Grabstele als Ort zum Innehalten
05.05.2026 SissachGreti Bader erinnert sich an ihren Schwiegervater
Etwas versteckt unter einem Baum steht auf dem Friedhof in Sissach eine Grabstele aus rotem Sandstein – ein Werk des Bildhauers Jakob Probst. Sie erinnert an Ernst Bader, der 1942 auf tragische Weise ums Leben kam.
...Greti Bader erinnert sich an ihren Schwiegervater
Etwas versteckt unter einem Baum steht auf dem Friedhof in Sissach eine Grabstele aus rotem Sandstein – ein Werk des Bildhauers Jakob Probst. Sie erinnert an Ernst Bader, der 1942 auf tragische Weise ums Leben kam.
Heiner Oberer
Eine Sitzbank auf dem Friedhof Sissach. Stille – nur ab und zu unterbrochen durch das Warnsignal des Krans auf der angrenzenden Baustelle. Ein Ehepaar mit quirligen Grosskindern ist auf dem Weg zum Grab der Grossmutter. Wir treffen Greti Bader-Weibel (89), die uns von der Grabstele ihres Schwiegervaters Ernst Bader (1881– 1942) erzählen möchte. Beim Lesen eines Artikels in der «Volksstimme» vom 27. März über den Baselbieter Bildhauer Jakob Probst (1880–1966) sei ihr aufgefallen, dass die Grabstele ihres Schwiegervaters in der Aufzählung von Probsts Werken in Sissach fehlte.
«‹Nicht schlimm›, habe ich mir gesagt», erzählt Bader. Sie habe schnell ein Foto der etwas versteckt stehenden Stele gemacht und es auf der Redaktion der «Volksstimme» vorbeigebracht. Anlass genug, um die Geschichte ihres Schwiegervaters zu erzählen. Ernst Bader sei ehemaliger Landrat und Mitbegründer der Sektion Baselland des Schweizerischen Alpen-Clubs gewesen – und eng mit Probst befreundet. Bei einem Besuch im Welschland, wo Probst lebte, traf Ernst Bader den Bildhauer todkrank im Bett an. Ein sofort gerufener Arzt stellte eine akute Blinddarmentzündung fest und liess den Patienten ins Krankenhaus einliefern. Diese Tat hat Probst seinem «Lebensretter» nie vergessen.
1942 kommt Ernst Bader auf einer Tour zum Grenzgletscher im Monte-Rosa-Gebiet ums Leben. «Er fiel in eine Gletscherspalte und konnte nur noch tot geborgen werden», sagt Greti Bader. Probst fertigte zur Erinnerung an seinen verstorbenen Freund die Grabstele aus rotem Sandstein, die noch heute auf dem Friedhof in Sissach steht. Greti Baders Ehemann Rudolf (1926–2007) war beim Tod seines Vaters erst 16 Jahre alt – ein Erlebnis, das ihn sein Leben lang geprägt hat. Das Besondere an der Geschichte: Nach der Aufhebung des Grabs wandte sich die Friedhofkommission an Rudolf mit der Bitte, die Stele übernehmen zu dürfen, um sie der Nachwelt zu erhalten. Der auf der Stele dargestellte Todessturz des Ikarus erinnert Friedhofbesucherinnen und -besucher an ihre Sterblichkeit und nimmt zugleich Bezug auf Baders Unfall, wie Martin Stohler in den «Baselbieter Heimatblättern» schreibt.
Rudolf Bader, der 2007 verstorben ist, hat seinen Vater verehrt und viel aus dessen Leben zu erzählen gewusst. Ernst Bader wurde am 13. Oktober 1881 in der Schmiede in Langenbruck geboren und zog nach dem frühen Tod der Mutter mit Vater und Schwester nach Sissach. Dort besuchte er die Primarschule und fand eine erste Anstellung als Stationsgehilfe bei den SBB. Er engagierte sich in Sissach in verschiedensten Funktionen: als Mitglied und Präsident der Gemeindekommission, als Vorstandsmitglied der Standschützen und als Präsident des Männerchors Liederkranz.
Ein Sissacher durch und durch
In seinem Nachruf heisst es, er sei «ein Sissacher durch und durch» gewesen. Weiter: «Ernst Bader war eine der führenden Persönlichkeiten des letzten Jahrzehnts. Seit der Gründung der freisinnig-demokratischen Partei gehörte er ihrem Kantonalvorstand an, den er zuletzt noch präsidierte.»
Auch Rudolf scheint die Gene des Vaters geerbt zu haben. Wie Ernst war er langjähriges FDP-Mitglied und bei den Standschützen aktiv. Als Ausgleich betätigte er sich künstlerisch – in Erinnerung geblieben sind seine kunstvoll gestalteten Fasnachtsdekos in der «Sonne», der «Fluh» und beim «Eidgenossen». Zudem nahm er im «Glöggeliwagä», der Sissacher Fasnachtszeitung, seine Mitbürger teils mit spitzer Feder aufs Korn – ohne selbst aktiver Fasnächtler zu sein. 1958 heirateten Rudolf und Greti Bader. Ein Jahr später kam Tochter Susi zur Welt, 1967 Sohn Felix.
Bei jedem Besuch auf dem Friedhof macht Greti Bader Halt bei der Grabstele ihres Schwiegervaters. «Ich nehme mir immer Zeit, um an den Verstorbenen zu denken – aber auch an positive Ereignisse in meinem Leben.»
Informationen stammen aus dem Personenlexikon des Kantons Basel-Landschaft und aus den «Baselbieter Heimatblättern», 91. Jahrgang, Nummer 1, März 2006.

