Krimis und Sport – ein Spiegel
16.05.2026 SissachUeli Mäder diskutiert mit Christine Brand und Seraina Degen
vs. Am Donnerstag, 28. Mai, diskutiert Ueli Mäder mit der Krimi-Autorin Christine Brand und der Sport-Redaktorin Seraina Degen darüber, wie die Spannung in Krimis und im Sport unsere Gesellschaft ...
Ueli Mäder diskutiert mit Christine Brand und Seraina Degen
vs. Am Donnerstag, 28. Mai, diskutiert Ueli Mäder mit der Krimi-Autorin Christine Brand und der Sport-Redaktorin Seraina Degen darüber, wie die Spannung in Krimis und im Sport unsere Gesellschaft charakterisiert. Und Langeweile kompensiert?
Die Schriftstellerin Christine Brand kommt aus dem Emmental. Sie lebt in Zürich und auf Sansibar, produzierte Reportagen für die «Rundschau», schrieb lange für die «NZZ am Sonntag» und unterhält seit 2018 ein breites Publikum mit ihren Krimis. Zuletzt mit «Vermisst – Der Fall Lucas» (2026).
Brand ist eine neugierige Reisende. Ihr Fernweh ist ein Grund, weshalb sie Schriftstellerin ist. «Weil ich diesen Beruf überall ausüben kann», erzählt sie. Die Autorin ist an anderen Kulturen und daran interessiert, wie ein Mensch zu dem wird, was er ist. «Daher haben mich auch immer Abgründe fasziniert», so Brand. Die Gerichtsreporterin schreibt nun Krimis.
Im Emmental verwurzelt, fühlt sich Brand auf Sansibar zu Hause. Sogar «so sehr wie nie zuvor»; obwohl sie aus einer «komplett anderen Kultur» stamme. Vor ihrer Liebe zu Sansibar hatte sie «nie Heimweh». Heute spüre sie jedoch «eine schreckliche Sehnsucht», wenn ihr die Insel eine Weile fehle.
Brand greift in ihren Krimis gesellschaftlich relevante Themen auf, die sie akzentuiert und vertieft. Wobei die Realität manchmal brutaler sei als die Fiktion. So erreiche sie jedenfalls Menschen, die sich sonst kaum für die Thematik interessierten. Lesende fühlten sich auch zugehörig, wenn sie sich mit der Ermittlerin identifizierten. Sie erlebten dabei, «dass es nicht nur Schwarz und Weiss gibt». Die Autorin weigert sich, Menschen auf eine Untat zu reduzieren. Wie verbreitet die Gewalt an Frauen ist, empört sie. Ebenso mangelnde Gleichberechtigung. Auch im Sport, wenn etwa «Skispringerinnen statt eines Preisgeldes ein Shampoo erhalten».
Seraina Degen ist ehemalige Fussballerin bei Concordia Basel, seit mehr als zehn Jahren SRF-Redaktorin für Radio und TV, Sportjournalistin des Jahres 2025 und Kolumnistin der «Volksstimme». «Heimatverbunden, neugierig und engagiert» hat sie «viel Liebe für das Baselbiet, Mitmenschen und den Journalismus». Zu ihm fand sie 2005. Ihr Bruder war abwesend. Und der «Waldenburger Anzeiger» gab ihr einen Schreibauftrag. So kam sie über die heutige «ObZ» zu weiteren Medien.
Heimat ist Seraina Degen «sehr wichtig». Dazu gehören «das Baselbiet und mittlerweile auch Basel sowie weitere vertraute Orte» und «beruflich klar der Sport». Leidenschaftlich mit ihm und der vielfältigen Abwechslung verbunden, packen sie «vor allem auch die Geschichten neben dem Platz, wenn es um die Kehrseite der Medaille geht, um Hintergründe».
Sport ermöglicht laut Degen «Gemeinschaft, gemeinsame Erfahrungen und Emotionen – unabhängig von Herkunft, sozialem Status oder Alter». Egal, «ob in einem Amateurverein, beim Strassenlauf oder beim Anfeuern eines Spitzenteams»: Menschen erlebten sich «als Teil eines grösseren Ganzen». Und dieses «Wir-Gefühl» stärke soziale Bindungen und bilde «in einer individualisierten Gesellschaft ein Gegengewicht zu Vereinzelung und sozialer Isolation».
Zugehörigkeit entstehe «auch durch gemeinsame Regeln, Rituale und Werte». Wie «Fairness, Teamgeist und gegenseitiger Respekt».
So werde der Sport «für viele Menschen zu einem vertrauten und verlässlichen Lebensbereich». Hinderlich seien indes übersteigerter Leistungsdruck und Fanatismus, Kommerzialisierung, Diskriminierung, Sexismus und Feindseligkeit gegenüber anderer sexueller Orientierung. Heimat für alle hat für Degen auch damit zu tun, «wenn Menschen dankbar und demütig sind. Und offen dafür bleiben, dass alles im Leben einen Sinn hat und immer wieder ein Türchen aufgeht».
Gespräch mit Christine Brand und Seraina Degen, moderiert von Ueli Mäder, Musik von Lukas Rickli, Donnerstag, 28. Mai, 19.30 bis 21.00 Uhr, «Cheesmeyer», Sissach.

