«Ich bin diplomatischer geworden»
07.07.2026 DiepflingenDieter Wüthrich setzt auf klare Strukturen und stabile Finanzen
Anfang Juli übernahm Dieter Wüthrich das Präsidium der Gemeinde Diepflingen. Der erfahrene Gemeinderat sieht das Dorf finanziell und infrastrukturell gut aufgestellt. Nun will er den eingeschlagenen Kurs ...
Dieter Wüthrich setzt auf klare Strukturen und stabile Finanzen
Anfang Juli übernahm Dieter Wüthrich das Präsidium der Gemeinde Diepflingen. Der erfahrene Gemeinderat sieht das Dorf finanziell und infrastrukturell gut aufgestellt. Nun will er den eingeschlagenen Kurs gemeinsam mit seinem Team fortsetzen.
Sander van Riemsdijk
Der 61-jährige Dieter Wüthrich wurde im Juni mit 202 von 210 gültigen Stimmen zum neuen Gemeindepräsidenten von Diepflingen gewählt. Er trat damit die Nachfolge von Stefanie Orlandi an. Bereits von 2000 bis 2009 gehörte Wüthrich als Leiter des Ressorts Tiefbau dem Gemeinderat an. Seit 2022 ist er dessen Vizepräsident mit dem gleichen Ressort. «In der Gemeinde ein Amt zu übernehmen, hat mich grundsätzlich immer interessiert», sagt er zu den Gründen, sich als Gemeindepräsident zur Verfügung zu stellen.
«Da ich in Thürnen aufgewachsen bin und wir in Diepflingen schon früh Land besassen, verfüge ich über viel Hintergrundwissen, ein grosses Netzwerk und ein infrastrukturelles Know-how. Das kann mir von Nutzen sein», sagt Wüthrich, der seit 31 Jahren im Dorf wohnt.
Als sich im Gemeinderat niemand für das Präsidium zur Verfügung stellen wollte, hat Dieter Wüthrich zugesagt. «Aber nur im Wissen, dass wir ein gutes Team sind, das sich gegenseitig unterstützt.» Wichtig in der Entscheidungsfindung war ebenso, dass die Infrastruktur proportional mit dem Wachstum der Bevölkerung von 500 auf 860 Einwohnern Schritt gehalten habe und die Gemeindefinanzen im Lot seien. «Das erleichtert die Arbeit sehr.»
Seine Worte will Wüthrich nicht so verstehen, dass er nur an der Spitze einer Gemeinde stehen will, die keine Probleme kennt, sondern als Analyse der Situation. Er ergänzt: «Wer im Gemeinderat mit Leitungsaufgaben tätig sein will, muss Verantwortung übernehmen und Kritik aushalten können», sagt Wüthrich. Dabei könne er mit der Unterstützung seiner Ehefrau Caroline rechnen, die ihm während seiner politischen Laufbahn bisher immer den Rücken freigehalten habe, wie er sagt.
Kein einfacher Start
Über das gute Wahlresultat freut er sich, zumal er dies nicht erwartet habe. «In meiner ersten Amtszeit bin ich immer wieder ‹angeeckt›. Ich war immer eine Person, die in der Kommunikation geradeheraus war, und dies ist nicht überall geschätzt worden. Heute ist es anders, ich bin diplomatischer geworden.» Dieter Wüthrich wird in seiner neuen Funktion seine Ressorts behalten, nur das Unterdepartement Gebäudeunterhalt wird er abgeben und dafür die Verwaltung übernehmen.
Die grösste Herausforderung liege darin, «die Balance zwischen den Gemeindefinanzen und der Lebensqualität im Dorf zu halten», so der Präsident. Er pflege zwar einen kooperativen, teambezogenen Führungsstil mit viel Eigenverantwortung, aber letztendlich bestimme er als Hauptverantwortlicher die Richtung.
Der neue Gemeindepräsident steht ein für zukunftsorientierte Strukturen, einen verantwortungsvollen Umgang mit den Finanzen, Bürgernähe und Kontinuität. Diepflingen habe in den vergangenen Jahren, in denen das Dorf stark gewachsen ist, viel investiert, so Wüthrich: «Jetzt sollten wir auch ernten können.»
Dieter Wüthrich verfügt über ein grosses Netzwerk und ist stets bereit, mit seinem beruflichen Hintergrund als Polier und Werkhofleiter buchstäblich Hand anzulegen, wo es erforderlich ist. Andererseits sei er sich auch bewusst, dass er sich als Gemeindepräsident ressortbedingt und ebenso privat abgrenzen muss. Aber merken, wenn im Dorf jemandem der Schuh drückt, werde er weiterhin mit Bestimmtheit: «Als Gemeinderat wird man auf der Strasse schnell angesprochen, wenn es Probleme gibt. Zudem bin ich natürlich am Dorfleben interessiert und bekomme einiges mit.» Und mit seinem sportlichen Hintergrund als Vereinsmensch versucht er, zusammen mit seinen Gemeinderatskollegen die Vereine im Dorf im Rahmen des Möglichen zu unterstützen.
Dieter Wüthrich muss immer wieder feststellen, dass sich das Interesse am politischen Geschehen im Dorf im Rahmen hält. Die Gemeindeversammlungen sind im Verhältnis zur Anzahl der Stimmberechtigten mit 15 bis 25 Personen eher schlecht besucht. Gross beunruhigt ihn dies nicht: «Ich sage dann immer, die Menschen, die nicht an die Versammlungen gehen, sind mit allem einverstanden.»
Das schönste Erlebnis in seiner bisherigen Laufbahn als Gemeindepolitiker ist für ihn die Einweihung des neuen Wasserreservoirs in der Funktion als Ressortchef und die Aufgleisung der bis heute gut erhaltenen Dorfinfrastruktur. Der dreifache Vater erwachsener Töchter weiss, dass mit der Amtsübernahme seine Freizeit knapper werden dürfte: «Für die gelegentliche Betreuung meiner Grosskinder, das Biken und den FC Gelterkinden werde ich aber sicher noch Zeit finden.»

