein Highlight bezeichnet er jedoch den letztjährigen 7. Rang in der Kategorie Elite am Eidgenössischen Turnfest in Lausanne. Dieses Resultat hat für Brunner einen grösseren Stellenwert als der Titel «Turnfestsieger» bei den Amateuren.
Janick Brunners Glück ist perfekt: Mit seiner Frau Julia und dem vor vier Monaten geborenen Sohn Elijah geniesst er das Familienleben in einer schmucken Altbauwohnung in Liestal. Auch in seinem Lieblingssport darf er sich über grosse Erfolge freuen. Seit zehn Jahren arbeitet der Schreiner bei Steiner-Lamello in Bubendorf, wo er sein Vollzeitpensum mit Training, Wettkämpfen und Familienalltag gut vereinbaren kann. So bleibt neben Beruf und Familie weiterhin genügend Platz für seine grosse Leidenschaft.



