Kleine Parzellen, grosse Aufgabe
02.07.2026 NusshofDie Melioration des Kulturlands wird das Dorf noch lange beschäftigen
Im Gemeindebann von Nusshof hat die Melioration mit einer Geländebegehung Fahrt aufgenommen. Das Ziel besteht darin, das Generationenprojekt ordentlich abzuschliessen. Auf dem Weg dorthin wird es wohl ...
Die Melioration des Kulturlands wird das Dorf noch lange beschäftigen
Im Gemeindebann von Nusshof hat die Melioration mit einer Geländebegehung Fahrt aufgenommen. Das Ziel besteht darin, das Generationenprojekt ordentlich abzuschliessen. Auf dem Weg dorthin wird es wohl schwierige Veranlagungen geben.
Willi Wenger
Die Gesamtmelioration in Nusshof schreitet voran: Nach einer vor rund zehn Jahren erstellten Vorstudie hat unlängst eine Geländebegehung stattgefunden. Im Rahmen dieser öffentlichen Besichtigung der in den vergangenen Wochen angelegten Profilgruben zur Analyse der Bodenbeschaffenheit und des Wasserhaushalts wurde deutlich, dass das Projekt ein ganz Grosses wird. Gemeinderat Ueli Michel, der wohl neue Gemeindepräsident, machte deutlich, dass es noch viele Jahre dauern wird, bis die Gesamtmelioration abgeschlossen werden kann.
Michel nannte konkrete Beispiele, was im Rahmen dieses Generationenprojekts alles zu tun sein wird. So müssen unter anderem zahlreiche Wege saniert oder sogar neu gebaut werden, im Speziellen die rund 1 Kilometer lange Zufahrt zum Hof Buchmatt, eine Strasse, die sich in desolatem Zustand befindet und über keine entsprechende Kofferung verfügt. Michel ergänzte seine Ausführungen mit dem ebenfalls sanierungsbedürftigen Drainagenetz, den sehr vielen kleinen «Hosenträger-Parzellen» und mit den Ausdolungen, deren Aufwand zurzeit nicht abgeschätzt werden kann.
Ein Blick auf den 126 Hektar grossen Perimeter beziehungsweise auf die Karte zeigt, dass die Ausgangslage für die Gesamtmelioration anspruchsvoll ist. Von den mehr als 400 Parzellen liegen gegen 300 im Flurgebiet. Viele sind sehr klein; sie weisen weniger als 25 Aren auf und sind nicht mal so breit wie ein Mähbalken. Deren Bewirtschaftung sei, so Michel, aufgrund von komplizierten Anfahrtswegen vielfach suboptimal. Das offene Kulturland sei stark parzelliert. Die Parzellen sind meist vieleckige oder konische Einheiten, die eine zeitgemässe, rationelle Bewirtschaftung verunmöglichen.
Der Gemeinderat von Nusshof sagt, dass es bei der Melioration um Eingriffe ins Grundeigentum gehe: «Wir rechnen mit zum Teil schwierigen Verhandlungen mit Besitzerinnen und Besitzern.» Michel weiss, dass es oft schwerfalle, ein Grundstück aufzugeben, das schon seit Generationen im Familienbesitz sei, und es gegen ein anderes mit dem gleichen Wert zu tauschen. «Für mich ist klar, dass wir vom Gemeinderat oder von der Meliorationskommission nicht für jeden Eigentümer das Maximum herausholen können. Ich appelliere an den gesunden Hausverstand und an die Bereitschaft aller, für die Neuzuteilung des Grundeigentums respektive zu dieser Landumlegung Hand zu bieten.»
Gesamtkosten: 3,1 Millionen
Der Gemeinderat von Nusshof hat sich für das Gemeindeverfahren entschieden. Somit liegen die Entscheide bei der Gemeindeversammlung. Für die Durchführung der Gesamtmelioration zuständig ist schliesslich die Meliorationskommission, die aus einem Vertreter des Gemeinderats, in diesem Fall Ueli Michel, Grundeigentümern und Einwohnern besteht. Präsidiert wird sie von Niklaus Lang. Beratend unterstützt wird dieses Gremium durch das landwirtschaftliche Zentrum Ebenrain in Sissach.
Die teuerungsbereinigten Gesamtkosten der Melioration betragen 3,1 Millionen Franken. 2,2 Millionen Franken steuern der Bund und der Kanton bei; den restlichen Anteil trägt Nusshof selbst. Letztlich dürfte das Fazit für die Gesamtmelioration positiv ausfallen: So profitieren Eigentümer und Landwirte von den Umlegungen und Arrondierungen und vom Ausbau der Infrastrukturanlagen wie Wegen und Drainagen. Zudem lassen sich die Baukosten aufgrund der geringeren Aufwendungen deutlich senken. Die Investitionen liessen sich so in wenigen Jahren amortisieren, meint der Gemeinderat von Nusshof. Die Gemeinde wird unter anderem unterhaltsaufwendige Anlagen zu betreuen haben.
Die unlängst durch die Gasche-Bodengutachten GmbH mit Sitz in Basel begonnene Bodenkartierung im Meliorationsperimeter hat Erkenntnisse über die Bodenbeschaffenheit und den lokalen Wasserhaushalt geliefert. Daraus ergaben sich wertvolle Hinweise auf die Fruchtbarkeit und die Eignung des Bodens für landwirtschaftliche Zwecke.
Bodenbeschaffenheit analysiert
Die von Geograf Thomas Gasche gewonnenen Daten bilden die unverzichtbare Basis für die spätere Neuzuteilung der landwirtschaftlichen Parzellen. Sie sollen, so Gasche, sicherstellen, dass bei der anstehenden Feldregulierung fair und gleichwertig abgetauscht werden kann.
Die besichtigten Profilgruben mit einer Tiefe von 1,5 Metern wurden in Nusshof nach gängigen wissenschaftlichen Methoden ausgewertet.
Die Bodenbeschaffenheit zeigte sich im in der Regel typischen Jurakalk-Boden unterschiedlich. Durch den teils lehmigen wie tonigen Untergrund ist der Bodenwasserhaushalt zuweilen gestört. Dies sei nur ein Bewertungskriterium, sagt Gasche. In die Bewertung einfliessen würden das Gelände als Grundsatz, seine Hangneigung, die Nähe zum Waldrand und auch die Nähe zum Hof. Er untersuchte aber auch, wie tief Wurzeln vordringen können.
Nusshof mit seinen 291 Einwohnern und einer Fläche von 172 Hektar hat als viertkleinste und flächenmässig achtkleinste Gemeinde des Kantons Baselland aktuell noch sieben direktzahlungsberechtigte Landwirtschaftsbetriebe. Davon haben aber nur drei ihren Betriebsstandort im Gemeindebann. Die restlichen vier stammen aus den Nachbargemeinden. Aufgrund der Topografie stehen die Tierhaltung und der Naturfutterbau im Vordergrund. Ackerbau spielt eine eher untergeordnete Rolle.


