Hilfreicher Gelbkies
27.05.2026 NaturAndres Klein
Unser kantonaler Verband von «Birdlife Switzerland» promoted die ökologische Infrastruktur zu verbessern, um die Biodiversität zu fördern. Tönt echt schwierig und vermutlich braucht es mindestens einen Ehrendoktortitel, um diese ...
Andres Klein
Unser kantonaler Verband von «Birdlife Switzerland» promoted die ökologische Infrastruktur zu verbessern, um die Biodiversität zu fördern. Tönt echt schwierig und vermutlich braucht es mindestens einen Ehrendoktortitel, um diese Reizwörter und diesen amerikanischen Slang zu verstehen. Me chönnt sich no trumpiere …
Zum Glück geht’s auch einfacher. Wer schöne, seltene und einheimische Pflanzen im Garten will, kann das ganz einfach verwirklichen. Er kann beim Gärtner Gelbkies oder Mergel von mindestens einem Kubikmeter bestellen und diesen auf einen Hügel schütten, das Flachdach auf dem Veloständer abdecken oder einen Gartenweg mit Mergel erstellen. Dann reicht es sich auszuruhen oder das Gemüse und die Blumen nebenan zu pflegen. Auf dem Kies und dem Mergel wachsen plötzlich ganz verschiedene einheimische Pflanzen. Ungeduldige können diese auch vom Gärtner setzen lassen. Dann geht die Begrünung schneller. So nach ein, zwei Jahren erscheinen Pflanzen, die Sie nicht erwartet oder noch nie gesehen haben. Bei uns zu Hause sind das inzwischen über 50 verschiedene Pflanzen. Auf dem Gelbkies-Flachdach geniessen Zitronen-Thymian, Trauben-Gamander, Steinquendel und weitere die Sonne. Auf dem Gartenweg gedeihen, unter vielen anderen, Hungerblümchen, Feld-Ehrenpreis (Chatzenöigli), Schabenkraut, Acker-Hahnenfuss und Garten-Rittersporn.
Besonders gefällt mir ein einheimischer Steinbrech. Er heisst Dreifingeriger Steinbrech (Bild). Er ist unscheinbar, hat wunderbare kleine fünfzählige Blüten und Samenkapseln. Er wird kaum höher als 8 Zentimeter. Am Grunde bilden die Blätter eine Rosette und am Stängel wachsen die dreilappigen Blätter, die für die Namensgebung verantwortlich sind. Die Blätter fallen sehr bald nach dem Blühen ab. Diese einjährige Pflanze kommt jeden Frühling von allein wieder und verschwindet im Sommer. Sie ist im Aargau und im Jura sogar geschützt. Den ersten Dreifingerigen Steinbrech habe ich 1985 am Rande des Bahntrassees am Bahnhof Lausen gefunden. Es war für mich eine Sensation. Heute ist die Art häufiger geworden, denn die Klimaveränderung ist für ihn besser als für unseren Wald. Dieser heimische Steinbrech ist klebrig und hat keine kalkausscheidenden Grübchen wie einige Alpen-Steinbreche. Die Blätter sind in der Lage etwas Wasser zu speichern.
Wer gerne im Jura klettert, begegnet hie und da auch bei uns dem Trauben-Steinbrech. Der ist mehrjährig, hat Kalkgrübchen und sehr schöne grosse Blütenstände. Eher seltener ist der Knöllchen-Steinbrech, der in der Ostschweiz, in der Gegend von Bern und in Basel-Stadt auf Wiesen und an Strassenböschungen vorkommt. Um 1990 gab es nur je einen Fundort in Binningen und in Basel. Ob die vielen neueren Funde in der Stadt natürlich sind oder die Pflanzen angesät wurden, entzieht sich meiner Kenntnis.
Unsere Steinbreche haben von selbst unseren Mergelweg und unser Gelbkiesdach gefunden. Ich musste nicht extra in ein Gartencenter fahren und dort für 13.95 Franken einen Steinbrech aus den Alpen kaufen, der sehr bald stirbt, weil es nicht allen Bergblumen im Unterland gefällt.
Andres Klein ist Botaniker. Er lebt in Gelterkinden.

