Interaktive Karte sammelt Ideen zum Verkehr
17.03.2026 LupsingenDie Bevölkerung kann digital ihre Anliegen zur Mobilität eintragen
Mit einer eigens entwickelten Online-Karte sammelt die Arbeitsgruppe «Mobilität und Verkehr» in Lupsingen Wünsche und Kritik aus der Bevölkerung. Die Beiträge sollen in die ...
Die Bevölkerung kann digital ihre Anliegen zur Mobilität eintragen
Mit einer eigens entwickelten Online-Karte sammelt die Arbeitsgruppe «Mobilität und Verkehr» in Lupsingen Wünsche und Kritik aus der Bevölkerung. Die Beiträge sollen in die Überarbeitung des kommunalen Mobilitäts- und Verkehrskonzepts einfliessen.
André Frauchiger
Christoph Ratavaara, IT-Spezialist und Mitglied der Arbeitsgruppe «Mobilität und Verkehr» in Lupsingen, sammelt Meinungen und Wünsche der Bevölkerung auf digitalem Weg. Dafür hat er eine Online-Karte entwickelt, auf der Meldungen, Anregungen und Wünsche rund um Verkehr und Mobilität eingetragen werden können. Nutzerinnen und Nutzer können zudem bestehenden Einträgen zustimmen. Die Teilnahme ist freiwillig.
Wer seine Anliegen nicht elektronisch übermitteln möchte, kann alternativ den Meldeschein auf Seite 28 der Februar-Ausgabe des Lupsinger Amtsanzeigers ausfüllen und bis spätestens 30. April in den Briefkasten der Gemeindeverwaltung einwerfen. Dieser Termin gilt auch für die Online-Eingaben. Damit soll sichergestellt werden, dass niemand von der Befragung ausgeschlossen wird.
Die Lancierung der Online-Karte erfolgte in Absprache mit dem Gemeinderat. Als Bindeglied zwischen der Arbeitsgruppe «Mobilität und Verkehr» und dem Gemeinderat fungiert Gemeinderat Jörg Walter. Die Arbeitsgruppe weist allerdings ausdrücklich darauf hin, dass sie «keine Garantie für die Umsetzung der eingebrachten Ideen und Anregungen» übernehmen kann. Die Beiträge bildeten jedoch eine wichtige Grundlage für das künftige Verkehrs- und Mobilitätskonzept.
Die Idee zur Online-Karte stammt von Christoph Ratavaara, der die Plattform auch selbst aufgebaut hat. Andere Gemeinden, die auf ähnliche Weise mit interaktiven Karten die Meinung der Bevölkerung einholen, seien ihm nicht bekannt. Lupsingen betrete damit Neuland. Bevor die Karte am 27. Februar für die Bevölkerung aufgeschaltet wurde, fand eine interne Prüfung statt.
Hintergrund der Online-Karte ist der Auftrag an die Arbeitsgruppe, das Mobilitäts- und Verkehrskonzept der Gemeinde aus dem Jahr 2011 zu überarbeiten.
Meldung mit einem Klick
Auf der interaktiven Karte können Einwohnerinnen und Einwohner aus Lupsingen und der Umgebung mit einem Klick eine Meldung erfassen – etwa zu Themen wie Sicherheit, Parkraumbewirtschaftung oder Waldund Wanderwege. Dazu müssen lediglich eine Kategorie ausgewählt und eine kurze Beschreibung eingegeben werden.
«Meldungen können anonym und mit wenig Zeitaufwand erfasst werden», erklärt Ratavaara. Alle Einträge sind öffentlich sichtbar. Zudem kann man bestehenden Meldungen mit einem Klick auf «Ich stimme zu» zustimmen. So können einerseits viele Personen ihre Meinung äussern, andererseits werden doppelte Meldungen vermieden. Für Anliegen, die sich nicht auf einen konkreten Punkt der Karte beziehen lassen, steht zusätzlich ein Formular für eine «Allgemeine Meldung» zur Verfügung.
Die bisherigen Reaktionen aus der Bevölkerung seien mehrheitlich positiv, sagt Ratavaara. Kritik gebe es allerdings ebenfalls. Ein häufiger Einwand sei die fehlende Möglichkeit, einem Eintrag mit «Ich stimme nicht zu» zu widersprechen. Darauf habe man bewusst verzichtet, da die Karte nicht als Diskussionsplattform gedacht sei.
Grosses Interesse
Das Interesse an der interaktiven Karte ist laut Ratavaara gross. Bis zum 10. März wurden bereits 109 Meldungen erfasst, zudem wurde rund tausend Mal bestehenden Beiträgen zugestimmt. Zu den häufigsten Themen gehören Massnahmen zur Verkehrsberuhigung und Forderungen nach Tempo 30 – allerdings melden sich auch zahlreiche Stimmen, die sich gegen Tempo 30 aussprechen. Damit erfülle die Karte ihren Zweck: sichtbar zu machen, welche Anliegen die Bevölkerung beschäftigen und wie stark sie gewichtet werden.
Weitere Vorschläge betreffen unter anderem direktere Fusswegverbindungen zwischen Lupsingen und Seltisberg, sichere Velowege nach Liestal, barrierefreie Trottoirs und Waldwege sowie eine öffentliche Toilette beim neuen Spielplatz. Auch die Situation bei der Bushaltestelle «Dorf» wird thematisiert: Beim Überholen haltender Busse komme es immer wieder zu gefährlichen Situationen für Fussgängerinnen und Fussgänger, da ein Fussgängerstreifen fehle.
Ratavaara zeigt sich zufrieden: «Die Karte wird aktiv genutzt. Es zeigt sich, dass die Einwohnerinnen und Einwohner mitreden und ihr Dorf mitgestalten wollen.»
Ab Anfang Mai will die Arbeitsgruppe alle eingegangenen Meldungen auswerten, analysieren und daraus Massnahmen sowie Empfehlungen ableiten. Diese sollen nach Machbarkeit, Wirkung und Kosten priorisiert und in das überarbeitete Mobilitätsund Verkehrskonzept integriert werden.
Anschliessend wird das Konzept dem Gemeinderat vorgelegt, der über mögliche Massnahmen und deren zeitlichen Rahmen entscheiden wird.
Wo immer möglich sollen konkrete Massnahmen direkt umgesetzt werden. Wo dies nicht möglich ist, sollen die Gründe transparent kommuniziert werden – ebenso mögliche Alternativen. «Die Nachvollziehbarkeit des gesamten Prozesses ist für uns entscheidend», betont Ratavaara. Transparenz sei auch bei Machbarkeitsprüfungen und politischen Beschlüssen wichtig. Massnahmen ohne grössere politische oder finanzielle Hürden könnten zudem kurzfristig umgesetzt werden.
Die Arbeitsgruppe will dem Gemeinderat im kommenden Sommer das überarbeitete Mobilitäts- und Verkehrskonzept mit einer priorisierten Massnahmenliste vorlegen.


