«Ich kehre am 1. August an den Ort meiner Kindheit zurück»
31.07.2026 KilchbergDer Basler Regierungsrat Kaspar Sutter (SP) hält die Festansprache
Kaspar Sutter wird an der gemeinsamen Bundesfeier von Kilchberg, Rünenberg und Zeglingen die Festrede halten. Der Basler Regierungsrat erachtet das Verhältnis zwischen Basel-Stadt und Baselland als ...
Der Basler Regierungsrat Kaspar Sutter (SP) hält die Festansprache
Kaspar Sutter wird an der gemeinsamen Bundesfeier von Kilchberg, Rünenberg und Zeglingen die Festrede halten. Der Basler Regierungsrat erachtet das Verhältnis zwischen Basel-Stadt und Baselland als «gut, aber anspruchsvoll».
Thomas Gubler
Herr Sutter, Sie halten dieses Jahr in Kilchberg die 1.-August-Rede. Es ist ein seltenes Ereignis, dass ein Regierungsrat aus dem Kanton Basel-Stadt im Oberbaselbiet eine Festrede hält. Was ausser dem Umstand, dass Sie angefragt worden sind, hat Sie dazu bewogen?
Kaspar Sutter: Ich habe mich über die Anfrage sehr gefreut. Ich habe einen persönlichen, emotionalen Bezug zu Kilchberg. Dort habe ich meine ersten neun Kindheitsjahre verbracht und bin in Zeglingen eingeschult worden. Ich kehre somit am 1. August an den Ort meiner Kindheit zurück.
Obschon Sie einen Teil Ihrer Kindheit im Oberbaselbiet verbracht haben und neben Basler auch Ormalinger Bürger sind, nimmt man Sie heute dennoch eher als städtischen Menschen wahr.
Was verbindet Sie heute noch mit dem Oberbaselbiet?
Sicher bin ich ein städtischer Mensch. Ich habe die Stadt bewusst als Wohnund Lebensort gewählt. Diese Dichte an Angeboten und Menschen entspricht mir sehr. Dennoch habe ich zum Baselbiet fast täglich Kontakt. Unser urbaner Raum besteht ja nicht nur aus Basel-Stadt, sondern umfasst einen Teil von drei Ländern und vier Kantonen, darunter auch Baselland. Deshalb bin ich auch regelmässig im Baselbiet. Auch pflegen wir einen engen Kontakt mit dem Baselbieter Regierungsrat. Der Austausch, die Zusammenarbeit und die Verbundenheit mit dem Baselbiet sind Alltag.
Fühlen Sie sich auch irgendwie noch als Baselbieter?
Ich fühle mich als Basler, aber zu diesem Basel gehört die ganze Region, ein grosser Teil der Nordwestschweiz. Und dadurch besteht sozusagen automatisch eine Verbundenheit mit Baselland. Und diese Verbundenheit ist schon sehr stark, sowohl bei mir als Mensch als auch als Mitglied der Basler Regierung.
Wie nehmen Sie als Basler Regierungsrat einerseits und als Einwohner der Stadt andererseits das Baselbiet zurzeit wahr?
Primär sind für mich Basel-Stadt und Baselland ein einziger funktionaler Raum. Und ich glaube, für die meisten Menschen ist das so: Sie wohnen im einen Kanton und arbeiten im anderen; sie verbringen ihre Freizeit dort und geniessen hier das kulturelle Angebot. Dabei nehmen sie Kantonsgrenzen eigentlich nicht wahr oder erst, wenn es «politisch» wird. Aber auch dort arbeitet man in Bereichen wie Verkehr, Bildung oder Kinderspital gut zusammen. Problematisch wird es meistens erst bei den Finanzierungsfragen. Diese können mitunter anstrengend sein. Dort vergisst man dann leicht das grosse Ganze und den Sinn dafür, dass wir zusammen besser unterwegs sind, als wenn jeder nur für sich schauen würde. Im Übrigen nimmt vor allem die Schweiz jenseits des Jura die Region Basel als einen einzigen Raum wahr und nicht als zwei Kantone. Und aus einer globalen Perspektive versteht man den Unterschied von Basel-Stadt und Baselland ohnehin nicht.
Wie würden Sie das gegenwärtige Verhältnis zwischen Basel-Stadt und Baselland beschreiben?
Als gut, aber anspruchsvoll. Schwierigkeiten und Probleme ergeben sich, wie gesagt, meistens im Zusammenhang mit Finanzierungsfragen. Diese sind nicht immer einfach. Ich glaube, man sollte in dieser Hinsicht stärker aus der Sicht der Einwohnerinnen und Einwohner und weniger aus derjenigen der Kantonsfinanzen denken. Patientinnen aus Allschwil, Birsfelden und so weiter sollen doch wählen können, wo sie medizinische Leistungen in Anspruch nehmen. Und was für die Patienten gilt, gilt erst recht für die Studierenden. Ich glaube, wenn man mehr aus der Perspektive der Patientinnen und Studierenden denken würde, käme man schneller zu guten Lösungen.
Als Wirtschaftsminister sind Sie auch Landwirtschaftsminister des Kantons Basel-Stadt. Das tönt zwar immer etwas seltsam, aber ermöglicht diese Funktion auch eine Art Brückenfunktion zwischen dem Stadt- und dem Landkanton? Schliesslich sind Sie ja auch immer bei der Kür des Staatsweins im Schloss Ebenrain mit von der Partie.
Nun, die Landwirtschaft hat im Kanton Basel-Stadt wirtschaftlich tatsächlich kaum Relevanz. Wir haben zwar auch ein paar Bauernhöfe, wir sind aber doch sehr froh, dass das Zentrum Ebenrain die landwirtschaftlichen Funktionen für uns abdeckt und wir die entsprechenden Leistungen dort einkaufen können. Sehr gut ist die Zusammenarbeit beim gemeinsamen Amt für Wald und Wild. Denn der Wald stellt für Basel, Riehen und Bettingen die gleichen Herausforderungen dar wie für Birsfelden, Muttenz und Allschwil. Dasselbe gilt etwa für Probleme mit den Waschbären. Diese Zusammenarbeit klappt wirklich sehr gut.
Mittlerweile sind wieder mehr als zehn Jahre vergangen, seit die letzte Wiedervereinigungsinitiative gescheitert ist. Leiden Sie persönlich unter der Kantonstrennung?
Nein. Es gibt Bereiche, in denen die Einheit von Vorteil wäre. In anderen Bereichen, wie zum Beispiel der dann notwendigen Abtrennung der Stadt Basel vom Kanton Basel-Stadt, entstünden auch Nachteile. Ich glaube, es gilt, den Entscheid von damals zu akzeptieren. Und wenn die Frage wieder auftaucht, muss man sich sowieso überlegen, wie und in welchem Verband man dann allenfalls zusammenfinden soll. Im Moment ist das allerdings schlicht kein Thema.
Gerade in den Gemeinden Rünenberg, Kilchberg und Zeglingen machen sich derzeit wieder Fusionsbestrebungen bemerkbar, wenn auch auf Gemeindeebene. Haben Sie auch deshalb für die 1.-August-Rede zugesagt?
Nein, das war nicht meine Motivation. Diesbezüglich bin ich der Meinung, dass die Gemeinden selber entscheiden sollen, welche Form der Zusammenarbeit sie wählen. Es gibt ja dort schon ein hohes Mass an Zusammenarbeit. Die Kirchgemeinden zum Beispiel sind ja schon lange zusammen. So war mein Vater seinerzeit schon Pfarrer aller drei Gemeinden. Da möchte ich mich als Baselstädter nicht einmischen.
Was werden Sie den Festbesucherinnen und Festbesuchern in Kilchberg am 1. August sagen?
Ich werde sicher auf die Situation unseres Landes eingehen, ebenso auf die Zusammenarbeit innerhalb der Schweiz, aber auch innerhalb der Nordwestschweiz. Und meine Rede wird auch ein paar persönliche Bezüge aufweisen, die ich zum Oberbaselbiet habe.
Freuen Sie sich auf die Begegnung mit den Oberbaselbieterinnen und Oberbaselbietern?
Ja, ich freue mich sehr. Ich habe meine Ferien extra so gelegt, dass ich auch rechtzeitig zum Anlass zurück bin.

