Heimat ist da, wo Liebe ist
20.10.2026 Sissach«Cheesmeyer»-Talk mit Michelle Steinbeck und Amina Trevisan
vs. Am Donnerstag, 29. Oktober, kommt Schriftstellerin Michelle Steinbeck zum «Cheesmeyer»-Talk mit Ueli Mäder. Sie hat schon zwei Romane publiziert. «Favorita» (2024) sowie ...
«Cheesmeyer»-Talk mit Michelle Steinbeck und Amina Trevisan
vs. Am Donnerstag, 29. Oktober, kommt Schriftstellerin Michelle Steinbeck zum «Cheesmeyer»-Talk mit Ueli Mäder. Sie hat schon zwei Romane publiziert. «Favorita» (2024) sowie «Mein Vater war ein Mann an Land und ein Walfisch im Wasser» (2016). Beide Romane wurden für den Schweizer Buchpreis nominiert.
In «Favorita» sucht die Autorin alias Fila nach Spuren ihrer verschwundenen Mutter. Die Odyssee führt nach Italien, ins Land, das die Grossmutter in jungen Jahren verliess. In Neapel trifft Fila in einer Fabrik auf eine feministische Widerstandszelle. Dabei fragt sich: Geht es bei dieser Reise darum, biografische Wurzeln zu entdecken, einen mutmasslichen Mörder zu stellen oder sich kollektiv mit patriarchaler Gewalt anzulegen? Wichtige Aspekte sind eigene Identität, Zugehörigkeit und soziale Gerechtigkeit.
Der Begriff «Heimat» erinnert Michelle Steinbeck an eine «svp-burezmorge-vibe». Mit «vibe» meint sie wohl eine Stimmung; hier vielleicht eine bodenständige. Ihr, Steinbeck, gehe es aber vor allem um Menschen, die ihr nahestünden, lebende und verstorbene. Wohl fühlt sich die Autorin in ihrer Mietwohnung. Da ist sie zu Hause. «Wie in gewissen Sprachen, selbst wenn ich sie nicht perfekt kann.»
Hinzu kämen Orte, an denen die Autorin nur kurz gelebt habe. Auch Fragiles gehöre dazu. Zum Beispiel eine unsichere Beziehung oder eine Familie, die sich vielleicht auflöse oder neu formiere. Zudem gäbe es Todesfälle, die jegliches Gefühl von zu Hause erschüttern, aber auch berühren und Erinnerungen wecken könnten. So etwa an frühere Orte der Kindheit; je nachdem sogar an Imaginäres. Für Steinbeck ist dieses Zuhause «ein relativ stabiles und stabilisierendes Gefüge». Da sind am Talk vermutlich weitere Präzisierungen gefragt.
Zweiter Talk-Gast ist Amina Trevisan. Sie hat, wie Steinbeck, Soziologie studiert und einen italienischen Migrations-Hintergrund. «Heimat ist für mich da, wo Liebe ist», sagt sie. Trevisan kam 1973 in einer italienischen Familie in Basel zur Welt. Drei Jahre nach knapper Ablehnung der Schwarzenbach-Initiative. Amina erlebte als Kind, was es bedeutet, nicht dazuzugehören. «Diese Verletzungen verschwinden nie ganz», berichtet sie. Doch das motivierte sie später, über «Migration und Depression: Krankheitserfahrungen migrierter Frauen in der Schweiz» (2020) zu doktorieren und den Verein Pro Salute zu initiieren, der sich für gesundheitliche Chancengleichheit engagiert.
«Die Arbeit mit Migrierten und Geflüchteten hat mich Demut gelehrt», bilanziert die Basler SP-Grossrätin. Immer wieder begegnen ihr Menschen, «die Krieg, Verlust, Flucht, Gewalt oder jahrelange Unsicherheit erlebt haben und trotz prekären Verhältnissen zuversichtlich bleiben, hoffen, lachen, lernen, lieben, arbeiten und ein neues Leben aufbauen». Unterschätzt bleibe jedoch die Kraft, die nötig sei, um nach einer Flucht das Vertrauen in andere Menschen wieder aufzubauen. Zugehörigkeit und soziale Teilhabe erforderten enorme individuelle Anstrengungen. Zudem die gesellschaftliche Bereitschaft, Migrierte als Menschen wie du und ich zu sehen.
Trevisan plädiert dafür, «Brücken zur Mehrheitsgesellschaft zu stärken und Türen zu öffnen zu Arbeit, Bildung, Gesundheit und gemeinschaftlichem Mittun». Dabei gelte es, Migrierte nicht über Defizite zu registrieren, sondern über vorhandene Kompetenzen wahrzunehmen. Für Trevisan haben alle Menschen dieselbe Würde. Deshalb müssten wir allen respektvoll begegnen. Das sei «keine abstrakte moralische Haltung». Nein, die konkrete Forderung habe mehr damit zu tun, Heimat eben als Ort der Liebe zu verstehen.
«Cheesmeyer»-Talk mit Michelle Steinbeck und Amina Trevisan, Donnerstag, 29. Oktober, 19.30 Uhr, im «Cheesmeyer», Sissach: Moderation Ueli Mäder, Musik Lukas Rickli.

