«Jeder bekommt, was er verdient»
21.10.2025 SissachHanspeter Gsells neuster Streich
Wer ist Rolf Sallenbach, dessen Lebensgeschichte im neuen Buch erzählt wird? Wie kam es dazu, dass Hanspeter Gsell die Geschichte aufgeschrieben hat – und warum zum Kuckuck trägt das Buch den Titel «Der Herr der Rinne»?
...Hanspeter Gsells neuster Streich
Wer ist Rolf Sallenbach, dessen Lebensgeschichte im neuen Buch erzählt wird? Wie kam es dazu, dass Hanspeter Gsell die Geschichte aufgeschrieben hat – und warum zum Kuckuck trägt das Buch den Titel «Der Herr der Rinne»?
Brigitte Keller
Wer ist Rolf Sallenbach? Warum hat Hanspeter Gsell seine Geschichte aufgeschrieben? Antworten auf diese Fragen gab es am vergangenen Donnerstag an der Buchpräsentation im Gasthof Alpbad oberhalb von Sissach. Neben dem Autor Hanspeter Gsell war auch Rolf Sallenbach anwesend. Die Gäste kamen nicht nur in den Genuss einer Lesung, sondern auch eines amüsanten Zwei-Mann-Stücks.
Kennengelernt hatten sich Autor und Protagonist bereits vor vielen Jahren während ihrer Tätigkeit für dasselbe Gastro-Unternehmen, die Gastrag AG mit Hauptsitz in Basel. Eine Rede, die Rolf Sallenbach vor zwei Jahren an seiner Feier zum 66. Geburtstag und zugleich zu 50 Jahren im Gastgewerbe hielt, war schliesslich der Auslöser für Gsell, seine Lebensgeschichte aufschreiben zu wollen. «Ein wunderbarer Abend, an dem Rolf eine ‹kurze› Rede hielt», erzählte Gsell. «Meine Frau und ich waren verblüfft von Rolfs Wissen und seinem aussergewöhnlichen Leben.»
Diese Bemerkung war das Stichwort für Rolf Sallenbach, der sogleich den Faden aufnahm und zu erzählen begann – etwa, wie er zur Gastrag Gruppe kam und wie es ihn 1997, als Zürcher, nach Basel verschlug. «Offensichtlich machte ich meine Arbeit gut. Es war am 7. Januar 1997, als man mir sagte: ‹Im Sommer wirst du das Stadtcasino in Basel übernehmen. Und bevor du nachfragst: Jetzt ist Sommer.›» Doch es war Januar, und der «Morgestraich», das wohl wichtigste Basler Ereignis, stand kurz bevor – mit ihm, dem «Zürcher mit Herz, Seele und Klappe».
Wie der Einstieg gelang und warum Hinz und Kunz dem neuen Geschäftsführer plötzlich Geld vorbeibrachten, erfahren die Leserinnen und Leser im Kapitel «Nünzäh» der Sallenbachschen Lebensgeschichte. Dazu eine Passage aus dem Vorwort: «Getreu einem meiner Mottos, immer transparent und beleidigend ehrlich zu sein, habe ich mich entschieden, die Personen in diesem Buch mit ihrem richtigen Namen zu benennen. Einige wenige werden entsetzt, gekränkt oder zumindest unzufrieden sein. Andere wiederum enttäuscht, weil sie nicht erwähnt wurden.»
«Who is who»
Schnell wurde klar, weshalb diese Lebensgeschichte eine so grosse Faszination auf Hanspeter Gsell ausübte, dass er sie unbedingt festhalten und für andere zugänglich machen wollte. Es wurde einem beinahe schwindlig beim Zuhören, was dieser «Lebenskünstler» alles erlebt hatte. Das Ganze ist ein rasanter Streifzug durch die goldenen Jahre der Schweizer Gastro-Geschichte – ein «Who is who» der letzten fünf Jahrzehnte. Alles aufzuzählen würde ein eigenes Buch füllen.
Wie es dazu kam, dass am Anfang von Rolf Sallenbachs Karriere eine Kochlehre stand, ist ebenfalls amüsant. «Ich war mir sicher, dass sich mein Vater immer einen Koch in der Familie gewünscht hatte», heisst es im Buch. «Es müsste natürlich mindestens ein Sternekoch sein. Noch besser wäre es, wenn der Nachwuchs später ein ganzes Firmament in die Pfanne hauen würde. Mit diesen Sehnsüchten meines Vaters war ich durchaus einverstanden.»
Natürlich wollten die Gäste der Lesung noch wissen, weshalb das Buch den Titel «Der Herr der Rinne» trägt. Um die Geschichte, die dazu führte, bildhafter zu machen, holte Sallenbach eigens ein Stück Regenrinne aus seinem Auto. Zum Ende des offiziellen Teils des Abends wurde das Rätsel schliesslich gelöst: Es steht im Zusammenhang mit Sallenbachs Zeit als junger Geschäftsführer vor mehr als 40 Jahren im «Red Lips» im Zürcher Niederdorf – eine lustige und etwas unappetitliche Episode, die dem Etablissement damals aber einen steilen Anstieg der Bruttorendite bescherte. Mehr wird hier natürlich nicht verraten.
«Der Herr der Rinne». Jeder bekommt, was er verdient. Die Lebensgeschichte von Rolf Sallenbach, aufgezeichnet von Hanspeter Gsell. Erschienen bei Books on Demand.

