Glücklich auf der Geflügelfarm
03.07.2026 SissachBäuerinnen-Serie Teil 1: Sonya Leuenberger vom Hof Halde
Sie ist mehr KMU-Chefin als Bäuerin, liebt die berufliche Selbstständigkeit und findet Eier toll. Zum Ausgleich pflegt sie Hobbys und Geselligkeit. Sonya Leuenberger ist die pragmatische Vertreterin einer modernen ...
Bäuerinnen-Serie Teil 1: Sonya Leuenberger vom Hof Halde
Sie ist mehr KMU-Chefin als Bäuerin, liebt die berufliche Selbstständigkeit und findet Eier toll. Zum Ausgleich pflegt sie Hobbys und Geselligkeit. Sonya Leuenberger ist die pragmatische Vertreterin einer modernen landwirtschaftlichen Produktion.
Marianne Ingold
Das grosse Gebäude am Hang oberhalb von Ziefen fällt auf. Auf der Wiese davor sind mehrere Stoffdächer aufgespannt, vor dem Eingang steht ein Huhn aus Metall, und auf dem Vorplatz formen Pflastersteine die Buchstaben «LE EI». Diese stehen für «Leuenberger Ei». Auf dem Geflügelhof Halde, den Sonya Leuenberger (43) und ihr Mann Yves seit 11 Jahren bewirtschaften, leben 10 000 Hühner, die pro Tag durchschnittlich 9500 Eier legen.
Sie sei keine Landwirtin, sagt Sonya Leuenberger, sondern eine «Landfrau», die bei ihrem Mann, einem gelernten Landmaschinenmechaniker und Meisterlandwirt, angestellt sei. Für ihre Arbeit auf dem landwirtschaftlichen Betrieb habe sie alles, was sie brauche – nur kein offizielles Papier. Im Unterschied zu ihrem Mann wuchs die gelernte Pharma-Assistentin sogar auf einem Bauernhof auf: Ihre Eltern bewirtschafteten das Hofgut des Klosters Schönthal in Langenbruck.
Auch Sonya Leuenberger und ihr Mann wollten gemeinsam einen Landwirtschaftsbetrieb führen. «Ich finde das schön, weil man so als Familie viel mehr zusammen ist», sagt die Mutter von zwei Söhnen. Als ihr Mann dann aber eines Tages gesagt habe, in Ziefen werde eine Nachfolge für einen Geflügelhof gesucht, sei ihr erster Gedanke gewesen: «Bloss keine Hühner!» Denn auf dem elterlichen Hof habe sie die Hühner nicht so gemocht – ganz im Unterschied zu heute. Die Leuenbergers entschieden sich für das Angebot und Sonya Leuenberger absolvierte ein Weiterbildungsmodul in Geflügelhaltung.
Harmonische Zusammenarbeit
Im September 2015 übernahm das
Ehepaar die Eierfarm von den Vorbesitzern, die weiterhin im Wohnhaus nebenan leben. Die Leuenbergers wohnen unten im Dorf und fahren den Hügel hoch zur Arbeit. Die Aufgaben im Betrieb mit drei Angestellten teilt sich das Ehepaar auf. Sonya Leuenberger ist für Buchhaltung und Personal zuständig. Daneben pflegt sie Website und «Instagram»-Kanal, arbeitet im Stall sowie bei der Bereitstellung und Auslieferung der Eier mit, kocht und macht den Haushalt. Die Zusammenarbeit mit ihrem Mann sei sehr harmonisch, sagt sie. Bei der Stallarbeit am frühen Morgen und am Abend wechseln sie sich ebenso ab wie bei der Betreuung der Kinder: «Wenn ich auf Liefertour gehe, ist mein Mann da. Manchmal geht auch er heim zum Kochen und ich mache im Stall etwas fertig.»
Nach und nach erarbeitete sich das Ehepaar Leuenberger einen grossen Kundenstamm. Eine vertraglich zugesicherte Anzahl Eier geht an einen Grossverteiler. 60 Prozent der Produktion vermarkten die Leuenbergers direkt: an Bäckereien, Hotels, Läden und Private bis nach Basel und ins Fricktal. Vor fünf Jahren bauten sie einen neuen, zweiteiligen Stall mit je 2000 braunen und 3000 weissen Hennen, die entsprechend braune oder weisse Eier legen. Die Hühner beziehen die Leuenbergers von einem Aufzuchtbetrieb, der sie in Kisten anliefert, wenn sie 18 Wochen alt sind. Sonya Leuenberger gefällt die Arbeit mit den dankbaren und sozialen Tieren und besonders mit deren Produkt: «Ich finde Eier einfach toll.»
Moderner Freiland-Betrieb
Der Geflügelhof Halde ist ein Freiland-Betrieb, auf dem die Hühner jederzeit Zugang zu einem Wintergarten, einem gekiesten Schlechtwetterauslauf und Volieren haben. Bei schönem Wetter dürfen sie auf die Wiese mit den Sonnendächern.
Neugierige Alpakas, aus deren Wolle Mützen, Schals, Stirnbänder und Bettdecken hergestellt werden, beschützen sie vor Füchsen. In den alten Stall sei einmal ein Fuchs eingedrungen, erzählt Sonya Leuenberger. Mehr als 100 Hühner wurden verletzt und mussten getötet werden.
Ein Jahr lang legen Leuenbergers Hühner ihre Eier. Danach werden sie «ausgestallt», wie es in der Fachsprache heisst. «Wir stallen eine Stallhälfte nach Weihnachten und die andere im Juni aus, damit die Jungen jeweils vor Ostern und Weihnachten voll legen», erklärt Sonya Leuenberger. Ausstallen bedeutet für die Hühner den Tod. Sie werden in Kisten verpackt, geschlachtet und zu Geflügelprodukten verarbeitet oder in einem speziellen Container vergast, bevor sie in eine Biogasanlage kommen. Das sei hart, sagt Sonya Leuenberger, aber: «Alle wollen nur schöne Eier, niemand will ein schrumpeliges.» Nach einem Jahr entsprächen viele Eier nicht mehr dem verlangten Standard und die Produktion wäre nicht mehr wirtschaftlich.
Kurzes, aber schönes Leben
Immerhin erhielten ihre Hühner in der Zeit, in der sie bei ihnen seien, nur das Beste: «Wir schauen wirklich, dass es ihnen gut geht.» Es sei und bleibe aber Massentierhaltung: «Das ist einfach so», meint Leuenberger pragmatisch. Sie ist generell eine praktische Person, die gerne plant und organisiert: «Ich weiss gerne schon am Montag, was es am Freitag zum Zmittag gibt.»
Neben ihrer 7-Tage-Woche im Betrieb achtet Sonya Leuenberger auf Ausgleich: Um 18 Uhr ist Feierabend, einmal pro Monat nehmen sie und ihr Mann ein Wochenende frei, und am Dienstagabend spielt sie Trompete im Musikverein Lampenberg. «Danach gehe ich mit in die Beiz, wo es manchmal spät wird. Das braucht es einfach auch», meint sie, die zudem Mitglied des Ziefner Schulrats ist. Trotz der vielen Arbeit möchte sie nicht mehr zurück in eine Stelle mit festen Arbeitszeiten: «Ich will nichts anderes mehr.»



