«Ich wollte keine Risiken mehr eingehen»
03.11.2026 SissachReisebüro schliesst nach rund 20 Jahren
Ende November stellt das Reisebüro Sissach nach rund zwei Jahrzehnten als eigenständiges Geschäft endgültig seinen Betrieb ein. Inhaberin Alexandra Zubler blickt zurück auf anspruchsvolle Jahre, treue Stammkunden und ...
Reisebüro schliesst nach rund 20 Jahren
Ende November stellt das Reisebüro Sissach nach rund zwei Jahrzehnten als eigenständiges Geschäft endgültig seinen Betrieb ein. Inhaberin Alexandra Zubler blickt zurück auf anspruchsvolle Jahre, treue Stammkunden und eine schwere Entscheidung.
Fiona Findlay
Das Schaufenster an der Sissacher Hauptstrasse steht leer, Reisekataloge werden in Kartonschachteln verstaut, an der Fensterscheibe hängt ein Abschiedsbrief. Alexandra Zubler ist damit beschäftigt, ihr Reisebüro auszuräumen. Offiziell schliesst das Geschäft der Aargauerin am 30. November. Damit endet eine mehr als 40-jährige Geschichte: Seit 1980 wurden an diesem Standort Reisen vermittelt. Während der vergangenen sieben Jahre führte Zubler den Betrieb.
In den vergangenen Wochen sind zahlreiche Stammkundinnen und Stammkunden vorbeigekommen, um sich persönlich von Zubler und ihrer langjährigen Stellvertreterin und Mitarbeiterin Anja Saibene zu verabschieden. «Viele waren sehr traurig, dass es uns künftig nicht mehr geben wird», erzählt die Inhaberin. «Wir hatten wirklich sehr gute, langjährige Stammkunden. Nur dank ihnen haben wir so lange durchgehalten.»
Schwierige Zeiten
Zubler kennt die Reisebranche bestens: Die heute 57-Jährige arbeitete seit 2011 als Reiseberaterin im Reisebüro, das damals ihrer Tante Sissi Fehlmann gehörte. Diese hatte die frühere Hotelplan-Filiale 2007 übernommen und eigenständig weitergeführt. Als Fehlmann sich im Jahr 2019 zurückziehen wollte, stand Zubler vor einer schwierigen Entscheidung: eine neue Stelle suchen oder selbst in die Hosen steigen.
Leicht sei ihr die Entscheidung nicht gefallen. Schon damals machte sie sich Gedanken über die finanziellen Risiken einer Übernahme des Geschäfts. Doch die Arbeit habe ihr gefallen, und ihre Familie habe sie darin bestärkt, den Schritt zu wagen. Im November 2019 übernahm sie das Geschäft. An ihrer Seite blieb Reiseberaterin Anja Saibene, die bereits seit 2007 zum Team gehörte.
Im März 2020 legte die Pandemie die Reisebranche lahm. «Dass die Welt wenige Monate nach der Geschäftsübernahme stillstehen würde, konnte damals niemand ahnen», sagt Zubler rückblickend. Für die Unternehmerin begann eine herausfordernde Zeit: Während beinahe zwei Jahren sei im Reisebüro praktisch nichts mehr gegangen. Selbst als Reisen wieder möglich wurden, blieb die Kundschaft zunächst zurückhaltend. Zwar habe sich die Situation in den vergangenen Jahren verbessert, doch an die Zeit vor Corona konnte das Reisebüro nicht mehr anknüpfen.
Zu den wirtschaftlichen Schwierigkeiten kamen geopolitische Unsicherheiten. Diese hätten das Reiseverhalten der Kundschaft stark verändert, so Zubler. Reisen in die USA seien deutlich zurückgegangen. Auch die Konflikte im Nahen Osten hätten die Branche belastet. «Wir mussten zahlreiche Buchungen stornieren oder umorganisieren», sagt sie. Das habe viel Arbeit verursacht, ohne entsprechende Einnahmen einzubringen.
Im Januar dieses Jahres folgte ein weiterer Rückschlag: Zubler verletzte sich bei einem Skiunfall schwer. Während rund zwei Monaten konnte die Inhaberin nicht arbeiten. Da Saibene mit einem 50-Prozent-Pensum angestellt war, liessen sich die Ausfälle nicht vollständig auffangen. Das Reisebüro blieb tageweise geschlossen. Hinzu kam Zublers langer Arbeitsweg von ihrem Wohnort in der Region Lenzburg nach Sissach. Neun Monate lang habe sie nach dem Unfall unter Schmerzen gelitten. «Die Arbeit hat mir während dieser Zeit nicht mehr dieselbe Freude bereitet.»
Den endgültigen Ausschlag für die Schliessung hat laut Zubler jedoch eine weitere Veränderung gebracht: der Verkauf der Hotelplan-Gruppe an die deutsche Dertour Group. Dadurch hätte ihr Büro auf ein neues Buchungsund Abrechnungssystem umstellen müssen. Die damit verbundenen Kosten und der Aufwand seien für ihren kleinen Betrieb wirtschaftlich nicht mehr tragbar gewesen.
«Ich wollte keine Risiken mehr eingehen», erklärt Zubler. Nach der Pandemie, den wirtschaftlichen Herausforderungen und ihrem Unfall hat die Unternehmerin nicht noch einmal von vorne beginnen wollen.
Mehr Zeit für sich selbst
Ursprünglich hatte Zubler gehofft, das Büro bis zu ihrer Pensionierung weiterführen zu können. Nun zieht sie früher den Schlussstrich. Wichtig sei ihr gewesen, das Geschäft geordnet zu schliessen, statt einen Konkurs zu riskieren.
Besonders dankbar ist sie ihrer langjährigen Mitarbeiterin Anja Saibene. Die beiden verbindet längst mehr als eine berufliche Zusammenarbeit. Über die Jahre ist eine enge Freundschaft entstanden, die auch nach der Schliessung des Geschäfts bestehen bleiben soll. Saibene tritt Anfang November eine neue Stelle in Schönenwerd im Kanton Solothurn an.
Für Zubler steht zunächst Erholung auf dem Programm. Bis Ende Jahr möchte sie eine Pause einlegen und sich von den herausfordernden Monaten erholen. Dem Reisen will sie aber treu bleiben. Gemeinsam mit ihrem Mann, der bereits pensioniert ist, möchte sie künftig mehr Zeit verbringen und wieder andere Länder besuchen. Ausgerechnet dafür blieb ihr als Inhaberin eines Reisebüros in den vergangenen Jahren kaum Zeit.

