Glückwünsche an den Bruder im Geist
12.03.2026 SissachPianist Adrian Oetiker trägt im zweiten «Klanglichter»-Konzert den frühen Maurice Ravel vor
Die sechs diesjährigen Konzerte der Reihe «Klanglichter» sind mit «Widmung» überschrieben. Am vergangenen Samstag widmete Adrian Oetiker die Nummer ...
Pianist Adrian Oetiker trägt im zweiten «Klanglichter»-Konzert den frühen Maurice Ravel vor
Die sechs diesjährigen Konzerte der Reihe «Klanglichter» sind mit «Widmung» überschrieben. Am vergangenen Samstag widmete Adrian Oetiker die Nummer zwei ausschliesslich dem französischen Komponisten Maurice Ravel.
Jürg Gohl
Maurice Ravel? Da folgt «Boléro» als Stichwort auf dem Fuss. Dem französischen Komponisten wird nachgesagt, dass er sich über sein vermeintliches Glanzwerk, das er im Alter von 53 Jahren komponiert und damit seine Nachkommen zu Millionären gemacht hat, durchaus abschätzig geäussert habe: «Mein Meisterwerk? Schade nur, dass das ‹Boléro› überhaupt keine Musik enthält.»
Und das berühmte Orchester- und Ballettwerk wurde auch am vergangenen Samstag nur kurz erwähnt, als sich das zweite Konzert dieses Jahres im Rahmen der «Klanglichter»- Konzertreihe ausschliesslich dem französischen Komponisten widmete. Fast zwei Stunden lang trug Hochschuldozent und Konzertpianist Adrian Oetiker, dessen Frau Paola de Piante Vicin die Konzertreihe vor zwölf Jahren ins Leben gerufen hat und seither veranstaltet, Klavierwerke des jüngeren Ravel vor. Ihr Ehemann habe dieses Konzert bereits in Mexiko, Luzern und anderswo gegeben. «Da darf Sissach natürlich nicht fehlen», sagte die Organisatorin einleitend.
Leichte Verspätung
Mit «Ravels 151. Geburtstag» wurde dieses jüngste Konzert überschrieben. Tatsächlich kam der Sohn eines Schweizers und einer Spanierin am 7. März 1875 zur Welt. Terminlich ein Volltreffer also, auch wenn das auf Kosten eines eigentlichen Jubiläums geht. «Ich habe 2025 das Jubiläumsjahr schlicht verschlafen», sagte Adrian Oetiker, ehe er sich ohne Notenblätter an den «Steinway» setzte.
In seinen Ausführungen bezeichnete er den Franzosen als seinen «Bruder im Geiste». Was er damit meinte, war früh ersichtlich. Der Pianist, nicht für Theatralik bekannt, trug die vier Werke mit grosser Hingabe vor. Einmal, bei den «Miroirs», erlaubte sich das Publikum in der Oberen Fabrik an einer Stelle sogar einen Zwischenapplaus, an der ihn die Etikette für klassische Konzerte nicht vorsieht.
Auch wenn die vorgetragenen Werke einen Zeitraum von gut einem Dutzend Jahren umfassen, so ist aus ihnen eine starke musikalische Entwicklung des Komponisten herauszuhören. Zu Beginn lehnt sich die «Sonatine» noch stark an die Klassik an; und bei den «Valses nobles et sentimentals», dem Hauptwerk des Abends, weist bereits der Titel auf Schubert hin.
Glenn Miller vor der Türe
Doch immer wieder tauchen moderne Themen auf. Klopfen da nicht bereits der Jazz und Glenn Miller an die Pforte? «Le Tombeau de Couperin» («Das Grabmal von Couperin»), mit dem der Abend ausklang, zeugt auf eine andere Art von dieser Spannweite. Das Stück bezieht sich im Namen wohl auf einen Barockkomponisten, ist aber reich an modernen Elementen. Es erlangt aber deshalb bittere Aktualität, weil Ravel jeden der sechs Sätze einem Freund gewidmet hat, der im Ersten Weltkrieg ums Leben gekommen ist.
Obschon es bei den inzwischen mehr als 50 Konzerten dieser Reihe eher die Ausnahme ist, dass ein einziger Künstler auftritt oder sich das Programm nur auf einen Komponisten beschränkt, so widmet sich auch das nächste ausschliesslich Franz Schubert. Tenor Daniel Behle und, wiederum, Adrian Oetiker tragen am 9. Mai in der Oberen Fabrik seine «schöne Müllerin» vor.
Sie beschliessen damit die erste Hälfte des diesjährigen Programms. Zehn Jahre lang beschränkte sich das Ehepaar Paola de Piante Vicin und Adrian Oetiker, getreu Vivaldi, auf vier auf die Jahreszeiten verteilte Konzerte pro Jahr. Inzwischen sind es sechs. Wobei: Am 12. Dezember steht eine «literarische Soiree» mit rätoromanischen Werken im Schloss Ebenrain auf dem Programm. Da wird die Musik für einmal die zweite Geige spielen.

