Glück im Alter ist kein Zufall
07.05.2026 OrmalingenPodium zu mentaler und körperlicher Gesundheit
svr. Im Zentrum Ergolz, dem Alters- und Pflegeheim in Ormalingen, diskutierten drei Fachleute vor rund 100 Besucherinnen und Besuchern über Glück und Gesundheit im Alter. Das Fazit des überaus ...
Podium zu mentaler und körperlicher Gesundheit
svr. Im Zentrum Ergolz, dem Alters- und Pflegeheim in Ormalingen, diskutierten drei Fachleute vor rund 100 Besucherinnen und Besuchern über Glück und Gesundheit im Alter. Das Fazit des überaus interessanten Abends: Wer im Alter Glücksmomente erleben will, muss aktiv dazu beitragen – vor allem durch soziale Verbindungen.
Im voll besetzten Saal diskutierten Dr. Manuela Adcock, Neuropsychologin und Speakerin bei Hirncoach AG, Dr. Dieter Leonhardt, Leitender Arzt mit Schwerpunkt Alterspsychiatrie bei der Psychiatrie Baselland, sowie Anja Schütz, Leiterin der Aktivierung im Zentrum Ergolz. Auch im hohen Alter – mit abnehmenden Kräften, zunehmenden Verlusten und wachsender Abhängigkeit – seien Glücksmomente möglich. Ob man sie findet, hänge von der eigenen Lebenseinstellung ab. «Wir müssen unser Hirn glücklich machen», brachte es Adcock auf den Punkt.
Unterschiedliches Empfinden
Soziale Interaktion, Bewegung und eine positive Grundhaltung standen im Zentrum des Abends. Moderator Michael Sokoll bezog das Publikum früh in Gespräche über persönliche Glücksmomente ein. Glück werde im Alltag sehr unterschiedlich empfunden, so Adcock: «Es ist die Interaktion zwischen uns Menschen, die es braucht, um glücklich zu altern. Wir brauchen einander. Das Hirn ist gemacht für ein Miteinander.» Deshalb seien Freundschaften und soziale Kontakte so wichtig – auch im beruflichen Umfeld. Die überbordende Nutzung von Smartphones hingegen sorge dafür, «dass wir uns voneinander weg entwickeln», sagte die Expertin.
«Man hat das Bild in der Gesellschaft, dass man im Altersheim mit so vielen Bewohnenden nicht vereinsamen kann», sagte Anja Schütz. «Dies stimmt so nicht. Ältere Menschen ziehen sich oft zurück, wenn sie nicht mehr gut hören oder sehen. Die Gespräche werden weniger – sie verstummen.»
Hörgeräte könnten nicht nur das Hören verbessern, sondern auch kognitivem Abbau und Demenz vorbeugen, weil Menschen so weiterhin am Leben teilnehmen. Im Zentrum Ergolz würden Glücksmomente gezielt durch Aktivitäten geschaffen. «Ein gemeinsamer Ausflug kann grosse Freude hervorrufen», so Schütz, «ebenso ein Tanz- oder Musiknachmittag. Auch Menschen im Rollstuhl können mittanzen. Wichtig ist, dass sie interaktiv teilnehmen. Unsere Kernaufgabe ist es, Isolation zu verhindern.»
Gemeinsame Momente sind wichtig
Im Alter verliere soziale Interaktion rasch an Bedeutung – mit Einsamkeit und Verlust von Lebensqualität als Folge. «Es ist wichtig, dass wir einander zuhören und uns Zeit füreinander nehmen», sagte Leonhardt. Die Umgebung präge den Menschen bereits von früher Kindheit an; deshalb sei es bedeutsam, Interaktion schon früh zu fördern.
Einig waren sich die Fachleute, dass KI-Gesprächspartner keine Lösung sind. «Unser Hirn realisiert sofort, dass mein Gegenüber kein Mensch ist», so Adcock. Das Gehirn lasse sich bis ins hohe Alter trainieren – als wichtige Prävention gegen kognitiven Abbau. «Die persönlichen Begegnungen bleiben auch in dieser Lebensphase für die Glücksmomente entscheidend», betonte Leonhardt.
Informationen zu weiteren Ergolz-Talks auf: www.zentrum-ergolz.ch
