Grosser Kleinwagen mit Ecken und Kanten
26.03.2026 AutoRenault Clio full hybrid E-Tech 160
Der neue Renault Clio hat sich optisch stark verändert. Anstatt auf Eleganz mit sanften Rundungen setzt der Hersteller beim Kleinwagen mit geschärften Karosserieformen auf ein eher sportliches Äusseres. Diesem wird der Kleinwagen auf der ...
Renault Clio full hybrid E-Tech 160
Der neue Renault Clio hat sich optisch stark verändert. Anstatt auf Eleganz mit sanften Rundungen setzt der Hersteller beim Kleinwagen mit geschärften Karosserieformen auf ein eher sportliches Äusseres. Diesem wird der Kleinwagen auf der Strasse gerecht. Wir fuhren die Vollhybrid-Version.
Christian Horisberger
Das soll ein Kleinwagen sein? Der neu aufgelegte Renault Clio wirkt von aussen gar nicht klein. Tatsächlich ist er etwas grösser als sein Vorgänger, aber verantwortlich für den Eindruck ist das bullige Design der Frontpartie, die zugleich aggressiver gestaltet wurde. Die Scheinwerfer sind schmal wie zugekniffene Augen, die Tagfahrlichter kantig und die Seitenspiegel heruntergezogen wie die Ohren eines angreifenden Stiers. Generell zeigt der Clio rundum viel mehr Ecken und Kanten als das rundlichere Vorgängermodell.
Auch im Inneren fühlt sich die sechste Clio-Generation, die seit Anfang dieses Jahres auf dem Schweizer Markt ist, nicht klein an: Sogar mit zwei Metern Körpergrösse stossen Fahrerin oder Beifahrer aufrecht sitzend mit dem Kopf nicht ans Autodach. Auch bietet der Clio Grossgewachsenen ausreichend Beinfreiheit. Auf den hinteren Plätzen können überdurchschnittlich lange Passagiere bequem und mit ausreichend Platz für die Beine sitzen.
Nur beim Volumen des Kofferraums mit 309 Litern wird man an die Zuordnung des Clio zur Kleinwagen-Klasse – Konkurrenten sind der VW Polo, der Opel Corsa oder der Peugeot 208 – erinnert: Das Gepäck für eine Ferienreise auch nur zu zweit hat hier schwerlich Platz und man wird mindestens einen Teil der Rücklehne im Fond herunterklappen müssen, um dies zu ändern. Dafür reichen aber ein, zwei Handgriffe aus; die Rücklehne ist im Verhältnis 1:2 geteilt.
Zurück auf den Fahrersitz: Beim von der Garage Buser in Ormalingen zur Verfügung gestellten Auto handelt es sich um die Hybrid-Version des Clio in der mittleren Ausstattungsvariante «techno» (zwischen der Basisausstattung «evolution» und «esprit Alpine»). «techno» bietet schicke Sportsitze, die auf kurvenreichen Strecken einen ausgezeichneten Seitenhalt gewährleisten.
Energierückgewinnung
Das Testfahrzeug ist mit dem «OpenRlink»-Infotainmentsystem ausgestattet, das auf Google-Software basiert. Steuern lässt es sich über das mittige, leicht zum Fahrer geneigten 10-Zoll-Touchdisplay, teilweise zusätzlich über Tasten am und beim Lenkrad sowie mit Sprachbefehlen. Für Letzteres ist eine Kennenlernphase empfohlen, damit das Auto weiss, was der Lenker oder die Lenkerin von ihm will: So scheiterten wir beim Versuch, das «Navi» mit dem Befehl «Stoppe Navigation!» zu beenden. Der Computer wollte lieber «Zielführung beenden» hören.
Los geht die Fahrt. Wie bei «Amerikanern» befindet sich der Automatik-Hebel rechts oben vom Lenkrad. Wir drücken auf den Start-Knopf, um den Hybrid zum Leben zu erwecken, und schieben den Automatikhebel für die Vorwärtsfahrt nach unten. Und gleich ein zweites Mal. Damit ist die optimale Energierückgewinnung für eine möglichst sparsame Fahrt (Modus B) aktiviert. Sobald der Fuss vom Gaspedal geht, wird die Rekuperation aktiviert und das Fahrzeug dadurch auch merklich gebremst. Der Akku wird intensiver aufgeladen als im normalen Fahrmodus.
Angetrieben wird der Renault Clio full hybrid E-Tech 160 von einem 1,8-Liter-Benzinmotor sowie einem Elektromotor mit einer Systemleistung von 160 PS. Alternativ stattet Renault den Clio mit einem Drei-Zylinder- 1,2-Liter-Turbo mit 115 PS aus. Der Vollhybrid ist stärker und zugleich sparsamer als der Benziner. Man kann also mit gutem Gewissen auch einmal etwas zügiger einen Berg hinauf kurven. Dank eines straff abgestimmten Fahrwerks bleibt das Fahrzeug jederzeit stabil auf Kurs.
Der Motor mit einem maximalen Drehmoment von 172 Nm stellt für jede Fahrsituation genügend Leistung zur Verfügung, was positiv zum subjektiven Sicherheitsempfinden beiträgt (zügiges Überholen, Auffahren auf die Autobahn). Den Standard-Sprint absolviert das leer gut 1,3 Tonnen schwere Fahrzeug in 8,3 Sekunden (Werksangabe). Bei zügigen Fahrten mit starkem Beschleunigen kann der Motor ziemlich laut werden, und je nach Fahrmodus kann es vorkommen, dass das Automatikgetriebe das Hochschalten ungewohnt lange verzögert, auch nachdem man den Fuss vom Gas genommen hat.
Sparen als Herausforderung
Verlockender als die flotte Fahrt ist bei diesem Auto der Anreiz, es möglichst sparsam zu bewegen. Renault hat das Auto nicht nur mit dem «B»-Betriebsmodus und einem Eco-Fahrprogramm ausgestattet, sondern zeigt dem Lenker auf der Instrumententafel auch permanent an, ob und wie viel Energie das Fahrzeug aktuell verbraucht oder erzeugt. Zudem bewertet der Bordcomputer jede Fahrt nach verkehrssicherheitstechnischen und ökologischen Kriterien mit einem Wert von 0 bis 100. Als Lenkerin oder Lenker kann man sich so der Herausforderung kaum entziehen, das Gaspedal möglichst zart zu behandeln, um bessere Bewertungen zu erzielen. Bei konzentrierter und vorausschauender Fahrt lassen sich diese Werte rasch deutlich verbessern, und nach und nach stellen sich beim Fahrverhalten auch Automatismen ein.
Doch selbst dann, wenn der Fahrer oder die Fahrerin das Gaspedal nur streichelt, ist es schwierig, an den vom Hersteller angegebenen Durchschnittsverbrauch von 3,9 Litern Benzin/100 km zu kommen. Bei unseren Fahrten mit dem Testwagen standen nach 136 Kilometern gemäss Fahrzeugcomputer 4,7 Liter zu Buche.
Positiv aufgefallen ist uns am gefahrenen Modell die gute Verarbeitung im Innenraum, das satte «Plopp» beim Schliessen der Türen, der griffige Lenkradkranz und auch die faltbare Abdeckung der Ablage zwischen den beiden Vordersitzen – ein originelles Detail. Die Steuerung von Lüftung/Klimaanlage über Tasten ist zu begrüssen, ebenso die Möglichkeit, das gesamte Sicherheitsassistenten-Paket, das bei jeder Fahrt automatisch aktiviert wird, per Tastendruck auf eine persönliche Konfiguration umzustellen. Nichts gegen aktive Sicherheit im Auto – aber wenn es bereits piepst, wenn die erlaubte Höchstgeschwindigkeit auch nur um einen Stundenkilometer überschritten wird, kann das nicht nur nerven, sondern auch irritieren. Daher: Kompliment für diese Option!
Kompliment auch für den gegenüber dem Vorgänger unveränderten Basispreis. Der 1,3-Liter-Benziner mit Schaltgetriebe ist ab 19 900 Franken zu haben. Das von uns gefahrene Modell full hybrid E-Tech 160 (ohne Stecker) mit automatisiertem Getriebe in der Ausstattungsvariante «techno» und diversen Extras ist mit 31 600 Franken angeschrieben.
Facts & figures
Masse
Länge 4116 mm
Breite 2006 mm
Höhe 1451 mm
Leergewicht 1346 kg
Ladevolumen 309/1094 Liter
Motor/Getriebe
1,8-Liter-Benzinmotor und
Elektromotor mit einer
Systemleistung von
116 kW/160 PS
Höchstgeschwindigkeit:
180 km/h
Antrieb: Automatisiertes Getriebe
Preis
Basismodell ab 19 900 Franken gefahrenes Modell 31 600 Franken
Das Testfahrzeug wurde von der Garage Buser in Ormalingen zur Verfügung gestellt.






