Der Sommer zeigt die unterschiedlichen Seiten eines wärmer werdenden Klimas
Plötzlich war er da – mitten in der ersten Hitzewelle. Würdevoll gaukelte er über die Gemüsebeete und liess sich hier und da nieder. Der Segelfalter. Der grosse Schmetterling ...
Der Sommer zeigt die unterschiedlichen Seiten eines wärmer werdenden Klimas
Plötzlich war er da – mitten in der ersten Hitzewelle. Würdevoll gaukelte er über die Gemüsebeete und liess sich hier und da nieder. Der Segelfalter. Der grosse Schmetterling ähnelt dem Schwalbenschwanz. Typisch beim Segelfalter sind aber seine schwarz gestreiften Flügel mit den langen Flügelfortsätzen. Während ich den Schwalbenschwanz in den letzten Jahren immer häufiger beobachten konnte, war der Segelfalter in unserer Region beinahe ganz verschwunden, und ich habe noch nie vorher einen in natura gesehen.
Ich habe mich also sehr gefreut und war stolz auf den schmetterlingsfreundlichen Garten am Ebenrain, der den Segelfalter eingeladen hat zurückzukommen. Aber dann häuften sich die Sichtungen in meinem Bekanntenkreis. Überall tauchte der Segelfalter auf, auch an den unmöglichsten Orten wurde er gesehen. Meine Recherchen haben ergeben, dass der Falter es gerne heiss und trocken mag. Ist seine Rückkehr also doch kein so gutes Zeichen, sondern ein deutliches Symbol für den Klimawandel? Ja, bestimmt!
Der Segelfalter braucht neben Wärme und Trockenheit aber auch einen geeigneten Lebensraum mit einem guten Futterangebot. Ihm gefallen heisse, felsige Standorte mit Schlehen, Felsenkirschen und weiteren Prunus-Arten. Sie sind wichtige Futterpflanzen für die Raupen. Und für die ausgewachsenen Falter braucht es blütenreiche Trockenrasen oder Wegränder. Am liebsten mag der Segelfalter violette Blüten, wie zum Beispiel Disteln. Wir können ihm also einiges bieten im Garten.
Weniger erfreulich waren in diesem Sommer die Erdflöhe. Auch sie lieben es heiss und trocken. Scharenweise fielen die kleinen Käfer über unseren Kohl her und hinterliessen unzählige winzige Löcher in den Blättern. Ich habe vieles ausprobiert: mit engmaschigem Vlies abdecken – leider zu spät; den Boden feucht halten – diesen Sommer fast unmöglich. Auch Bestäuben mit Urgesteinsmehl und regelmässiges Hacken haben die Schädlinge nicht vertreiben können. Echte Linderung brachte schliesslich eine dicke Mulchschicht. Sie hält die Feuchtigkeit länger im Boden und schafft damit Bedingungen, die den Erdflöhen weniger behagen.
Aber nicht alle profitieren vom Klimawandel. Die Gartenarbeit wird anspruchsvoller. Lange Hitzeperioden und ausbleibender Regen setzen vielen Kulturen zu. Salat schiesst schneller, Radieschen werden scharf, Beeren vertrocknen und Setzlinge verbrennen unter der sengenden Sonne. Die Ernte dieses Jahr war sehr bescheiden.
Immerhin liessen uns die Schnecken während der grossen Hitze weitgehend in Ruhe. Allerdings haben sie nur gewartet auf den ersten Regen. Seither sind sie wieder unterwegs im Garten, als wären sie nie fortgewesen.
Meret Franke
Gartenkurse und Beratung: Meret Franke und Koni Gschwind, Ebenrain – Zentrum für Landwirtschaft, Natur und Ernährung. garten.ebenrain@bl.ch www.ebenrain.ch