Jetzt muss etwas geschehen!
30.06.2026 BöcktenTapinoma-Ameise hat sich weiter ausgebreitet
Aufgrund der beiden Hitzewellen hat sich die aus dem Süden stammende Ameise rasch weiter ausgebreitet. Die betroffene Bevölkerung will nun selbst drastische Massnahmen ergreifen.
Brigitt Buser
Vor gut ...
Tapinoma-Ameise hat sich weiter ausgebreitet
Aufgrund der beiden Hitzewellen hat sich die aus dem Süden stammende Ameise rasch weiter ausgebreitet. Die betroffene Bevölkerung will nun selbst drastische Massnahmen ergreifen.
Brigitt Buser
Vor gut zwei Jahren wurden in einem Böckter Wohnquartier die aus Südeuropa stammende Ameise Tapinoma magnum erstmals gesichtet. Diese Ameisenart verdrängt nicht nur unsere einheimischen Arten, wodurch sich die Biodiversität schwächt, auch kann sie durch den Bau ihrer Nester befestigte Flächen, ja sogar die Bausubstanz beeinträchtigen. Sogar Elektroinstallationen sind gefährdet.
Aus diesen Gründen darf Boden aus dem befallenen Gebiet nur abtransportiert werden, wenn er frei von Tapinoma magnum ist. All das verursacht erhebliche Kosten, welche die betroffenen Einwohner bis anhin selbst tragen müssen.
Mit den in diesem Jahr früh eintretenden Hitzewellen wurden die Neozoen nicht nur aktiv, sondern sie breiteten sich weiter aus. Franz Herzog, ein betroffener Hauseigentümer, verlangte vom Gemeinderat aufgrund der Situation ein Treffen, um das weitere Vorgehen in grösserer Runde zu besprechen. Am Donnerstag lud Herzog Betroffene, weitere Anwohner, den Gemeinderat sowie Michael Armbruster, den Umwelt- und Neobiota-Beauftragten der Gemeinde Böckten zu einem Austausch ein. Die Teilnahme am Treffen war gross.
Wasser vorderhand keine Option
An eine Bekämpfung mit heissem Wasser sei momentan nicht mehr zu denken, da die Gemeinde aufgrund der Hitzewelle die Bevölkerung zum Wassersparen aufgerufen hat, erklärte Michael Armbruster. Am Treffen kam klar zum Ausdruck, dass für die Betroffenen «etwas geschehen» muss. Nicht jede Partei einzeln, sondern alle zusammen müssten etwas unternehmen, sonst würde sich die Ameise weiterhin und noch rascher ausbreiten als bis anhin.
Das grösste Problem aus der Sicht der Betroffenen ist, dass die Kosten für die Bekämpfungsmassnahmen immer noch nicht vom Kanton übernommen werden. Seit dem Entdecken von Tapinoma magnum in mehreren Baselbieter Gemeinden sei das Thema im Landrat zur Sprache gebracht worden – geschehen sei noch nichts.
Für den Einsatz von spezifischen Insektiziden würde dies jetzt schon Kosten von 70 000 Franken im Jahr bedeuten, was für die Betroffenen wie auch für die Gemeinde schlichtweg nicht stemmbar ist. Eine zweite, sicher günstigere wie auch schonendere Möglichkeit wäre der Einsatz von Nematoden und Kiselgur. Dazu müsste man für einen Augenschein vorab einen Experten einladen, der dann eine Offerte erstellt, was ebenfalls Kosten verursachen würde.
Da eine Kostenbeteiligung der Gemeinde zuerst geklärt werden muss, es für die Betroffenen aber eilt, entschied ein Teil der Anwesenden die Kosten für eine Offerte zu übernehmen. Ist zudem wieder genügend Wasser vorhanden, solle im Bereich untere Limbergstrasse wieder eine Wasserbarriere erstellt werden, um die Neozoen an einer weiteren Ausbreitung zu hindern.
Insektizide kommen, wenn überhaupt, nur noch punktuell zum Einsatz. Zudem wurde auf Anraten eines betroffenen Anwohners beim Gemeinderat ein Gesuch eingereicht, eine Kommission zur Koordination der Bekämpfung der Tapinoma-Ameisen einzusetzen. Die Kommission soll die Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und betroffener Anwohnerschaft sicherstellen sowie das weitere Vorgehen koordinieren.
«Es ist wichtig, dass alle Betroffenen bereit sind, ihren Teil beizusteuern, damit das Problem gemeinsam gelöst werden kann», sagte Armbruster.
