Jakob Probst – eigenwilliger Meister seines Fachs
27.03.2026 ReigoldswilAm 28. März 1966 – vor 60 Jahren – starb der einst gefeierte Bildhauer
Der aus Reigoldswil stammende Bildhauer Jakob Probst (1880– 1966) feierte Triumphe, stiess aber auch auf Widerspruch und Ablehnung. Ein Blick auf den Lebensweg und das Werk des Baselbieter ...
Am 28. März 1966 – vor 60 Jahren – starb der einst gefeierte Bildhauer
Der aus Reigoldswil stammende Bildhauer Jakob Probst (1880– 1966) feierte Triumphe, stiess aber auch auf Widerspruch und Ablehnung. Ein Blick auf den Lebensweg und das Werk des Baselbieter Künstlers, den es in die Ferne zog.
Martin Stohler
Jakob Probst wurde am 17. August 1880 in Reigoldswil geboren. Seine Eltern waren der Uhrmacher Johann Probst und die Modistin Karoline Zehntner. Seiner Basler Vermieterin Els Reichel erzählte Probst später, seine Eltern hätten «nichts von Zärtlichkeit gekannt». Alles sei streng auf den Erwerb ausgerichtet gewesen. Die Mutter arbeitete oft bis ein Uhr nachts. Oft waren es an die achtzig Hüte, die lackiert und ausgeliefert werden mussten, während andere Kinder spielten.
Nach sechs Jahren Primar- und zwei Jahren Repetierschule machte Jakob Probst eine Lehre als Bauschreiner. Daneben musste er auch im landwirtschaftlichen Betrieb der Eltern mitarbeiten. «Ich hobelte damals, bis ich Blut spie», sagte er einmal im Rückblick auf jene Zeit.
Nach Abschluss der Lehre ging Probst auf die Walz. Einige Zeit arbeitete er in Genf auch in einer Fabrik, die Chalets herstellte. Von 1905 bis 1907 besuchte er die Architekturschule in München. Vorübergehend arbeitete er als Bauführer, dann zog er 1910 mit dreissig Jahren nach Paris, um dort Architektur zu studieren. Im Rahmen seines Studiums besuchte er auch einen Modellierkurs. Dessen Leiter, Bildhauer Antoine Bourdelle (1861–1929), erkannte Probsts ausserordentliche plastische Begabung und überzeugte ihn, nicht Baumeister, sondern Bildhauer zu werden.
Ein neues Kapitel
Nach einem Studienjahr in Italien mietete Jakob Probst in Basel an der Güterstrasse auf dem SBB-Areal ein eigenes Atelier und eine Wohnung am Spalenberg 12. Hier lebte und arbeitete er bis zu seinem Umzug nach Genf im Jahr 1932. Jakob Probst gelang es, als Künstler rasch Fuss zu fassen. So war er 1914 an der Schweizerischen Landesausstellung in Bern mit mehreren Monumentalfiguren aus Gips vertreten. Zudem scheint Probst einen guten Draht nach Biel gehabt zu haben: 1916 schuf er für das dortige Krematorium zwei Sphingen (Mehrzahl von Sphinx) aus Granit sowie das Portalrelief der Bieler Kantonalbank, 1921 ebenfalls das Portalrelief für das Gebäude des Schweizerischen Bankvereins Biel. Daneben formte Probst in den ersten zehn Künstlerjahren zahlreiche Porträtköpfe.
Um 1918 entstand auch die monumentale Grabplastik für Oberst Johann Arnold Büel. Der Basler Platzkommandant verstarb am 9. Oktober 1917 überraschend an einem Hirnschlag. Nach der Aufhebung des Basler Kannenfeld-Friedhofs im Jahr 1951 ging das Grabmonument in Privatbesitz über und wurde 1969 schliesslich von der Baselbieter Kunstkreditkommission erworben. Heute ist es eines der drei Probst-Werke im Sissacher Ebenrain-Park.
Dissonanzen
Mitunter stiess Jakob Probsts Kunstverständnis auf Kritik oder gar auf Ablehnung. In Basel provozierte insbesondere die Plastik «Ruhende» den biederen Kunstverstand. Probst hatte den Auftrag für die eigenwillige Skulptur nach dem Sieg in einem Wettbewerb der Kunstkreditkommission erhalten. Nach der Enthüllung des Werks im Juni 1923 kam es zu einer schrillen Leserbrief-Debatte. Moniert wurde, dass an diesem Werk nichts stimme und es gegen das an klassischen Plastiken geschulte Schönheitsempfinden verstosse. Immerhin führte die Polemik dazu, dass sich in den Tagen nach der Enthüllung Tausende das Werk bei der Steinenschanze ansahen.
In Liestal stiess einen Monat später das von Probst beim Regierungsgebäude geschaffene Wehrmanndenkmal auf Unverständnis. Das Denkmal sollte, wie es in einem Spendenaufruf hiess, ein «würdiges Zeichen der Erinnerung an die während des Grenzdienstes und insbesondere während der Grippe-Epidemie verstorbenen Kameraden von Baselland» sein. Der von Probst eingereichte Vorschlag überzeugte die Wettbewerbskommission, fand aber nicht den Beifall der Baselbieter Bevölkerung. Offenbar konnten die Leute mit der Denkmalfigur, einem Jüngling mit einem Buch auf dem Schoss, nichts anfangen. Bei einer späteren Überarbeitung des Denkmals ersetzte Probst das Buch denn auch durch einen Helm.
1924 unternahm Jakob Probst eine viermonatige Ägyptenreise, die ihm neue Horizonte eröffnete. Begeistert sagte er nach der Rückkehr: «Wer Ägypten gesehen hat, muss nicht mehr nach Griechenland gehen.»
Umzug nach Genf
1930 erhielt Jakob Probst den Auftrag, die Fassade des Bahnhofs Genève-Cornavin mit drei grossen Reliefs zu schmücken. Damit benötigte Probst ein Atelier vor Ort. Als sich ihm die Gelegenheit bot, in Peney, einem Weiler der Gemeinde Satigny auf der Genfer Landschaft, ein Landgut zu erwerben, gab er sein Basler Atelier auf und zog ganz in die Westschweiz. Damit brach der Kontakt zu Basel nicht ab, wie eine Reihe von Skulpturen und Reliefs aus den 1930er- und 1940er-Jahren in der Stadt bezeugen.
1945 heiratete Jakob Probst Menga Hemmi (1897–1977) aus Churwalden und adoptierte deren Tochter aus erster Ehe.
In den 1930er- und 1940er Jahren wurde Probst dank diverser Beteiligungen an internationalen Kunstausstellungen zu einem über die Landesgrenzen beachteten Künstler. Neben Probsts Ansehen im Ausland wuchs auch die Anerkennung im Inland.
An der Landesausstellung von 1939 war Probst mit einem Pferd in Lebensgrösse und einer «Elektra» präsent. Grosse Beachtung fand bei der Einweihung 1949 auch sein imposantes Denkmal für die Schlacht bei Dornach.
Tod im Tessin
Ab und zu richtete Probst auch mit allzu grosser Kelle an. Dies trifft insbesondere für sein Ferdinand-Hodler-Denkmal zu, das im Rahmen eines von der Stadt Genf und der Eidgenossenschaft ausgeschriebenen Wettbewerbs entstand. Probst, der von der Jury grünes Licht für die Ausführung erhalten hatte, lieferte eine vier Meter hohe Kriegerfigur ab, die von der Jury als zu massiv und mächtig befunden und abgelehnt wurde. Das Werk steht heute im Stadtpark Olten.
Seine letzten Lebensjahre verbrachte Jakob Probst meist im Tessin, wo er in Vira/Gambaragno ein Heim hatte.
Jakob Probst starb am 28. März 1966 in seinem Heim im Tessin. Seine Asche wurde, wie er es gewünscht hatte, ein Jahr später im Liestaler Wehrmanndenkmal beigesetzt.
Probst-Rundgang in Liestal
sto. Morgen Samstag führt die Gesellschaft für Regionale Kulturgeschichte BL in Liestal einen kommentierten Spaziergang mit Dominik Wunderlin zu Kunstwerken von Jakob Probst durch. Start ist um 10 Uhr vor dem Gerichtsgebäude. Dauer rund 90 Minuten. Die Teilnahme ist kostenlos.
Die neueste Nummer der «Baselbieter Heimatblätter» ist ganz Jakob Probst gewidmet. Die Zeitschrift ist erhältlich beim Verlag Schaub Medien AG in Sissach, Telefon 061 976 10 10.


