Gärtnerin, Köchin und Familienfrau
07.08.2026 DiegtenBäuerinnen-Serie Teil 5: Mariann Herzog vom Hof Ebnet
Mariann Herzog und ihr Mann betreiben einen Hof mit Schweinen, Mutterkühen und Steinobst. Zu ihren Aufgaben gehören neben der Verpflegung der Mitarbeitenden auch die Pflege des Gartens sowie die Betreuung von Pferden und ...
Bäuerinnen-Serie Teil 5: Mariann Herzog vom Hof Ebnet
Mariann Herzog und ihr Mann betreiben einen Hof mit Schweinen, Mutterkühen und Steinobst. Zu ihren Aufgaben gehören neben der Verpflegung der Mitarbeitenden auch die Pflege des Gartens sowie die Betreuung von Pferden und Kleintieren.
Stefanie Spycher-Gass
Hier wohnt jemand mit grünem Daumen. Das sticht auf dem Hof Ebnet in Diegten sofort ins Auge. «Ich liebe Rosen», sagt Mariann Herzog und blickt dabei auf die duftenden Blüten, die den Wegrand säumen. Aber nicht nur Blumen haben es der 58-Jährigen angetan. Auch ein klassischer Bauerngarten gehört zu ihrem Reich, mit einem üppigen Angebot an Kartoffeln, Salat, Zucchetti, Kohlrabi und Co.
«Mein Ziel ist es, Gemüse und Salat für unsere Verpflegung im Sommer zum grössten Teil aus dem eigenen Garten holen zu können», sagt die Bäuerin. «Damit spare ich viel Zeit beim Einkaufen.» Für mehr als einen Wocheneinkauf reicht es während der Erntesaison nämlich nicht. «Die Vorarbeit, um im Sommer üppig ernten zu können, kann ich im Frühling mit der Aussaat und dem Bepflanzen machen. Dann, wenn noch nicht ganz so viel zu tun ist.»
Als die «Volksstimme» Mariann Herzog im Juni auf ihrem Betrieb besucht, ist die Trockenheit in der Region noch nicht so akut und gerade Hochsaison der Kirschenernte. Das heisst, dass bis zu 15 Personen bei ihr am Tisch sitzen. Festangestellte, Erntehelferinnen und Erntehelfer sowie Ehemann Stefan und die erwachsenen Kinder Seraina (21) und Jonas (22) essen täglich auf dem Hof. Das erfordert Struktur und Planung. «Die Salate stehen bereits in der Küche bereit», sagt Herzog, während sie am Sortiertisch Kirschen für den Direktverkauf abfüllt. «Wenn ich hier fertig bin, mache ich den Rest.» Das heisst, die Kartoffeln müssen noch gerüstet und in den Ofen geschoben und das Fleisch gebraten werden.
Während sie die Kirschen sortiert, herrscht ein Kommen und Gehen beim Verkaufsstand an der Zufahrtsstrasse neben dem Kuhstall. Kirschen, Erdbeeren, Himbeeren und im Herbst Zwetschgen stehen dort zum Verkauf. Ein kleines Angebot an Trockenfleisch ergänzt seit Kurzem das Sortiment. «Die Kirschen sehen toll aus», ruft eine Kundin, während sie das Geld ins Kässeli einwirft. Mariann Herzog bedankt sich für das Kompliment und lächelt zufrieden.
Von Luzern ins Baselbiet
Kurz darauf erscheinen aus allen Himmelsrichtungen die Mitarbeitenden: «Sie kommen immer um 10 Uhr zum ‹Znüni›», sagt Herzog. Man könne nicht nonstop arbeiten, regelmässige Pausen sorgten für die nötige Erholung und ein gutes Arbeitsklima. «Zmorge», «Znüni», eine rechte Mittagspause und das «Zvieri» gehören zum Tagesablauf auf dem Hof. Beim «Znüni» ebenfalls dabei sind an diesem Juni-Tag Ehemann Stefan und Sohn Jonas. In gemütlicher Runde gibt es eine kleine Stärkung für alle.
Auch wenn man es ihrem Dialekt nicht anhört, sind Mariann und Stefan Herzog schon lange im Baselbiet sesshaft: 1991 sind sie aus Triengen und Emmen auf den Hof Ebnet in Diegten gekommen. Den Pachtbetrieb des Kantons Luzern, auf dem Mariann Herzog zusammen mit sechs Geschwistern aufgewachsen ist, führen heute zwei ihrer Brüder. So haben Mariann und Stefan Herzog die Chance im Baselbiet genutzt.
Zuerst waren die beiden als Betriebsleiter angestellt, ab 1997 konnten sie den Hof von der Familie Nebiker pachten. Mariann Herzog ist dankbar, dass Nebikers schon damals fortschrittlich unterwegs waren und sie und ihr Mann den Hof von Anfang an gleichberechtigt führen konnten. Im Jahr der Hofübernahme hat Mariann Herzog auch die Ausbildung zur Bäuerin mit dem Fachausweis erfolgreich abgeschlossen.
Bis vor 10 Jahren wurden auf dem Hof von Herzogs noch Kühe gemolken; da dann aber die Schweinehaltung als Betriebszweig ausgebaut wurde, mussten die Braunvieh-Kühe einer Angus-Mutterkuhherde weichen. Heute ist die Schweinehaltung der wichtigste Betriebszweig, dahinter folgt das Steinobst. Aus dem Kirschen- und Zwetschgenverkauf erwirtschaften Herzogs etwa einen Viertel des Betriebseinkommens.
Sowohl Schweinehaltung als auch Steinobst sind zeitintensiv, das geht nicht ohne Mitarbeiter. Darum beschäftigen Herzogs während des ganzen Jahrs zwei polnische Mitarbeitende mit total rund 170 Stellenprozenten. Zudem arbeitet mittlerweile der potenzielle Hofnachfolger Jonas Teilzeit im Betrieb mit. Im Herbst wird er die Betriebsleiterschule beginnen und sich das Rüstzeug für die Hofübernahme beschaffen. Tochter Seraina hat beruflich einen anderen Weg eingeschlagen und ist ausgebildete Betriebsinformatikerin.
«Fühle mich sehr privilegiert»
Mittlerweile sind Schokoriegel gegessen und der Pausentee ausgetrunken. 10 Liter kocht Mariann Herzog davon täglich aus frischen Lindenblüten und Kräutern. Die Mitarbeitenden schwärmen wieder aus, Jeder weiss, was er zu tun hat. Viele der Erntehelfer kommen jedes Jahr wieder. «Das ist sehr wertvoll», sagt Herzog. Überhaupt ist ihr ein familiäres Arbeitsklima wichtig: «Ich habe mich immer für den Bauernhof als Familienbetrieb eingesetzt, mit einer Bäuerin, die zu Hause arbeiten kann», sagt sie. So auch im Vorstand des Bäuerinnen- und Landfrauenvereins beider Basel, dem sie bis im Frühling während zwölf Jahren angehörte und diesen auch im Schul- und Bildungsrat des Kantons Baselland vertrat.
Sie ist froh, dass sie all die Jahre keiner Auswärts-Erwerbsarbeit nachgehen musste. Manchmal mache sie sich etwas Sorgen um die heutigen jungen Bäuerinnen, die oft zusätzlich auswärts arbeiten. Und so einen noch grösseren Spagat zwischen allerlei Bedürfnissen machen müssten. «Ich fühle mich sehr privilegiert, dass ich zu Hause sein kann und unser Einkommen dennoch stimmt.» Am Bäuerinsein schätze sie besonders, dass sie ihre Arbeit selber einteilen und in der Natur arbeiten könne. Zudem mache ihr die Gartenarbeit inklusive Blumen viel Freude.
Wer aber denkt, dass Mariann Herzog immer zu Hause ist, täuscht sich. Denn Ausgleich und Geselligkeit sind ihr ebenfalls sehr wichtig.
So stehen nicht nur regelmässige Besuche in ihrer «alten Heimat» auf dem Programm. Sie ist zum Beispiel auch an Jodlerfesten in der Region anzutreffen. Ihr Mann Stefan singt bei den «Jodlerfründe Wisebärg». Und sie ist als Helferin, Salatsaucen-Lieferantin oder auch «nur» als Gast dabei. Auch ist es ihr wichtig, regelmässig bäuerliche Anlässe sowie Anlässe und Reisen des Bäuerinnen- und Landfrauenvereins zu besuchen, um Austausch und Zusammenhalt zu fördern. Mariann Herzog hat jahrelang die Wellnesstage der Bäuerinnen und Landfrauen beider Basel in Sigriswil organisiert.
«Es ist mir sehr wichtig, dass die Bäuerinnen sich auch Zeit für sich selber gönnen.» Sie selber findet einen weiteren Ausgleich bei und mit ihren zwei Pferden. Nicht nur gehört das tägliche Ausmisten fix zu ihrem Tagesprogramm. Drei bis viermal pro Woche reitet oder fährt sie aus. «Das tut mir sehr gut», so Herzog.
Auf die Frage nach einem Traum, den sie sich noch erfüllen möchte, muss Mariann Herzog lange überlegen. Dann fällt ihr aber doch noch etwas ein: «Ich würde gerne unsere ehemaligen Mitarbeitenden in ihrem Zuhause besuchen.» Bis es so weit ist, werden aber wohl noch einige Kilogramm Kirschen und Zwetschgen durch ihre Hände gleiten.
Serie zum UNO-Jahr 2026 der Bäuerinnen und Landwirtinnen: Bereits erschienen sind die Porträts von Sonya Leuenberger vom Hof Halde in Ziefen, Andrea Gysin vom Hof Halde in Läufelfingen, Myriam Schwob vom «Prinzenhof» in Lampenberg, Angelika Itin vom «Mettlihof» in Maisprach und Christine Spycher vom Hof auf dem Rigiberg in Buus. Die Serie wird wöchentlich fortgesetzt.

