Gratis-Gasspeicher erweist sich als Ladenhüter
21.05.2026 SissachErsatz der Anlage für die Kläranlage befindet sich im Bau
Das Amt für Industrielle Betriebe ist auf dem Gasspeicher der Sissacher Kläranlage sitzen geblieben, den es hatte verschenken wollen. Somit wird er verschrottet, sobald der neue, mehr als doppelt so grosse ...
Ersatz der Anlage für die Kläranlage befindet sich im Bau
Das Amt für Industrielle Betriebe ist auf dem Gasspeicher der Sissacher Kläranlage sitzen geblieben, den es hatte verschenken wollen. Somit wird er verschrottet, sobald der neue, mehr als doppelt so grosse Speicher für Klärgase betriebsbereit ist.
Christian Horisberger
Die Idee war originell: Anstatt den ausgedienten Gasspeicher auf dem Areal der Ara Ergolz 1 in Sissach zu verschrotten, hat ihn das Amt für Industrielle Betriebe Baselland (AIB) im vergangenen Herbst zum Verschenken ausgeschrieben, verbunden mit dem Wunsch, den 6 Meter hohen Zylinder mit einem Durchmesser von 12 Metern einer neuen Nutzung zuzuführen – ganz nach der Devise «Upcycling statt Recycling». Das AIB hat auch einige Vorschläge gemacht, was aus dem riesigen Metallbehälter werden könnte: eine Boulderwand, ein Café, eine Voliere oder auch ein Gewächshaus (die «Volksstimme» berichtete).
So verführerisch der babyblaue Speicher auch feil geboten wurde – der Kanton ist darauf sitzen geblieben. Es habe Anfragen gegeben, doch etwas Konkretes habe sich daraus dann nicht ergeben, sagt Jule Lutz, Projektleiterin beim AIB. Das bedeutet, dass der Kanton die Metallhülle auf eigene Kosten zerlegen und der Metall-Wiederverwertung zuführen wird. Hier hat die angestrebte Umsetzung einer nachhaltigen Wiederverwertung nicht wie gewünscht funktioniert, «aber es war eine gute Erfahrung», so Lutz.
Umso konsequenter hat das AIB den Ersatz für den 1966 beim ARA-Neubau erstellten und in den 1990er-Jahren sanierten Speicher für Klärgase auf Nachhaltigkeit getrimmt. Die Konstruktion, die in den vergangenen Wochen auf dem bestehenden Betriebsgebäude der ARA errichtet worden ist, besteht komplett aus Schweizer Holz. Wird der neue Gasspeicher an dieser Stelle irgendwann nicht mehr benötigt, könnten die Brettschichtholzträger problemlos demontiert und andernorts wieder zusammengeschraubt werden. Ausserdem habe der Brandschutz für Holz gesprochen, führte Christoph Abt von der ausführenden Holzbaufirma Hess (Ziefen) bei einer Baustellenbesichtigung aus. Gegenüber einer Metallkonstruktion halte ein Gerüst aus Holzbalken einem Brand deutlich länger stand, bis es zusammenbreche. Die Aussenhaut des Speichers wird aus mit brandhemmender Steinwolle gefüllten Blechpaneelen bestehen. Dessen Materialien seien getrennt ebenfalls recyclingfähig, betonte die Projektleiterin.
Das Dach des neuen Gasspeichers, der wiederum auf dem Dach des ARA-Betriebsgebäudes entsteht, sowie die Süd- und die Ostfassade werden mit Solarpanels bestückt. Mit deren Kapazität von 73,5 Kilowattpeak (kWp) erhöht sich die gesamte PV-Leistung auf dem Areal der ARA Ergolz 1 auf 379 kWp. Verdoppelt wird durch den Neubau die Speicherkapazität des Klärgases, das im Faulturm beim biologischen Abbau von Klärschlamm entsteht. Es besteht zu rund zwei Dritteln aus Methan und zu einem Drittel aus Kohlendioxid. Das brennbare Methan wird zur Gewinnung von Wärme und Strom in einem Blockheizkraftwerk (BHKW) auf dem Gelände der ARA verwendet. Nehme man die Leistung der PV-Anlage hinzu, könne die ARA mehrheitlich mit vor Ort erzeugter Energie betrieben werden, erklärte Projektleiterin Lutz.
Inbetriebnahme Ende Juni
Das eigentliche Herz des neuen Speichers mit einer Grundfläche von 15 mal 11 Metern und einer Höhe von 7 Metern sind zwei «Ballone» – flexible Gasbehälter aus einem Lastwagenblachen-ähnlichen Material. Diese haben ein Fassungsvermögen von jeweils rund 700 Kubikmetern, womit sich die Kapazität gegenüber dem noch in Betrieb stehenden alten Speicher mehr als verdoppelt. Damit könne die Stromproduktion flexibler gesteuert werden, erklärte Jule Lutz beim Augenschein. Denn ist der bestehende Gasspeicher voll, muss das BHKW zwingend laufen und Gas verbrennen, damit weiteres anfallendes Klärgas aufgenommen werden kann – auch wenn zu diesem Zeitpunkt der Energiebedarf der Anlage mit Solarstrom gedeckt werden könnte. Mit einer Speichervolumenreserve könne die Stromgewinnung für den Klärbetrieb flexibler gestaltet werden: tagsüber von der Sonne, nachts aus Gas.
Die Arbeiten am neuen Gasspeicher haben in der letzten Märzwoche begonnen. Die Inbetriebnahme soll Ende Juni erfolgen. Im Anschluss daran wird der alte Speicher auf Schadstoffe untersucht und auf eigene Kosten entsorgt. Deren Höhe dürfte im Verhältnis zu den aktuellen und kommenden Investitionen für die ARA Ergolz 1 bescheiden ausfallen. Gemäss Regierungsbeschluss stehen für die Erneuerung des Gasspeichers insgesamt 2,3 Millionen Franken zur Verfügung. Im Anschluss an den Bau des neuen Gasspeichers wird der Kanton für den Ersatz des Blockheizkraftwerks weitere 2,3 Millionen Franken investieren.


