Helfen ist für ihn mehr als ein Hobby
24.03.2026 HölsteinWalter Weber ist begeisterter Volunteer an Sportanlässen
Statt die Pension ruhig zu geniessen, ist Walter Weber fast ständig unterwegs: Mehr als 1000 Stunden hat der 69-jährige Hölsteiner bereits als freiwilliger Helfer an Sportanlässen in der ganzen Schweiz ...
Walter Weber ist begeisterter Volunteer an Sportanlässen
Statt die Pension ruhig zu geniessen, ist Walter Weber fast ständig unterwegs: Mehr als 1000 Stunden hat der 69-jährige Hölsteiner bereits als freiwilliger Helfer an Sportanlässen in der ganzen Schweiz geleistet – aus Überzeugung und mit viel Herzblut.
Elmar Gächter
So einfach ist es nicht, Walter Weber zu Hause anzutreffen. Soeben kehrte der Hölsteiner vom Aargauer Halbmarathon zurück und zwei Tage später reist er ins Wallis, um seine Helferdienste bei einem mehrtägigen Biathlonanlass zur Verfügung zu stellen. Schon fast ein normaler Alltag im Leben von Walter Weber. Eigentlich könnte der 69-Jährige sein Rentnerdasein nach seinem beruflichen Rücktritt vor vier Jahren ruhig angehen, doch weit gefehlt. Rund 1000 Stunden Engagement haben sich bereits angesammelt, und es werden laufend mehr. Weber ist begeisterter Volunteer
– also freiwilliger Helfer – bei Sportveranstaltungen aller Art. Ein gewisses Helfersyndrom bestreitet Weber nicht, vor allem aber will er den Organisatoren etwas zurückgeben, was er als früherer ambitionierter Freizeitsportler selbst geschätzt hatte. «Ohne die Mithilfe von ehrenamtlich tätigen Personen gäbe es solche Anlässe nicht mehr», ist er überzeugt.
Man hört ihm gerne zu, wenn der in Ormalingen aufgewachsene Bauernsohn von seinen sportlichen Zeiten berichtet. Eigentlich wäre er gerne Schwinger geworden, doch fühlte er sich schnell als «Kanonenfutter». Eine Karriere als Boxer im Boxclub Sissach verlief ebenfalls im Sand. «Sie haben mich dort im Training richtig ‹geschliffen›, aber ich mochte es nicht, dass man mir ‹den Grind vermöbelt›», sagt Weber in seiner direkten, authentischen Art. Trotzdem blieb er dem Boxclub treu und erinnert sich gerne daran, wie er einen damaligen Schweizer Meister zusammen mit dem Betreuerstab Anfang der 1990er-Jahre auf einer abenteuerlichen Reise nach Moskau an einen Wettkampf begleitete. Stolz machte es ihn auch, dass er mithelfen konnte, den Betrieb während der schwierigen Zeit des Clubs aufrechtzuerhalten. Als Ehrenmitglied besucht er heute noch Boxveranstaltungen in Sissach.
Plötzlich waren Wildschweine da
Als Grenadier hatten es ihm die Armeewettkämpfe angetan, besonders der Waffenlauf. Zwar reichte es in keinem der damals hoch im Kurs stehenden Läufe zum Sieg, doch er kann auf mehrere Podestplätze zurückblicken. Marcel Gerber, ein gestandener Militärradfahrer aus Rothenfluh, hat ihn zum traditionellen Militärradrennen Zürich-St. Gallen mitgenommen. «84 Kilometer auf kupiertem Gelände galt es in Uniform mit dem Ordonnanzrad ohne Schaltung und mit Rücktritt und ‹Rossbollenschaber› als Vorderradbremse sowie dem Sturmgewehr 57 auf dem Rücken abzuspulen – eine grosse Herausforderung», erinnert sich Weber. Mitmachen war für ihn auch bei den Winter-Divisionsmeisterschaften mit Langlauf, Schiessen und Handgranatenwerfen wichtig.
Die Liebe zum Velofahren zeigte sich bei ihm auch als «Gümmeler».
Ganz besonders stolz ist er auf das Alpenbrevet, bei dem fünf Pässe mit 4700 Höhenmetern und einer Distanz von 220 Kilometern zu bewältigen waren. 13 Jahre lang war das Velo auch sein Transportmittel nach Olten, wo er in einer der Werkstätten der SBB arbeitete. Jeden Tag 20 Kilometer hin und zurück, im Sommer mit dem Rennrad, im Winter mit dem Mountainbike, bei Schnee mit Spikes. «Auf dem Unteren Hauenstein habe ich jeweils eine Banane gegessen, war verschwitzt, nach der Abfahrt nach Trimbach jedoch wieder trocken», erzählt Weber. Auf der Diegterhöhe stand eines Morgens eine Rotte Wildschweine auf der Fahrbahn. «Ich habe mich laut bemerkbar gemacht, sie stoben davon, aber ein Zittern verfolgte mich auf der ganzen Fahrt», erinnert sich Weber. Insgesamt landeten so rund 10 000 Kilometer pro Jahr auf dem Tacho. Seit ein paar Monaten macht ihm der Bewegungsapparat Probleme, weshalb er sich vor allem dem Nordic Walking zuwendet und gelegentlich auch Wettkämpfe bestreitet.
Nahe an den Spitzensportlern
Jeder Einsatz als Volunteer ist für Walter Weber ein Highlight. Grössere Anlässe wie die Rad-Weltmeisterschaften in Zürich oder die Biathlon-WM in der Lenzerheide wechseln sich mit kleineren Veranstaltungen ab. Bevorzugte Funktionen hat er nicht, ihm seien alle zugewiesenen Dienste – ob Streckenposten, Schreiber bei Biathlonwettkämpfen oder Mithilfe bei der Vorbereitung von Wettkämpfen – gleich wichtig. «Das Schöne ist bei diesen Anlässen, dass man auch Spitzensportler ganz nahe erleben kann, zum Beispiel den mehrfachen Biathlon-Weltmeister Johannes Thingnes Bø. Trotz seiner grossen Erfolge ist er auch gegenüber Helfern sehr freundlich und zeigt nichts Abgehobenes», sagt Weber über den inzwischen zurückgetretenen fünffachen Olympiasieger aus Norwegen.Weber schätzt auch den Kontakt zu seinen Volunteerkollegen, mit denen er sich wie in einer Familie fühlt.
Volunteer-Arbeit ist eine rein ehrenamtliche Tätigkeit. Der Veranstalter übernimmt Verpflegung und Übernachtung, eine finanzielle Entlohnung gibt es nicht. Walter Weber reist ausschliesslich mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu den Anlässen. Als ehemaliger SBB-Mitarbeiter kommt ihm das Gratis-Generalabonnement zugute. «Volunteer sein bedeutet mir sehr viel. Es ermöglichst mir auch, durch die ganze Schweiz zu reisen und verschiedenen Regionen kennenzulernen», sagt er.
Für Walter Weber sind seine Einsätze längst ein absolutes Muss geworden. Was könnte dies besser ausdrücken als die Tatsache, dass er sich an seinem 70. Geburtstag im Mai keine Feier wünscht, sondern auch an diesem Tag als Volunteer unterwegs sein wird.
Zur Person
Der 69-jährige Walter Weber ist zusammen mit seinen ebenfalls sportlichen Geschwistern in Ormalingen aufgewachsen. Er weist drei abgeschlossene Ausbildungen als Landmaschinenmechaniker, Landwirt und Sanitär-Installateur auf. 13 Jahre war er Mitarbeiter in der SBB-Werkstatt in Olten. Zusammen mit seiner Frau Barbara hat er drei erwachsene Kinder: eine Tochter und zwei Söhne. Die Familie wohnt seit 2000 in Hölstein. emg.

