Im Schutzanzug gegen die Schweinepest
19.06.2026 AeschMit der Militärübung «Conex 26» auf dem Bauernhof
Auf dem «Schlatthof» in Aesch trainieren Armee, Zivilschutz und kantonale Stellen den Ernstfall: einen Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest. Der Hof ist Teil der Mobilisierungsübung «Conex ...
Mit der Militärübung «Conex 26» auf dem Bauernhof
Auf dem «Schlatthof» in Aesch trainieren Armee, Zivilschutz und kantonale Stellen den Ernstfall: einen Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest. Der Hof ist Teil der Mobilisierungsübung «Conex 26», welche die Zusammenarbeit im Krisenfall testen soll.
Daniel Aenishänslin
Gespenstisch wirken die Figuren, die sich über den Hof bewegen. Von Kopf bis Fuss stecken sie in dunkelgrünen Schutzanzügen, die Gesichter hinter Atemmasken verborgen. Wie Statisten aus einem Katastrophenfilm schieben sie breite Besen über den Beton. Der Einsatz ist Teil einer Grossübung. Das Szenario: Auf dem Schlatthof in Aesch ist die Afrikanische Schweinepest ausgebrochen. Für den Menschen ungefährlich, für das Schwein eine Katastrophe.
Der Bauernhof ist einer der Schauplätze von «Conex 26», der Mobilisierungsübung der Territorialdivision 2 (siehe dazu auch das «Ausgefragt» der Gegner auf Seite 8). Das Gelände ist in verschiedene Sicherheitszonen unterteilt. In der roten Zone befinden sich die vermeintlich infizierten Tiere sowie kontaminiertes Material. Sie gilt als besonders gefährdend. Rundherum liegt die gelbe Zone als Pufferbereich. Hier tragen die Armeeangehörigen die leichteren weissen Tyvek-Schutzanzüge. Die Regel ist einfach: Kein Keim darf die Absperrungen passieren.
Für Daniel Grola, Hauptabteilungsleiter Operationen und Stabschef des Kantonalen Führungsstabs, ist die Übung mehr als theoretisch. «Das ist ein sehr realistisches Szenario», sagt er. Die Afrikanische Schweinepest breite sich seit Jahren in verschiedenen Teilen Europas aus. Von Osteuropa über Italien bis nach Norddeutschland. «Die Krankheit könnte auch in der Schweiz ausbrechen.» Umso wichtiger sei es, die Zusammenarbeit aller Beteiligten unter möglichst realen Bedingungen zu testen.
Genau darin liegt für Kompaniekommandant Dylan Cavillier die grösste Herausforderung. Nicht die einzelnen Arbeitsabläufe seien entscheidend. «Vor allem die Zusammenarbeit mit so vielen Partnern macht diese Übung aus», sagt er. Cavillier führt rund 200 Soldatinnen und Soldaten, davon stehen auf dem Hof etwa 60 im Einsatz. Neben der Armee sind auch der Kantonale Führungsstab, der Zivilschutz sowie das Baselbieter Amt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen involviert.
Die Junisonne brennt erbarmungslos auf den Hof. Das Thermometer zeigt 31 Grad. Wer gerade Pause hat, sucht einen Schattenplatz. Und wer den Schutzanzug wieder ausziehen darf, atmet auf. Doch so schnell kommt niemand aus dem abgesperrten Bereich. Wie jedes Werkzeug müssen auch die Einsatzkräfte eine Desinfektionsschleuse passieren. Die sogenannte Personenschleuse erinnert an eine überdimensionierte Holzkiste. Wer in der Zone war, wird dort nach dem Ablegen der Schutzkleidung gründlich geduscht. Sogar für die Fahrzeuge, welche die Tierkadaver abholen, ist eine Schleuse vorgesehen.
Der Einsatz in Aesch ist nur ein Teil der Grossübung «Conex 26». Insgesamt trainieren rund 3500 Soldatinnen und Soldaten während vier Wochen in der Nordwestschweiz die rasche Mobilisierung und den Einsatz unter erschwerten Bedingungen. Geübt wird in verschiedenen «Arenen»: von den Rheinhäfen über die Juraübergänge bis in die Grenzgebiete des Baselbiets und Solothurns.
Parallel zum gespenstischen Treiben läuft der Hofbetrieb weiter. Schwere Traktoren ziehen Anhänger über das Gelände, als wäre es ein gewöhnlicher Arbeitstag. Sie passieren die Absperrungen der Übung und die Armeeposten an den Zufahrten. Zwischen Landwirtschaft und Krisenszenario liegen auf dem Schlatthof nur wenige Meter.
«Noch nicht stark geübt»
Für Oberstleutnant Caspar Zimmermann geht es bei «Conex 26» um weit mehr als die Bekämpfung einer Tierseuche. Die Übung soll zeigen, ob die Territorialdivision 2 mehrere Bataillone gleichzeitig mobilisieren, ausrüsten und für Einsätze vorbereiten kann. Mit der aktuellen Weltlage habe die Grossübung nur insofern zu tun, als dass Einsätze der Armee wahrscheinlicher würden. «Den Einsatz wie hier mit gemischten Truppen hat man bislang noch nicht stark geübt.» Auch Daniel Grola zieht ein positives Fazit: «Ich beurteile das Resultat als gut bis sehr gut.» Am ersten Tag habe es zwar noch ein gewisses Durcheinander gegeben, danach habe sich die Zusammenarbeit eingespielt. Ein positives Ergebnis zeigte sich zudem im Raum Liesberg, wo der Schwerpunkt auf der Suche nach Wildschweinen lag: Alle elf im Gelände ausgelegten Übungsfälle wurden aufgefunden.
Am Donnerstag, nach vier Tagen Seuchenszenario, leert sich der Hof. Absperrbänder werden eingerollt, Fahrzeuge fahren ab, die Schutzanzüge verschwinden in Containern. Nur die Spuren der Desinfektionsschleusen erinnern noch daran, dass hier eben ein Krisenszenario geprobt wurde.


