Gospel, der nachklingt
17.03.2026 SissachEin musikalischer Workshop im Jakobshof
Drei Abende proben, am vierten auftreten: Rund 60 Menschen haben vergangene Woche im Jakobshof in Sissach gemeinsam Gospel gesungen. Der Workshop mit Gästen aus New Jersey setzte auf Gemeinschaft, Emotionen und eine Botschaft, die viele ...
Ein musikalischer Workshop im Jakobshof
Drei Abende proben, am vierten auftreten: Rund 60 Menschen haben vergangene Woche im Jakobshof in Sissach gemeinsam Gospel gesungen. Der Workshop mit Gästen aus New Jersey setzte auf Gemeinschaft, Emotionen und eine Botschaft, die viele berührt.
Wendy Maltet
Bereits zum wiederholten Mal organisierte die reformierte Kirchgemeinde Sissach-Wintersingen vergangene Woche zusammen mit dem Basler Chor «Voices of Unity» einen dreitägigen Gospelworkshop. Mit dabei waren die Sängerinnen und Chorleiter Michael und Carmenda Crews sowie Floyd T. Myrie aus New Jersey. Am Anlass, der im Sissacher Jakobshof stattfand, konnten Menschen mit und ohne Gesangserfahrung teilnehmen.
Priska Annor, Aktuarin und Sprecherin von «Voices of Unity», erlebte die Tage als intensiv und verbindend. «Das Gemeinschaftsgefühl ist wirklich immer wieder besonders. Einige Teilnehmende besuchen unsere Workshops seit Jahren regelmässig und reisen dafür sogar an verschiedene Orte.» Gleichzeitig gebe es auch immer wieder neue Gesichter. «Ich hoffe sehr, dass auch sie sich aufgenommen fühlen.»
Organisatorisch sei vieles eingespielt gewesen. Die Zusammenarbeit mit Pfarrer Matthias Plattner funktioniere vertrauensvoll, man arbeite «Hand in Hand».
Einen emotionalen Moment gab es gleich am ersten Abend: Die amerikanischen Gäste, die in diesem Jahr von vier Freunden begleitet wurden, beendeten die Probe mit einem gesungenen Segen. «Das hat für Gänsehaut gesorgt», berichtet Annor.
Lernen ohne Noten
Rund 60 Personen nahmen am Workshop teil. Dass dafür keine Vorkenntnisse nötig sind, wird während der Proben ersichtlich. Die Songs würden ohne Noten vermittelt, mit längeren Intros und vielen Wiederholungen. «Das hilft, in die Lieder hineinzufinden. Spätestens nach einigen Durchgängen hat man den richtigen Ton gefunden.»
Das Konzept sei durchaus anspruchsvoll: Innerhalb von drei Abenden werden Songs einstudiert, die bereits am vierten Abend im Konzert aufgeführt werden. «Es wirkt etwas verrückt – aber es funktioniert», so die Organisatoren.
Besonders in Erinnerung geblieben ist Annor ein neuer Song von Michael Crews. Er habe den Teilnehmenden Einblick in die Entstehung von «Hear our cry» gegeben, einem Gebet für Frieden, das er Anfang Februar geschrieben habe – einige Tage bevor ein weiterer Krieg im Nahen Osten ausbrach. «Als wir das Lied gemeinsam sangen, liefen ihm Tränen übers Gesicht. Das war ein Moment tiefer Verbundenheit», sagt Annor.
«We are family»
Für Annor liegt die Wirkung von Gospel auch in ihrer Botschaft. Die Songs vermittelten Zuspruch, Hoffnung und Dankbarkeit. «Viele erzählen, dass die Lieder sie noch lange im Alltag begleiten. Plötzlich singt es in einem weiter.»
Die Zusammenarbeit mit der sogenannten «Gospelfamily» aus New Jersey reicht bis in die frühen 2000er-Jahre zurück. Aus ersten Begegnungen an Workshops und Konzerten sei eine enge Freundschaft entstanden. «We are family – das ist für uns keine Floskel», sagt Annor.
Die amerikanischen Musiker brächten neben Professionalität viel Leidenschaft und Humor mit. Chorleiter Floyd T. Myrie habe eine besondere Präsenz. «Wenn man sich auf ihn fokussiert, beginnt man den Song zu fühlen. Man singt nicht mehr mit dem Kopf, sondern aus dem Herzen.»
Perfektion stehe dabei nicht im Vordergrund. Wichtiger seien Ausstrahlung, Begeisterung und Verbundenheit.
Auch die angereisten Musiker aus Amerika beschreiben Gospel als etwas Besonderes. Es sei kein Musikgenre wie Jazz oder Rock. Vielmehr bediene sich die Gospelmusik der verschiedenen Genres, weshalb auch verschiedene Gospelstile bestehen würden. Gospel sei auch nicht einer bestimmten Religion zuzuordnen, sondern stünde allen offen. Entscheidend sei die Botschaft: Über die Musik wolle man Freude, Hoffnung und Zuversicht weitergeben.
An ihren Aufenthalten in der Schweiz schätzen die Musikerinnen und Musiker unterschiedliche Dinge. Michael Crews hebt die Begegnungen mit Menschen hervor, Floyd T. Myrie schwärmt von Süssigkeiten, Carmenda Crews vom öffentlichen Verkehr und der Aussicht.
Trotz einer etwas abgeebbten «Gospelwelle» bleibt das Interesse an Workshops bestehen. «Voices of Unity» organisiert jährlich zwei Projekte in der Region Basel. Für viele Teilnehmende bleibt das gemeinsame Singen eine Erfahrung, die weit über die Probetage hinaus nachklingt.

