Kellerei Siebe Dupf zügelt
23.04.2026 LausenDas Weinhaus baut an der Autobahn für 13 Millionen Franken seine neue Heimat
Nach mehr als 150 Jahren verlässt die Siebe Dupf Kellerei AG ihren Standort an der Liestaler Kasernenstrasse. Das Traditionsweinhaus zieht nach Lausen – in einen 13-Millionen-Franken-Neubau, der ...
Das Weinhaus baut an der Autobahn für 13 Millionen Franken seine neue Heimat
Nach mehr als 150 Jahren verlässt die Siebe Dupf Kellerei AG ihren Standort an der Liestaler Kasernenstrasse. Das Traditionsweinhaus zieht nach Lausen – in einen 13-Millionen-Franken-Neubau, der im Sommer kommenden Jahres bezogen werden soll.
Thomas Gubler
Irgendwie war es schon seit längerer Zeit absehbar. Die Siebe Dupf Kellerei AG, die sich trotz schweizweit sinkendem Weinkonsum immer noch auf Wachstumskurs befindet, konnte sich an ihrem derzeitigen Sitz an der Kasernenstrasse 25 in Liestal kaum mehr bewegen, geschweige denn weiterentwickeln. Und trotz langjähriger intensiver Suche hat man in der «Heimatgemeinde» keinen adäquaten neuen Standort finden können.
Zusammen mit der Standortförderung Basel-Landschaft ist man nun in unmittelbarer Nähe, an der Saarbaumstrasse in Lausen – eine Querstrasse zur A22-Anfahrt – fündig geworden und konnte eine passende Parzelle für einen neuen Betriebsstandort der Kellerei erwerben. Mit dem Architekturbüro Otto Partner Architekten AG wurde darauf ein Projekt für einen Neubau entwickelt, der bereits im Sommer des nächsten Jahres bezogen werden soll. «Am vergangenen Donnerstag wurde die Baubewilligung erteilt. Im Juni oder Juli soll der Spatenstich erfolgen», sagte Nicolas Neuhaus, Geschäftsleiter der Siebe Dupf Kellerei AG, an der Medienorientierung vom Dienstag in Liestal.
Damit, so Neuhaus weiter, schlage das Weinhaus nach mehr als 150 Jahren in Liestal ein neues Kapitel auf. Ein Schritt, der sich, so der Geschäftsleiter, aufdrängte, nachdem das überdurchschnittliche Wachstum der vergangenen 20 Jahre dazu geführt hatte, dass zusätzliche Lagerräumlichkeiten in der Umgebung angemietet werden mussten, um dem steigenden Platzbedarf gerecht zu werden. 260 Tonnen Trauben verarbeitet die Kellerei im Durchschnitt pro Jahr und keltert rund 300 000 Flaschen Wein. Zudem seien die bestehenden Gebäude in die Jahre gekommen. Ein wirtschaftliches Arbeiten am heutigen Standort sei zunehmend schwieriger geworden, was den Bedarf nach einem Neubau verstärkt habe.
Mit diesem, einem modernen Bauwerk mit Holzverkleidung, will die Firma alle Aktivitäten und alle Standorte wieder unter einem Dach vereinen. Vorgesehen sind laut Nicolas Neuhaus moderne Produktionsanlagen mit Barrique-Keller, einer Abfüllanlage, grosszügigen Lagerräumlichkeiten, Büros und einem neuen «grosszügigen, lichtdurchfluteten Laden», wie Projektleiter Pascal Epple von Otto Partner Architekten AG erklärte. Denn neben der Weinproduktion war der Weinhandel stets ein wichtiges Standbein des Unternehmens.
Ein neues Ladenlokal bedeutet aber gleichzeitig, dass «Siebe Dupf» künftig in Liestal keinen Laden mehr betreiben wird. Aus wirtschaftlichen Gründen, so Neuhaus, lasse sich im Kantonshauptort nicht auch noch ein Verkaufsgeschäft betreiben.
Eventraum für Önotourismus
Ergänzt werden soll das Angebot im Neubau schliesslich durch eine Besonderheit, nämlich einen flexibel unterteilbaren Eventraum mit grosser Dachterrasse und einer Gastronomieküche. Damit, so Neuhaus, «positioniert sich die Kellerei auch als attraktiver Ort für den Önotourismus mit Führungen, Genussevents und Weinschulungen».
Die Kosten für den Bau werden auf 13 Millionen Franken veranschlagt. Für den Kellerneubau kann das Weinhaus indessen angesichts seiner bedeutenden Rolle für die Traubenproduzenten der Region auf Fördergelder des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) für Projekte zur regionalen Entwicklung (PRE) zählen. 3 Millionen erhält die Kellerei als zinslose Darlehen und weitere 850 000 Franken als À-fonds-perdu-Beitrag.
Mit dem Wegzug nach Lausen endet eine lange Beziehung zwischen der Stadt Liestal und der Siebe Dupf Kellerei AG, beziehungsweise der einstigen Schwob Weinhandlung. Nicolas Neuhaus spricht denn auch angesichts des neuen Projekts von einem «lachenden und einem weinenden Auge». Das Unternehmen wurde 1874 von Johannes Schwob gegründet. Nach dessen Tod ging es an eine Stiftung. Im Jahr 2006 wurde es an zwei Baselbieter Unternehmer verkauft. Diese brachten die Firma durch Investitionen in die Produktionstechnologie und eine kompromisslose Erzeugung von Qualitätsweinen auf Vordermann. 2022 wurden die Aktien der Siebe Dupf Kellerei AG im Rahmen eines Management-Buy-outs von einem Teil des Führungsteams übernommen.
PRE-Verein ohne Geschäftsführerin
je. Die Geschäftsführerin des Vereins «Genuss aus Stadt und Land» wird ihre Stelle Ende April abgeben und sich «eigenen Projekten» widmen: Lena Dangla verlässt den Verein nach zweieinhalb Jahren, wie sie in einem Rundschreiben mitteilt. Das Programm «Projekte zur regionalen Entwicklung» (PRE) wird noch bis Ende 2027 von den Kantonen Baselland und Basel-Stadt sowie vom Bund unterstützt. Unter dem Label «Genuss aus Stadt und Land» wurden in den beiden Basel bislang mehr als 20 Projekte gefördert, darunter auch das «Metzgerhuus» in Füllinsdorf. Die Aufgaben von Dangla werden vom Vereinsvorstand übernommen. Dieser besteht aus Samuel Guthauser (Bauernverband beider Basel), Laura Grazioli (La famiglia Fluhberg, Sissach), Raffael Jenzer («Metzgerhuus», Füllinsdorf) und Christoph Schön (Markthalle, Basel). Zusätzlich soll Urs Giezendanner vom Ebenrain-Zentrum vermehrt operative Aufgaben übernehmen. Der Kantonsangestellte ist bereits jetzt für die Begleitung des PRE-Programms zuständig.


