Künstliche Intelligenz 2.0
16.10.2026 PolitikDaniel Meier, Gemeindepräsident Buckten, parteilos
Im Juni 2023 habe ich in meiner «Carte blanche» mit dem Titel «Künstliche Intelligenz!?» einen Versuch mit KI gemacht und versprochen, dass ich künftig für das Schreiben dieser ...
Daniel Meier, Gemeindepräsident Buckten, parteilos
Im Juni 2023 habe ich in meiner «Carte blanche» mit dem Titel «Künstliche Intelligenz!?» einen Versuch mit KI gemacht und versprochen, dass ich künftig für das Schreiben dieser Kolumne die Finger von KI lasse, weil ich den Leserinnen und Lesern lieber persönliche Texte vorlege.
KI hat mich seither trotzdem immer stärker beschäftigt. Die Entwicklung der vergangenen Jahre ist enorm, und KI ist aus dem heutigen Leben nicht mehr wegzudenken. KI bringt viele Erleichterungen, die wir gerne nutzen. Dank KI finden wir den schnellsten Weg von A nach B, verfassen Texte fehlerfrei, analysieren schnell grosse Zahlenmengen, gestalten ansprechende Flyer, erstellen perfekt wirkende Fotos, übersetzen mühelos fremdsprachige Texte oder generieren einen eigenen Song. KI ist in aller Munde, und fast täglich können wir davon in den Medien lesen oder hören. Die Technologie ist so selbstverständlich geworden, dass ich KI nicht mehr ausschreiben muss, da alle wissen, was es bedeutet. Wir alle nutzen KI bewusst oder unbewusst, doch was wissen wir darüber?
Vermehrt gibt es kritische Stimmen zu möglichen Gefahren, sogar von den Tech-Giganten, die den ganzen KI-Boom ausgelöst haben. Deren Warnungen sind aber zu relativieren, denn es dürften auch Mar- ketingüberlegungen dahinterstecken, um die geplanten Börsengänge der grossen KI-Konzerne zu beflügeln. Wenn deren Systeme so leistungsfähig sind, so steigt das Interesse der Investoren. Diese Interpretation hat ETH-Forscher Imanol Schlag am 19. September im «Tages-Anzeiger» geäussert. Auffällig ist, dass der «Tages-Anzeiger» vermehrt KI thematisiert und dabei die Gefahren eher kleinredet: In einem Interview vom 10. Oktober sagt ETH-Forscher Florian Tramèr etwa, dass schädliche Server einfach abgeschaltet werden können und jeder und jede selber für die Sicherheit auf dem eigenen Notebook oder Smartphone schauen müsse. Ist dies nicht etwas zu kurz gedacht? Dies steht notabene in einer Zeitung, deren Mutterhaus Tamedia kürzlich verkündet hat, unter anderem wegen der Implementierung von KI-Technologien Personal abzubauen. Ein Schelm ist, wer Böses dabei denkt?
Die Vorfälle von KI-Systemen, die sich selbstständig in andere Systeme eingehackt haben, zeigen, dass der sorglose Umgang mit KI sehr wohl mit Risiken behaftet ist. KI-Systeme werden trainiert, um ein Ziel zu erreichen. Sie stellen die Zielerreichung über alles und kennen keine moralischen oder rechtlichen Grenzen; zur Auftragserfüllung wehren sie sich gar gegen eine Kontrolle. Solange eine solche Technologie kontrolliert und gesteuert wird, kann sie einen grossen Nutzen bringen. Doch der KI-Hype hat eine Goldgräberstimmung aufkommen lassen, bei der moralische Bedenken in den Hintergrund rücken. Der rasante Ausbau der KI-Infrastruktur bringt den Technologieunternehmen grosse Gewinne. Weltweit werden riesige Rechenzentren mit einem enormen Energiebedarf gebaut, was auch ökologisch sehr bedenklich ist.
Es braucht einen verantwortungsvollen Umgang mit KI. Oft geht es auch ohne. Wir sollten wieder mehr den eigenen Fähigkeiten vertrauen. Es muss nicht perfekt sein – lieber einfach, ressourcenschonend und originell.
In der «Carte blanche» äussern sich Oberbaselbieter National- und Landratsmitglieder sowie Vertreterinnen und Vertreter der Gemeindebehörden zu einem selbst gewählten Thema.

