Kampf um Verkehrsknotenpunkt
21.08.2026 TecknauNach dem Aus für die Bushaltestelle sorgt sich das Dorf um die Zukunft des Bahnhofs
Seit dem Fahrplanwechsel fährt die Buslinie 103 den Bahnhof Tecknau nicht mehr an. Mittels Petition soll die Haltestelle wieder reaktiviert werden. Inzwischen spielt auch die Zukunft des Bahnhof ...
Nach dem Aus für die Bushaltestelle sorgt sich das Dorf um die Zukunft des Bahnhofs
Seit dem Fahrplanwechsel fährt die Buslinie 103 den Bahnhof Tecknau nicht mehr an. Mittels Petition soll die Haltestelle wieder reaktiviert werden. Inzwischen spielt auch die Zukunft des Bahnhof Tecknau eine Rolle.
Lea Wieser und Pascal Kamber
Nicht nur für die Petentinnen und Petenten und jene 651 Menschen, welche die Petition «Reaktivierung der Haltestelle Bahnhof Tecknau und stattdessen Streichung der Haltestelle Mitteldorf auf der Buslinie Nr. 103 Gelterkinden – Oltingen» unterzeichnet haben, ist klar: Tecknau soll auch künftig als Verkehrsknotenpunkt für das obere Baselbiet erhalten bleiben. «Der Bahnhof Tecknau dient nicht nur den etwas mehr als 800 Einwohnerinnen und Einwohnern des Dorfes als Verkehrsknotenpunkt», sagt Grüne-Nationalrätin Florence Brenzikofer, die in Oltingen wohnt und selbst regelmässig mit dem Bus und Zug unterwegs ist. Auch für umliegende Gemeinden wie Wenslingen und Oltingen stelle er eine Verbindung zum Schienennetz dar.
Da es die Diskussion um eine Schliessung des Bahnhofs jedoch schon seit Jahrzehnten gibt, sorgen sich Teile der Bevölkerung, dass man mit dem Abschaffen der Bushaltestelle nun einen Schritt näher an einer Schliessung ist. Immerhin: Wie die SBB auf Anfrage mitteilen, soll sich am Halt Tecknau in nächster Zukunft nichts ändern.
Bereits vor dem Fahrplanwechsel im vergangenen Dezember versuchte die Bevölkerung gemeinsam mit der Gemeinde Tecknau, die Haltestellen-Änderungen mit verschiedenen Argumenten aufzuhalten. Jedoch ohne Erfolg: Die Bushaltestelle am Bahnhof Tecknau wurde ersatzlos gestrichen, während die Haltestelle Mitteldorf als Ersatz nun einige 100 Meter weiter oben an der Wenslingerstrasse stationiert ist. Grund dafür war die Ausrichtung der Buslinie 103 auf die Fahrzeiten der Schnellzüge in Gelterkinden. Beide Haltestellen weiterhin zu bedienen, sei laut Postauto AG keine Option gewesen, weil der Bus durch die Schlaufe zum Tecknauer Bahnhof zu viel Zeit verlieren würde.
Als Reaktion lancierte eine Gruppe aus Tecknau und Wenslingen eine Petition. Diese forderte die Reaktivierung der Bushaltestelle am Bahnhof und die Streichung jener im Mitteldorf. Innerhalb kürzester Zeit kamen 651 Unterschriften zusammen. Im vergangenen Februar wurde die Petition an die Baselbieter Landeskanzlei überreicht. Die Petentinnen und Petenten kritisieren insbesondere, dass der neue Standort der Haltestelle Mitteldorf gefährlich gelegen und für ältere sowie gehbehinderte Personen schwerer zu erreichen sei.
Ihr Lösungsvorschlag: Die Haltestelle Bahnhof soll wieder in Betrieb genommen und dafür jene im Mitteldorf aufgehoben werden. Damit könnte die Anbindung an die beiden Schnellzüge in Gelterkinden bestehen bleiben und der Weg für das Tecknauer Bahnhofsquartier wäre wieder ungefährlicher und kürzer, ohne dass Wenslingen und Oltingen ihre mit dem Fahrplanwechsel gewonnenen Vorteile verlieren.
Die zuständige Bau- und Planungskommission des Landrats hat nun ihren Bericht abgegeben. Für die Debatte in der Parlamentssitzung am kommenden Donnerstag empfiehlt sie lediglich eine Kenntnisnahme der Petition. Der Entscheid fiel mit 7 zu 5 Stimmen allerdings denkbar knapp aus. Eine Kommissionsminderheit sprach sich dafür aus, die Petition als Postulat zu überweisen.
Umliegende Dörfer profitieren
Neben Tecknau sind auch die Gemeinden Wenslingen und Oltingen davon betroffen, dass die Buslinie 103 den Bahnhof nicht mehr direkt anfährt. Wie Wenslingens Gemeindepräsident Roger Grieder auf Anfrage erklärt, haben man im Rahmen der politischen Diskussion die Haltung der Gemeinde zur geplanten Reaktivierung der Bushaltestelle abgegeben. «Weil die Debatte noch läuft, kann ich nicht mehr dazu sagen», so Roger Grieder.
Persönlich sei er der Ansicht, dass sich die Wendeschlaufe beim Bahnhof vor allem für jene Menschen lohne, die mit dem Zug ins Mittelland und weiter in Richtung Bern oder Luzern reisen würden. «Wer nach Basel will, fährt mit dem Postauto nach Gelterkinden und steigt dort auf den Zug um», sagt Grieder.
Er könne aber den Ärger der Tecknauer Bevölkerung nachvollziehen, die nun einen weiteren Weg zu ihrem Zuhause oder zur Bushaltestelle gehen müssen.
Für «sein» Dorf überwiegen indes die Vorteile, die sich aus dem letzten Fahrplanwechsel ergeben hatten. Seither profitieren die Wenslingerinnen und Wenslinger unter der Woche von einem ganztägigen Halbstundentakt sowie vom durchgehenden Stundentakt am Wochenende. «Im Dorf haben mir schon viele gesagt, dass das der Hammer sei», so Grieder. Einer möglichen Schliessung des Bahnhofs Tecknau schaut er deshalb gelassen entgegen. «Ich bin 17 Jahre lang von Wenslingen nach Winterthur gefahren und habe die Auslastung sowie Entwicklung des Bahnhofs hautnah miterlebt», erzählt Roger Grieder. «Die Befürchtung, dass die SBB den Bahnhof nicht mehr bedienen, ist schon lange da – und wohl eine Frage der Zeit, bis das auch tatsächlich geschieht.»
Auch in Oltingen ist man zufrieden mit dem neuen Busfahrplan. «Im Gegensatz zu früher haben wir einen Anschluss an den Schnellzug, das ist für Oltingen sehr attraktiv», sagt Vize-Gemeindepräsidentin Andrea Brenna. Wie ihr Amtskollege aus Wenslingen könne sie aber verstehen, dass der Frust in Tecknau wegen der angepassten An- und Abfahrtszeiten etwas grösser sei. Andrea Brenna betont zudem, dass der Oltinger Gemeinderat bei der Fahrplananhörung auf die Bedeutung des Bahnhofs Tecknau hingewiesen habe: «Es braucht ihn nach wie vor – nur schon, damit Gelterkinden nicht noch stärker mit individuellem Verkehr belastet wird.» Diese Pufferzone dürfe nicht wegfallen, so Brenna.
«Ich kann mir gut vorstellen, dass die Petition nächste Woche im Landrat beraten wird», sagt Florence Brenzikofer. Diese Woche habe zudem eine Begehung mit der Interessensgemeinschaft öffentlicher Verkehr stattgefunden. Ziel sei gewesen, herauszuarbeiten, was für einen Testbetrieb der Bushaltestelle am Bahnhof nötig wäre. «Mir ist es wichtig, dass die Leute wissen, dass man sich um das Anliegen kümmert und das Thema auch von nationalen Akteuren der Interessensgemeinschaft Öffentlicher Verkehr aufgenommen wird», sagt Florence Brenzikofer.
Grosses Einzugsgebiet
Auch für Petentin Maja Coletti aus Tecknau geht es um mehr als eine Bushaltestelle. Obwohl der Bahnhof in einem Dorf mit nur knapp mehr als 800 Einwohnerinnen und Einwohnern steht, bilde er, so Coletti, mit seiner bereits vorhandenen Infrastruktur den idealen Verkehrsknotenpunkt neben Gelterkinden. Durch die Busverbindungen und die «Park-and-Rail»-Anlage reicht sein Einzugsgebiet über Tecknau hinaus.
«Der Bahnhof Tecknau ist von grosser Wichtigkeit, da er besonders zu Stosszeiten die ohnehin schon vollen Strassen in Gelterkinden entlastet», fügt Brenzikofer hinzu. Gerade in einer öV-freundlichen Region sei es deshalb wichtig, bestehende Umsteigepunkte nicht zu schwächen, sondern Bus und Bahn sinnvoll miteinander zu verknüpfen.
