Kündigungswelle im Wald
19.06.2026 ReigoldswilKündigungswelle und happige Vorwürfe nach Neuorganisation beim Forstbetrieb Frenkentäler
Im Wald des Forstbetriebs Frenkentäler herrscht dicke Luft: Alle acht Mitarbeitenden des Standorts Reigoldswil haben gekündigt. Sie kritisieren die neue Führung und ...
Kündigungswelle und happige Vorwürfe nach Neuorganisation beim Forstbetrieb Frenkentäler
Im Wald des Forstbetriebs Frenkentäler herrscht dicke Luft: Alle acht Mitarbeitenden des Standorts Reigoldswil haben gekündigt. Sie kritisieren die neue Führung und strategische Ausrichtung. Die Betriebskommission weist die Vorwürfe zurück.
Pascal Kamber
Beim Forstbetrieb Frenkentäler (FBF) fliegen die Späne: Alle acht Mitarbeitende, die am Standort West in Reigoldswil stationiert waren, haben ihre Kündigung eingereicht. Unter ihnen auch André Minnig, der den Standort West mehr als zwei Jahrzehnte geleitet hat. Minnig und drei weitere Mitarbeitende teilten ihren Abschied bereits im Februar mit – just zu dem Zeitpunkt, als bekannt wurde, dass der bisherige Co-Geschäftsleiter Simon Tschendlik die alleinige Leitung des FBF übernimmt. Der «Volksstimme» sagte Minnig damals, dass er die neue strategische Ausrichtung des Betriebs nicht mittragen und nicht dahinterstehen könne: «Vor allem der Abgang von erfahrenen langjährigen Mitarbeitern beschäftigt mich sehr. Die Gründe der Kündigungen sind verschieden, jedoch haben persönliche Erfahrungen mit dem neuen Geschäftsleiter bei den meisten zu diesem Entscheid geführt.»
Dass der Haussegen schief hängt, bestätigt Hans Dettwiler, ehemaliger Präsident der Betriebskommission Forstbetriebe Frenkentäler und zuletzt als Vorarbeiter in Reigoldswil tätig. Er ist einer der vier weiteren Angestellten, die seit Februar ebenfalls ihre Kündigung eingereicht haben. «Die Reorganisation von einer Co- zu einer Einzelgeschäftsleitung war für uns ein zu krasser Schritt», sagt Dettwiler. Viele Mitarbeitende hätten sich gegen diesen Entscheid gewehrt, weil die neue strategische Ausrichtung aus ihrer Sicht nicht funktionieren würde. Die Rede ist von fehlender Akzeptanz und mangelndem Respekt vonseiten der neuen Führung. So seien die Mitarbeitenden des Standorts Reigoldswil in wichtige Prozesse nicht eingebunden und am Ende vor vollendete Tatsachen gestellt worden.
Die Kritik der Reigoldswiler Forstwarte richtet sich auch gegen Simon Tschendlik. Dettwiler vermisst beim neuen Einzelleiter eine klare Strategie. So sei beispielsweise unklar, ob der Wald künftig stärker genutzt oder der Naturschutz höher gewichtet werden soll. Zudem sorge man sich, dass Tschendliks Mandate als Landrat und Vorstandsmitglied von «Wald beider Basel» zu viel Zeit beanspruchen könnten und der Forstbetrieb darunter leiden würde. Die fehlende langfristige Planung belaste die Mitarbeitenden, was sich laut Dettwiler auch auf die Sicherheit auswirken könne: «Wer im Wald arbeitet, muss aufmerksam und bei der Sache sein. Forstwart ist nicht ohne Grund einer der gefährlichsten Berufe der Welt.»
Hinzu kommen Differenzen auf zwischenmenschlicher Ebene. So seien Personalgespräche eskaliert oder die Basis bei wichtigen Entscheiden nicht miteinbezogen worden. «Nachdem Simon Tschendlik seine Arbeit als Einzelleiter aufgenommen hatte, dauerte es mehr als sechs Wochen, bis er zum ersten Mal nach Reigoldswil kam», sagt Dettwiler. Was ihn zusätzlich stört: Man habe aufgrund der Differenzen auch mehrmals das Gespräch mit den zuständigen Gemeinderäten gesucht. «Geschehen ist bis jetzt nichts», sagt Dettwiler.
Von Problemen überrascht
Auf Anfrage der «Volksstimme» will sich Simon Tschendlik selber nicht zu den Vorwürfen äussern und verweist auf die Betriebskommission der Forstbetriebe Frenkentäler. Deren Präsident Hans Weber weist die Kritik an Tschendlik entschieden zurück. «Er ist ein guter Stratege mit einem tollen Netzwerk. Wir sind froh, dass er sich als Forstfachmann in der kantonalen Politik für den Wald starkmacht», sagt Weber. Ihm sei bewusst, dass diese Aufgabe viel Zeit beanspruche. «Simon ist extrem engagiert und am richtigen Platz», findet Weber.
Ebenso wenig nachvollziehen kann der Langenbrucker Gemeinderat den Vorwurf der fehlenden Strategie. Seit der Gründung des Zweckverbands seien die Forstbetriebe Frenkentäler finanziell erfolgreich unterwegs. «Seit 2021 haben wir den Umsatz verdoppelt», sagt Weber. Weil der Holzertrag inzwischen weniger als einen Viertel zum Ergebnis beiträgt, setzt der Zweckverband gezielt auf weitere Standbeine wie Naturschutz, Biodiversität und Schutzwald. «Die Schere zwischen traditionellem Holzschlag und den Gehältern ist in den vergangenen Jahren aufgegangen. In dieser Situation den Wald erfolgreich zu bewirtschaften, ist eine echte Herausforderung», erklärt Weber. Die Diversifikation sei deshalb wichtig, um den Betrieb rentabel zu gestalten. «Wir sind dadurch gewachsen und schreiben schwarze Zahlen», sagt Weber stolz.
Das Umsatzwachstum ist ein Grund für die Reorganisation des Zweckverbands. «Wir haben diesen Prozess rund ein Jahr sorgfältig und unter Einbezug der Kommissionen der Forstbetriebe Frenkentäler und Dottlenberg aufgegleist. Diese Neuordnung ist notwendig, um die Strategie zu unterstützen und umzusetzen», sagt Weber. Eine Einzelleitung sorge deshalb für klare operative Zuständigkeiten. «Die Lösung wurde von der Geschäftsleitung selbst angestossen, also von André Minnig und Simon Tschendlik, und von allen mitgetragen», betont Weber. Schliesslich sei eine Co-Leitung nicht immer einfach zu führen, weil am Ende jemand die Entscheide treffen müsse. Weber weist darauf hin, dass die Betriebskommission alle Beteiligten auf dem Laufenden gehalten habe: «Viermal sassen wir mit den Mitarbeitenden und einmal mit den Gemeindepräsidenten zusammen und informierten über den aktuellen Stand.»
Der Langenbrucker rechnet es André Minnig hoch an, dass er nach der Neuorganisation nicht sofort das Handtuch geworfen habe. «Von einer Führungsposition auf die untere Stufe zu wechseln, ist nicht einfach. André wollte es versuchen, weil ihm der Betrieb am Herzen lag. Letztlich hat es für ihn aber nicht gepasst», sagt Weber. Weil Minnig in der «alten» Führungsstruktur unter anderem direkter Ansprechpartner für die Mitarbeitenden war, löste seine Kündigung eine Welle aus. «Am Standort Reigoldswil führte das zu Unruhen, weil André sehr geschätzt wurde», sagt Weber.
Die vielen personellen Abgänge bedauere er zwar, gleichzeitig erstaune ihn diese Entwicklung: «Wir von der Betriebskommission sind überrascht von den Problemen im Hintergrund. Weil wir bislang nichts anderes gehört haben, gingen wir davon aus, dass die Zusammenarbeit gut funktioniert.» Der Austausch mit den Mitarbeitenden habe jederzeit stattgefunden, ebenso sei das mittlere Kader aktiv in die Prozesse eingebunden worden. «Einzelne Gespräche fanden gezielt ohne Beisein der damaligen Co-Geschäftsleitung statt, um offene und unabhängige Rückmeldungen zu erhalten», sagt Weber.
Bis die personellen Lücken wieder geschlossen sind, führt ein externer Dienstleister die Forstarbeiten rund um Reigoldswil aus. «Wir halten am Standort fest – nur schon aus logistischen Gründen, weil sich das Forstrevier geografisch in die Länge ausdehnt», versichert Hans Weber. Auch die angestrebte Fusion mit dem Forstbetriebsverband Dottlenberg, in dem die Gemeinden Arboldswil, Lampenberg, Liedertswil, Niederdorf, Oberdorf und Titterten zusammengeschlossen sind, werde vorangetrieben. Nachdem alle betroffenen Gemeinderäte die Statuten abgesegnet haben, hätten im laufenden Jahr die jeweiligen Gemeindeversammlungen über den Zusammenschluss abstimmen sollen. Das soll nun spätestens 2027 erfolgen. «Zuerst wollen wir wieder Ruhe in der Organisation», sagt Weber.

