Klänge zum Träumen und ein Abschied
03.11.2026 GelterkindenJodlerklub Farnsburg und seine Gäste überzeugten am «Jodlerobe»
Der Jodlerklub Farnsburg begeisterte in Gelterkinden mit einem abwechslungsreichen Konzertabend. Neben musikalischen Höhepunkten sorgte ein Abschied für bewegende Momente: Nach 16 Jahren gab ...
Jodlerklub Farnsburg und seine Gäste überzeugten am «Jodlerobe»
Der Jodlerklub Farnsburg begeisterte in Gelterkinden mit einem abwechslungsreichen Konzertabend. Neben musikalischen Höhepunkten sorgte ein Abschied für bewegende Momente: Nach 16 Jahren gab Dirigentin Doris Hirsbrunner den Taktstock ab.
Stephan Imhof
«Wenn man alle zählt, sind es unzählige!» Mit den Worten des ehemaligen deutschen Bundeskanzlers Olaf Scholz begrüsste Präsident Ruedi Hirsbrunner die Gäste, welche die Gelterkinder Mehrzweckhalle bis auf den letzten Platz füllten. Das Jodeln erlebt derzeit Höhenflüge. Sei es an Schwingfesten mit Alphornklängen und Fahnenschwingen oder an Jodlerabenden wie dieses Wochenende. Diese schweizerische Tradition liegt seit Jahren im Trend und geniesst in der Bevölkerung grosse Popularität.
Die «Bözbergbuebe» eröffneten das Konzert am Samstagabend mit lüpfigen Melodien. Musikalisch bestens eingestimmt, erlebte das Publikum anschliessend Hörgenuss vom Feinsten. Neben Ehrenpräsident Hans Rickenbacher begrüsste Ruedi Hirsbrunner speziell auch den Komponisten Paul Meier unter den Gästen. Er hat das erste Lied «Jugendzyt» geschrieben. Mit sehr feinen Tönen intoniert, bildete der Vortrag einen überzeugenden Beginn und motivierte den Präsidenten mit Blick zum Komponisten zur Aussage: «Hoffentlich konnten wir das Lied in deinem Sinne umsetzen!» Mit dem zweiten Lied «Heimetfrüehlig» erinnerte der Jodlerklub an das diesjährige Eidgenössische Jodlerfest in Basel. Spätestens hier deutete sich an, auf welch hohem Niveau sich die 26- köpfige Männerformation befindet. Makellos intoniert erklang dieses anspruchsvolle Lied und erntete grossen Applaus. Der Präsident erläuterte, wie dieser Vortrag am «heissen Eidgenössischen» im Juni in Basel ertönte und die Sänger mit der Bestnote 1 (sehr gut) belohnte.
Historische Kulisse
Anschliessend hiess es Bühne frei für das Jodelduett Claudia Steger und Eva Bürgin-Bärtschi, mit Sonja Schälin-Zürcher am Akkordeon. Es gehört zur langjährigen Gepflogenheit, dass eine Gastformation den Anlass bereichert. Passend zur Jahreszeit zelebrierten die beiden Jodlerinnen das Lied «Herbschtwanderig» und feines Gespür für eine mit dem Text austarierte Melodik. Stilsicher in Intonation und Dynamik erklang auch das zweite Lied, «Vergässed nid», vorgetragen mit dem dazu gestossenen Jodler Andreas Stalder, der die Gruppe zu einem Jodelterzett erweiterte.
Vor der malerischen Kulisse historischer Häuserzeilen von Gelterkindens Dorfplatz erklangen vom Jodlerklub Farnsburg zwei weitere Lieder. Nach dem Jodelduett, das vor allem mit dem von der Volksmusiklegende Hans Aregger komponierten Lied «Liebi schtreue» nochmals brillierte, folgte eine Überraschung.
Das langjährige Mitglied Hansueli Scholer intonierte a capella den «Schacher Seppli» und wurde nach der vierten Strophe vom «ganz in Weiss gekleideten Engel Petrus mit freudigen Posauenklängen im Himmel begrüsst». Ein amüsant-besinnlicher Schlusspunkt des ersten Teils.
Zu Beginn des zweiten Teils informierte Dirigentin Doris Hirsbrunner, dass die angekündigte Kleinformation «Geissfluehchörli» infolge Krankheit nicht auftreten kann. In die Bresche sprang Ruedi Bossert, der – an der Drehorgel sich selbst begleitend – mit seinem Gesang für Furore sorgte. Mit den Liedern «Baselbiet my Häimetärde» und vor allem mit «Träum dy Stärki» brachte er fröhliche Stimmung in die Halle.
Man wähnte sich – fast ein bisschen träumend – auf der Bölchenfluh, den erhabenen Blick auf «unsere» Heimaterde geniessend. Da verzieh man ihm schmunzelnd sein Geständnis, dass er die Melodien aus Österreich «importiert» habe.
Mit Wehmut
Präsident Ruedi Hirsbrunner verdankte den Auftritt von Bossert schalkhaft mit einer Spraydose, deren Inhalt das Drehörgli vor Quietschen und Knarren schützen soll. Es folgte nochmals ein Auftritt des Jodelterzetts, darunter ein einfühlsam vorgetragener Appenzeller Jutz. Der letzte Teil aber gehörte dem Jodlerklub Farnsburg. Nach dem lüpfigen Lied «Muess juchzge» gab der Präsident die Demission der Dirigentin Doris Hirsbrunner bekannt.
Aus gesundheitlichen Gründen sah sie sich nach 16-jähriger Chorleitung zum Rücktritt gezwungen. Ihr zu Ehren dirigierte sie das melancholische Schlusslied «Aabestärn», was eine Zugabe unausweichlich machte. Und so ertönte mit allen Teilnehmenden nochmals unter ihrem Dirigat, passend zum Herbst, das Lied «Schnittertanz». Ganz zum Schluss wurde das Wirken von Doris Hirsbrunner gebührend verdankt, erreichte doch der Klub unter ihrer Leitung an vier «Eidgenössischen» immer die Bestnote.

