Klassik trifft auf Techno
08.09.2026 Hölstein«Between Mountains»-Festival lässt Welten ineinander verschmelzen
Vom Kammerorchester über experimentelle Musik bis zum Techno-DJ fand am Wochenende im Zentrum Holdenweid alles zusammen. Das Festival will mit diesem Konzept Besuchenden die Chance geben, klassische ...
«Between Mountains»-Festival lässt Welten ineinander verschmelzen
Vom Kammerorchester über experimentelle Musik bis zum Techno-DJ fand am Wochenende im Zentrum Holdenweid alles zusammen. Das Festival will mit diesem Konzept Besuchenden die Chance geben, klassische Musik in einem neuen Rahmen kennenzulernen.
Lea Wieser
Kurz vor Hölstein führt eine kleine Strasse hinauf in den Wald. Der etwa fünfminütige Fussweg bis zum Zentrum Holdenweid wird begleitet vom Zwitschern der Vögel und dem Plätschern eines Bächleins. Nach einer Weile werden diese Geräusche vom Dröhnen einer Musikanlage abgelöst.
Wer diesen Weg auf sich nimmt, taucht am Ende direkt in die Welt des «Between Mountains»-Festivals ein. Die Gebäude, die sich auf der Holdenweid mitten im Wald auftun, erinnern in diesem Kontext keineswegs mehr an ihre frühere Funktion als Psychiatrie. Stattdessen ist alles in warmes Licht getaucht, wodurch die gemütliche Atmosphäre auch bis spät in die Nacht bestehen bleibt.
Dieses Jahr fand das Festival zum zweiten Mal statt. Einiges ist stark gewachsen. Während sich das Musikspektakel im vergangenen Jahr lediglich an einem Samstag abspielte, spannte es sich dieses Wochenende vom Freitagabend bis zum Sonntag. Das habe sich gelohnt, denn die Zahl der verkauften Tickets habe sich, so Festivalleiter Baldur Brönnimann, im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Mit etwa 800 Personen auf dem Gelände stiess das Festival erneut auf grosses Interesse. «Das ‹Between Mountains›- Festival wächst momentan schneller als sein Schwesterfestival ‹Detect Classic›, das seit 2019 in der Nähe von Berlin stattfindet», sagt Brönnimann, der für die klassische Musik des Festivals verantwortlich ist.
Um den Gästen eine Übernachtungsmöglichkeit bieten zu können, zählte das «Between Mountains» dieses Jahr auch einen Campingplatz nahe der Station Lampenberg-Ramlinsburg zu seinen Angeboten. Mit einem Shuttle konnten sich die Gäste bequem vom Zeltplatz zum Festivalgelände und wieder zurück bewegen. «Das Campingangebot ist noch etwas improvisiert. Es gab dort zum Beispiel keinen Trinkwasserzugang. Dieses Wochenende hat uns allerdings gezeigt, dass es sich lohnt, das Zelt-Angebot auszubauen», sagt Brönnimann.
Auf dem gesamten Areal des Impulszentrums schaffte das Team des «Between Mountains» verschiedenste Orte für Musik, Kunst und Begegnung. Die Hauptbühne «Im Puls» sowie die «Garage» boten Platz für Konzerte verschiedenster Art sowie DJ-Sets bis spät in die Nacht. Orchesterauftritte und weitere klassische Konzerte fanden im Saal statt.
«Hier zu spielen ist sehr einzigartig», findet die Schweizer Pianistin Beatrice Berrut. «Am meisten fasziniert mich, wie durchmischt das Publikum ist. Am Nachmittag haben bei meinem Konzert sowohl ältere Leute als auch Kinder zugehört.» Eine solche Spannweite zu erreichen sei besonders bei klassischer Musik selten.
Für Baldur Brönnimann und seinen Co-Leiter Felix Heri sei ebendas einer der Hauptgründe gewesen, ein Festival dieser Art in der Schweiz zu veranstalten. «Das Ziel war, klassische Musik in einem anderen Rahmen als üblich für ein breiteres Publikum zugänglich zu machen», sagt Brönnimann. Auch dass das Festival mitten im Wald stattfindet, sei bewusst gewählt. «Wir wollten einen Ort schaffen, der ganz eigenständig existieren kann und während des Festivals so wenig wie möglich von der Aussenwelt beeinflusst wird.» Ausserdem sei es für ihn, der in Pratteln und somit selbst im Baselbiet aufgewachsen ist, toll, eine solche Veranstaltung auf dem Land und nicht, wie die meisten, in der Stadt zu veranstalten. «Deshalb bedeutet die Zusammenarbeit mit dem ‹Jungen Kammerorchester Baselland› auch viel für uns. Dass sich junge, lokale Künstlerinnen und Künstler am Festival beteiligen, ist sehr wertvoll», findet Brönnimann. Diese stiessen beim Publikum auf Anklang. Die spannende Mischung aus Nebelmaschine, rotem Neonlicht und Vivaldi lockte eine grosse Menge an Zuschauenden an.
Um sich ein wenig zurückzulehnen oder am Abend aufzuwärmen, kam das «Schmusi» gelegen: Der Dachboden des Hauptgebäudes wurde auf liebevolle Art zu einer Wohlfühloase mit Hängematten, Teppichen und Sitzgelegenheiten umgestaltet. Die ganze Nacht über wurde dort mit gemütlich-experimentellen DJ-Sets für Stimmung gesorgt.
Während eine dritte Runde des Festivals im nächsten Jahr bereits feststehe, seien bislang keine spezifischen Erweiterungen geplant. «Wir wollen keine übertriebenen Schritte erzwingen, sondern möchten, dass das Festival organisch weiterwachsen kann», sagt Brönnimann. Er sei überwältigt vom Interesse der Besuchenden, die aus der ganzen Schweiz, den Nachbarländern und angeblich sogar den USA anreisten. Viele der Gäste seien, nach einem überzeugenden Besuch im vergangenen Jahr, zum zweiten Mal wiedergekommen.

