Hunde auch an der Leine unerwünscht
16.05.2026 OberdorfGemeinde erlässt Verbote für Vierbeiner auf öffentlichen Anlagen
Soll es weitere Verbote für Hunde geben? Die Gemeinde Oberdorf hat Hundeverbote für öffentliche Anlagen verhängt; Hölstein zieht bald nach. Die Meinungen darüber sind bei ...
Gemeinde erlässt Verbote für Vierbeiner auf öffentlichen Anlagen
Soll es weitere Verbote für Hunde geben? Die Gemeinde Oberdorf hat Hundeverbote für öffentliche Anlagen verhängt; Hölstein zieht bald nach. Die Meinungen darüber sind bei Hundehaltern geteilt, wie eine Umfrage zeigt.
André Frauchiger
Die Gemeindeversammlung von Oberdorf hat Ende vergangenen Jahres das Hundereglement revidiert: Hunde sollen auch an der Leine nicht mehr über Schulareale, Kinderspielplätze, Sportanlagen und den Friedhof geführt werden dürfen. Kürzlich wurden die entsprechenden Verbotsschilder installiert.
Die Reaktionen aus der Bevölkerung auf die neuen Verbote seien bisher eher zurückhaltend gewesen, sagt Gemeindepräsident Piero Grumelli auf Anfrage. Auch die Hundebesitzerinnen und -besitzer hätten bisher mehrheitlich Verständnis gezeigt. Der Wunsch für die neuen Hundeverbote sei aus der Bevölkerung an den Gemeinderat herangetragen worden, so Grumelli. Es habe in der Vergangenheit immer wieder Probleme, insbesondere zwischen Hunden und Kindern gegeben, weshalb der Gemeinderat dem Anliegen entsprochen habe.
Mit Haltern im Gespräch
Die Verbote seien verhältnismässig und berechtigt. Denn nicht alle Hundehalter würden sich in ausreichendem Masse um ihre Hunde kümmern, so Grumelli. Oft seien die Vierbeiner auf öffentlichen Plätzen nicht angeleint und manche Halter würden den Kot ihrer Vierbeiner nicht aufnehmen. Da ergebe sich dann nachvollziehbar viel Konfliktpotenzial auch mit betroffenen Eltern.
Der Gemeindepräsident will aber nicht einfach verbieten, sondern auch aufklären. Gemeindemitarbeitende hätten deshalb in den vergangenen Wochen vor Ort das Gespräch mit Hundehaltern gesucht und um Verständnis geworben. Die Neuerung sei mehrheitlich nicht auf Opposition gestossen. Die Gemeinde habe auch darauf geachtet, dass Hundehalter die Schulareale, Kinderspielplätze, Sportanlagen und den Friedhof problemlos umgehen könnten. Die Aufklärungsarbeit soll in nächster Zeit fortgesetzt werden.
Oberdorf ist nicht allein mit diesen Verboten. Zum Beispiel hat auch Hölstein vor, dieselben Verbote einzuführen. Dies aus den gleichen Gründen wie Oberdorf. Am 23. März ist das neue Hundereglement mit diesen zusätzlichen Verboten von der Gemeindeversammlung diskussionslos genehmigt worden. Anfang kommenden Jahres sollen die Verbote dann wirksam werden.
«Das ist ein Witz»
Eine Umfrage bei mehreren Hundeschulen im Kanton Baselland hat ein uneinheitliches Bild ergeben: Befürworter wie Gegner der neuen Verbote bei den Hunde-Besitzenden scheinen sich in etwa die Waage zu halten.
Sehr dezidiert äussert sich Sonja Furter, die seit vielen Jahren in Anwil eine Hundeschule führt: «Das ist ein Witz!» Sie sei absolut gegen die neuen Verbote, dies sei der falsche Ansatz. Denn das Problem seien nicht die Hunde, sondern deren Besitzerinnen und Besitzer. Diese müssten bei Fehlverhalten konsequenter zur Rechenschaft gezogen werden. Sei ein Hund unerzogen, liege dies an den Halterinnen und Haltern. Denn sie seien in der Pflicht, ihre Tiere zu schulen, und trügen die Verantwortung. Ein Hund jeglicher Rasse könne bei richtiger, konsequenter Erziehung sozialverträglich sein. Auf öffentlichen Anlagen sollten Hunde nach der Auffassung von Furter nicht frei herumlaufen, sondern angeleint bleiben.
Michaela Fedriga, Präsidentin des Kynologischen Vereins Oberbaselbiet mit einer Hundeschul-Anlage in Itingen, sagt, dass in ihren Reihen die Auffassungen über die neuen Verbote sehr unterschiedlich seien. Persönlich habe sie dafür Verständnis. Dies vor allem aus ihrer Perspektive als Mutter von kleinen Kindern. Es gebe zu ihrem Bedauern immer wieder unangenehme Situationen zwischen Hunden und Kindern, weil die Hundehaltenden nicht genügend auf ihre Vierbeiner achteten.
«Immer mehr Hunde»
Marianne Sprecher, Leiterin der Hundeschule Nemo in Sissach, hält fest, dass die neuen Verbote von ihrer Kundschaft akzeptiert würden. Sie habe jedenfalls nichts anderes gehört. Auch sie habe ein gewisses Verständnis für die Massnahme. Sie plädiert für einen respektvollen Umgang von allen Seiten. Für Hunde sei es wichtig, einmal von der Leine gelassen zu werden und frei laufen zu können – an geeigneten Orten. Auf öffentlichen Plätzen und Strassen seien sie aber immer an der Leine zu führen. Alles andere ist für sie inakzeptabel.
Selina Muggli von «Selinas Hundeschule Dogwarts» in Lausen stellt fest, dass es «immer mehr Hunde» gebe. Die zunehmende Hundedichte könne im öffentlichen Raum je nach Situation auch unangenehm sein. Deshalb brauche es die besagten Verbote zu ihrem Bedauern wohl. Und leider reiche das Halten der Hunde an der Leine nicht immer aus. Hundehaltende seien nicht selten zu lasch, nähmen ihre Hunde im Bedarfsfall nicht immer an die kurze Leine. Die Meinungen der Teilnehmenden in ihrer Hundeschule zu Hundeverboten auf öffentlichen Anlagen seien 50:50. «Viele halten sie für übertrieben.»
Einig sind sich die «Hündeler» in der Frage also nicht. Doch mit einer sehr grossen Opposition gegen weitere Einschränkungen ist scheinbar in nächster Zukunft nicht zu rechnen.

