«Ich übernehme Verantwortung»
07.08.2026 Sport, FussballCarla Christen spielt für Basel in der «Womens' Super League»
Die Frauen des FC Basel starten morgen gegen den FC Luzern in die Saison 2026/27. Neu im Women’s Super League-Kader ist die junge Itingerin Carla Christen.
Alan Heckel
Die ...
Carla Christen spielt für Basel in der «Womens' Super League»
Die Frauen des FC Basel starten morgen gegen den FC Luzern in die Saison 2026/27. Neu im Women’s Super League-Kader ist die junge Itingerin Carla Christen.
Alan Heckel
Die vergangene Spielzeit ging unrühmlich für die Frauen des FC Basel zu Ende: Wegen eines Wechselfehlers und einer daraus resultierenden Forfaitniederlage gegen den FC St. Gallen verpassten die Rotblauen den Einzug in den Play-off-Halbfinal. Zudem verliessen Cheftrainer Omar Adlani und Leiter Frauenfussball Fabian Sanginés den Verein, Danique Stein kehrte auf die Trainerbank zurück, während Nicole Leuthardt ab dem 1. September die Gesamtverantwortung für den Frauenfussball übernimmt.
Doch nicht alle Erinnerungen an diesen verunglückten Freitagabend des 1. Mais sind negativ. Da war beispielsweise Nachwuchsspielerin Carla Christen, die gegen St. Gallen erstmals in der Women’s Super League ran durfte – und das nicht in der Schlussphase, um Zeit von der Uhr zu nehmen, sondern von Beginn an. «Das war krass und eine Überraschung. Klar war ich mega nervös! Es war ein Play-off-Spiel und wir hatten mehr als 2500 Zuschauer im Leichtathletik-Stadion St. Jakob», blickt die 21-Jährige zurück, die sich ihre Nervosität nicht anmerken liess und eine Stunde lang tadellos auf der linken Abwehrseite agierte, ehe sie der späteren Torschützin Krystyna Flis Platz machen musste.
In der neuen Spielzeit, die morgen mit dem Auswärtsspiel in Luzern beginnt, dürfte die Oberbaselbieterin regelmässig im Fanionteam zum Einsatz kommen, gehört sie doch zu einem Quartett von Eigengewächsen, die ins «Eins» hochgezogen wurden. Entsprechend happy ist die 174 Zentimeter grosse Linksfüsserin. «Es war stets mein Traum, für den FCB zu spielen!»
Anfänge beim «FC Itingen»
Fussball war seit der Kindheit ein Hobby der Itingerin. «Wir haben immer in der Schule gespielt», erinnert sie sich. Zwar machte sie als Mädchen ihre ersten Schritte im Vereinssport bei der Leichtathletik-Gemeinschaft Oberbaselbiet, doch sie merkte schnell, dass sie lieber Teamsport machte. Dass es der Fussball wurde, «war dann schnell klar».
Itingen hat keinen Fussballclub, deshalb nannten sich Christen und ihre Freunde – sie spielte ausschliesslich mit Jungs – FC Itingen und bestritten unter diesem Namen Spiele gegen andere Teams aus der Umgebung. Mit elf Jahren landete Christen schliesslich beim FC Lausen 72.
Auch im Fussballclub aus der Nachbargemeinde war Carla Christen das einzige Mädchen und fand schnell ihre Position als Linksverteidigerin. «Wir hatten keine anderen Linksfüsser», meint sie schmunzelnd. Beim FC Lausen fühlte sich die Itingerin von Beginn an wohl und konnte mit den Jungs gut mithalten. Nach nur einer Saison wurde sie bei einem Sichtungsturnier im Joggeli für die Regionalauswahl entdeckt und fuhr in der Folge einmal pro Woche nach Binningen, wo sie mit den besten Mädchen ihres Jahrgangs kickte. Das brachte sie auf den Radar des FC Basel, dessen U15 sie sich in der Folge anschloss.
900 Tage Reha und Weg zurück
Auch im FCB-Nachwuchs wusste sich die schnelle, technisch beschlagene Oberbaselbieterin zu behaupten. Auf U16-Stufe wurde sie für die Schweizer Nachwuchsauswahl aufgeboten, und als sie bei den Rotblauen in die U19 hochgezogen wurde, hielt es Carla Christen erstmals für realistisch, es dereinst ins Fanionteam zu schaffen. Dennoch verlief ihr sportlicher Werdegang keineswegs reibungslos, im Gegenteil: «In der U19 machte ich kein einziges Spiel», sagt die Linksverteidigerin, die wegen zwei Kreuzbandrissen lange ausser Gefecht gesetzt wurde – «zweieinhalb Jahre oder 900 Tage», so Christen.
In dieser «sehr schwierigen Zeit» legte die Sportlerin, die auch in der sonstigen Freizeit gerne sportlich aktiv (Tennis, Beachvolleyball, Padel) ist, das Augenmerk auf Reha und Schule. Sie absolvierte die Sportklasse der WMS in Reinach und begann ein Praktikum beim Baselbieter Sportamt. Zurück auf dem Platz kämpfte sie sich wieder an ihr altes Niveau heran und war sogar Captain der U20. «Ich übernehme gerne Verantwortung», sagt Christen, die aufgrund ihres positiven Naturells auf die Mitspielerinnen zugeht und in der Kabine für gute Stimmung sorgt.
Die Defensivspielerin, die als Kind Arjen Robben und Luca Zuffi als Vorbilder hatte («beides Linksfüsser …») und Nati-Captain Lia Wälti aufgrund ihrer Persönlichkeit bewundert, freut sich auf ihre erste Saison im «Eins». Ihr primäres Ziel lautet: «Ich möchte mit dem Team um den Titel mitspielen, mich durchsetzen und so viel Spielzeit wie möglich haben.» Die Chancen dafür sind intakt, denn in den Vorbereitungsspielen kam die Oberbaselbieterin stets zum Einsatz.


