«Ich mache es»
20.08.2026 WisenRestaurant «Sonne» dank Cecile Bitterlin wieder offen
Eine Dorfbeiz erfolgreich zu betreiben, ist heute nicht einfach. Gelungen ist dies Daniel Bitterlin dank Leidenschaft, Innovation und der Hilfe seiner Mutter in der «Sonne» in Wisen. Nach seinem Tod springt Cecile ...
Restaurant «Sonne» dank Cecile Bitterlin wieder offen
Eine Dorfbeiz erfolgreich zu betreiben, ist heute nicht einfach. Gelungen ist dies Daniel Bitterlin dank Leidenschaft, Innovation und der Hilfe seiner Mutter in der «Sonne» in Wisen. Nach seinem Tod springt Cecile Bitterlin in die Bresche – im Alter von 86 Jahren.
Brigitte Keller
«Mit 86 Jahren übernimmt Cecile Bitterlin nochmals das Zepter.» Ein Druckfehler in der Zeitungsmeldung? Nein. Cecile Bitterlin, die Anfang August die Traditionsbeiz «Sonne» in Wisen nach zweimonatiger Schliessung wieder eröffnet hat, ist tatsächlich 86 Jahre alt und bereits dreifache Urgrossmutter. Das Metier ist ihr bestens bekannt, denn im Gastrobereich tätig ist sie schon fast ihr ganzes Leben lang.
Dass sie sich aber jetzt im hohen Alter nochmals dazu entschlossen hat, das Restaurant «Sonne» vorübergehend zu übernehmen, hat einen traurigen Hintergrund: Sohn Daniel Bitterlin, der die Traditionsbeiz während der vergangenen zehn Jahre mit der tatkräftigen Unterstützung seiner Mutter mit viel Freude und Erfolg geführt hatte, verstarb vor zwei Monaten völlig überraschend. Die Bestürzung bei der Familie und weitherum war riesengross. Neben der grossen Trauer um den geschätzten Menschen bedauerte man auch die damit einhergehende Schliessung der beliebten Dorfbeiz.
«Traube», «Ochsen», «Sonne»
Die Liebe zum Gastrobereich gab Cecile Bitterlin an ihren Sohn weiter. Aufgewachsen ist sie in Zeglingen. 1958, im Alter von 18 Jahren, kam sie durch ihre Heirat mit Fritz Bitterlin auf den Bauernhof «Rumpel» in Oltingen. Um die Familie finanziell zu unterstützen, fing sie an, im Restaurant «Traube» in Oltingen zu servieren. Als der damalige Wirt in Pension ging, übernahm Cecile Bitterlin dort das Zepter.
Nach zehn erfolgreichen Jahren wurde sie vom Oltinger Restaurant «Ochsen» abgeworben. Nach rund acht Jahren stiess dort Sohn Daniel Bitterlin dazu. Das kulinarische Angebot und die Gastfreundschaft des Mutter-Sohn-Gespanns überzeugten und schufen so eine treue Stammkundschaft.
Dann, vor zehn Jahren, übernahm Daniel Bitterlin, auf Wunsch der Besitzerin Rita Nussbaumer, die «Sonne» im rund 450 Einwohnerinnen und Einwohner zählenden Wisen – und natürlich wechselte auch seine Mutter hinauf ins Solothurner Dorf unter dem Wisenberg. Zehn Jahre gemeinsamer Zusammenarbeit in der Küche, hinter dem Tresen und vorne bei den Gästen folgten. Viele Stammgäste aus der Zeit in Oltingen blieben den Wirtsleuten treu und neue, auch aus Olten und dem Niederamt, kamen dazu. Und dann der urplötzliche Tod des erst 66-jährigen Wirts im Juni.
«Ich mache es», sagte nach ein paar Wochen Cecile Bitterlin zu Liegenschaftsbesitzerin Rita Nussbaumer, «du musst aber jemanden für die Nachfolge suchen.» Der Betrieb und die Gespräche mit den Gästen fehlten ihr. «Ich bin das so gewohnt, nur daheim zu sitzen ist langweilig», erzählt die 86-Jährige, deren Mann vor 13 Jahren gestorben ist. Seine Unterstützung angeboten hat Ernst Rüegsegger. Der Koch, der ebenfalls schon «im Pensionsalter» ist, war bisher gern gesehener Gast in der «Sonne». Nun hat er von sich aus seine Hilfe angeboten und steht an den Töpfen und Pfannen in der Küche.
Das kulinarische Angebot bleibt ähnlich bestehen, wie es die Gäste in den vergangenen zehn Jahren geboten bekommen haben. Fleischgerichte, wie beispielsweise argentinisches «Angus Beef», dominieren die Speisekarte, daneben hat auch die kleine Speisekarte einiges zu bieten. Einzig die Öffnungszeiten haben sich geändert. Die Website und damit die aktuellen Zeiten konnten noch nicht aktualisiert werden, da das Passwort nach dem plötzlichen Tod von Daniel Bitterlin nicht zur Verfügung stand. Weitere fehlende Zugangsdaten haben zur Folge, dass vorläufig nur bar bezahlt werden kann.
Leidenschaftliche Bäckerin
Für Wandergruppen oder für Feste von Vereinen oder Familien würde auf Anfrage auch ausserhalb der regulären Öffnungszeiten aufgemacht. «Ich muss backen», sagt Cecile Bitterlin, wobei «müssen» hier im Sinne von «wollen» gemeint ist. Es wird also auch weiterhin am Wochenende die allseits beliebten Crèmeschnitten geben sowie Oltinger Schnitten, Linzertorten und anderes Gebäck. Auch die geschätzte Tradition im Dorf, am Samstag in der «Sonne» frisches Brot und Zöpfe kaufen zu können, führt Bitterlin fort.
Für die Zukunft ist zu hoffen, dass sich bald eine Nachfolgelösung finden wird. Ihr sei wichtig, so Besitzerin Rita Nussbaumer, dass es jemand aus der Region ist, den oder die man kennt. Bis es so weit ist, stehen Cecile Bitterlin und ihr Team «ihren Mann». «Es ist einfach schön, wie die Leute kommen. Zur Eröffnung und in den Tagen darauf habe ich ganz viele Glückwünsche und Blumensträusse bekommen», schwärmt die Interimswirtin über das Interesse der Leute. Einige Menschen aus der Region Olten seien sicherlich auch gekommen aufgrund der Artikel in den Zeitungen – und um sich möglicherweise mit eigenen Augen zu überzeugen, ob die «Jungunternehmerin» Bitterlin tatsächlich 86 Jahre alt ist.
Das Restaurant «Sonne» ist von Mittwoch bis Freitag ab 16 Uhr und am Samstag und Sonntag ab 9 Uhr geöffnet. Reservationen können während der Öffnungszeiten telefonisch unter 062 293 23 32 getätigt werden.

