Glück in Brighton
10.09.2026 Sport«Danke fürs Kommen!» Mit diesen Worten verabschiedet sich Lia Wälti, die Capitaine des Nationalteams, von uns. Wow! Aber der Reihe nach …
Schon lange hatte ich unserem Sechsjährigen versprochen: «Wir gehen an ein Fussballspiel in England.» Die ...
«Danke fürs Kommen!» Mit diesen Worten verabschiedet sich Lia Wälti, die Capitaine des Nationalteams, von uns. Wow! Aber der Reihe nach …
Schon lange hatte ich unserem Sechsjährigen versprochen: «Wir gehen an ein Fussballspiel in England.» Die Vorfreude war riesig, Jovin überliess nichts dem Zufall. Für ihn war klar: Ein Plakat musste her! Im Keller suchten wir nach einem Karton – gross genug, um im Stadion gesehen zu werden, klein genug fürs Reiseköfferchen.
Dazu die wichtige Frage: «Mama, was ziehen wir an, damit Lia und Géraldine uns erkennen?» Lia Wälti und Géraldine Reuteler; wir visierten die Begegnung der Vereine an, für welche die beiden spielen. Dass wir gleich zwei Nationalspielerinnen sehen würden, machte die Sache perfekt. Eine Freundin mit ausgewiesener Fussballexpertise riet zum Nationaltrikot. Wältis Brighton spiele schliesslich in Blau, Reutelers Arsenal auswärts vermutlich nicht im gewohnten Rot.
Wenn uns England punkto Professionalisierung auch um Meilen voraus ist, findet selbst dort nicht jedes Spiel in einem grossen Stadion statt. Also ging es mit Zug und Bus irgendwo in die Pampa; Abenteuer gehört dazu. Ich im Nati-Shirt, Jovin im Brighton-Outfit, am Vortag im Fanshop erstanden.
Wir waren viel zu früh dran. Zum Glück! Während wir über den Parkplatz schlenderten, fuhr plötzlich Lia Wälti vorbei. Sie winkte. Und kam tatsächlich zu uns! Vor dem Spiel habe sie nur kurz Zeit, aber für ein Foto reiche es. Herzklopfen. Es tröstete uns auch darüber hinweg, dass Géraldine Reuteler leider nicht in Arsenals Aufgebot stand.
«Gäll, Mama, eine Unterschrift auf meinem neuen Trikot wäre schon noch schön?», befand Jovin nach dem Spiel. Gut, dass wir wussten, wo Lias Auto stand. Und wieder kam sie von sich aus auf uns zu, plauderte und signierte unsere Shirts. Im Weggehen drehte sie sich noch mal um, winkte und sagte: «Danke fürs Kommen!» Und ich war genauso happy wie mein Sohn.
Was mir von dem wunderschönen Mutter-Sohn-Wochenende besonders bleibt: Wie stolz er auf Foto und Autogramm ist. Und mich macht stolz, dass es für unseren Kleinen völlig egal ist, ob die Unterschrift von Lia Wälti oder Manuel Akanji stammt. Für Jovin sind beide Fussballstars, Punkt. Eine solche Haltung wünschte ich mir auch von Erwachsenen – dass wir aufhören, Frauen- und Männerfussball zu vergleichen. Und mit derselben Selbstverständlichkeit wie der Sechsjährige einfach sagen: «Wow, was für eine Fussballerin.»
Danke, dass wir gekommen sind? Nein, Lia! Danke dir fürs Vorbildsein.
Vera Gmür
Vera Gmür (1985) ist Präsidentin Frauenfussball beim FVNWS. Die Ormalingerin spielte früher selber im Halbprofibereich, heute engagiert sie sich für die Entwicklung des Mädchen- und Frauenfussballs in der Region und spielt bei den Seniorinnen des SV Sissach.

