Anfang Oktober stand unser Schnee-Kickoff an, gemeinsam mit dem Nachwuchs. Vor allem die beiden zehn- und elfjährigen Knaben brachten eine Leichtigkeit und viel spielerische Energie in diesen Saisonstart. Zwar trainierten wir meist in unterschiedlichen Gruppen, doch für gemeinsame ...
Anfang Oktober stand unser Schnee-Kickoff an, gemeinsam mit dem Nachwuchs. Vor allem die beiden zehn- und elfjährigen Knaben brachten eine Leichtigkeit und viel spielerische Energie in diesen Saisonstart. Zwar trainierten wir meist in unterschiedlichen Gruppen, doch für gemeinsame Abfahrten blieb immer wieder Zeit. Die Bedingungen auf dem Gletscher waren aufgrund des wenigen Schnees und der hohen Temperaturen alles andere als einfach, aber davon liessen wir uns nicht bremsen. Gemeinsam den Hang hinunterzufahren, tat richtig gut. Nach meiner langen Verletzungspause und mit einem Arm, der sich noch längst nicht normal anfühlt, war dies der perfekte Wiedereinstieg.
Einer der beiden Knaben erzählte schon seit Längerem, dass ich sein Vorbild sei. Seine Eltern berichteten, dass er meine Videos schaut und danach jeweils am liebsten alles selbst ausprobieren möchte. Doch wie er selber sich keineswegs von seinen beiden Unterschenkelprothesen aufhalten lässt und einen starken Willen hat, ist er mindestens ein ebenso grosses Vorbild für mich. Wir erlebten viele lustige Momente, auf der Piste genauso wie im Kraftraum oder im Dorf als Rollstuhl-Züglein, bei dem er sich mit dem Rollstuhl hinter meinem festhielt. Besonders stolz erzählte er mir am Ende der Woche, dass er sogar einen ganzen Hang mit dem Snowboard rückwärts gefahren sei. Grandios!
Gerade sind wir mit dem Weltcup-Team erneut in Österreich. Die Knaben sind diesmal nicht dabei, doch ihre Begeisterung wirkt nach. Neben dem Slalomtraining übe ich derzeit nämlich selbst das Switch-Fahren, also das Rückwärtsfahren. Dafür habe ich mir in der Vergangenheit kaum Zeit genommen. Meine Kräfte sind begrenzt, weshalb ich mich stets auf jene Fähigkeiten konzentrierte, die ich real auch im Wettkampf benötige.
Doch zurück zu den Basics zu gehen, sich wieder wie ein Anfänger zu fühlen, jede Bewegung bewusst auszuführen, das Körpergefühl zu schulen und sich in Geduld zu üben, bringt enorm viel. Nicht nur für diese neue Herausforderung, sondern für das Snowboardfahren insgesamt. Auch meine Schulter ist in einem guten Zustand und macht weitere Fortschritte. Ein erfreulicher Prozess. Die nächsten Wochen werden wir viel unterwegs sein, bevor dann der erste Wettkampf Ende November startet.
Sich über Generationen hinweg gegenseitig zu ermutigen, zu unterstützen und zu inspirieren, gehört wohl zu den schönsten Geschenken überhaupt.
Romy Tschopp
Vom Rollstuhl aufs Snowboard: Die Sissacherin Romy Tschopp (1993) ist die erste Schweizer Para-Snowboarderin, die an Paralympischen Spielen teilnehmen konnte. Sie wurde 2023 Vizeweltmeisterin im Snowboardcross.