Gesundheitsversorgung – gemeinsam statt in Silos
18.09.2026 PolitikTobias Pflugshaupt-Trösch, Gemeinderat Arisdorf, FDP
Was könnten wir erreichen, wenn wir die an verschiedenen Orten angestossenen Projekte gemeinsam weiterführen und miteinander verbinden würden? In Gemeinden, Organisationen, Institutionen und ...
Tobias Pflugshaupt-Trösch, Gemeinderat Arisdorf, FDP
Was könnten wir erreichen, wenn wir die an verschiedenen Orten angestossenen Projekte gemeinsam weiterführen und miteinander verbinden würden? In Gemeinden, Organisationen, Institutionen und Regionen bestehen bereits zahlreiche wertvolle Ansätze und Umsetzungen. Ich finde, wir sollten als Fachpersonen, Menschen mit Krankheiten, Angehörige und freiwillige Mitarbeitende Erfahrungen austauschen, voneinander lernen und gemeinsam tragfähige Lösungen für die Zukunft entwickeln.
Wie wäre es, wenn wir bei Problemen nicht zuerst fragen würden, wer zuständig ist, sondern wer die Aufgabe am besten erfüllen kann und wo Leistungen sinnvoll bezogen werden? Die Gesundheitsversorgung steht vor grossen Herausforderungen: Die Bevölkerung wird älter, die Ansprüche an Betreuung und Unterstützung steigen und der Wunsch nach einem unabhängigen und selbstbestimmten Leben bis zum Schluss nimmt zu. Gleichzeitig fehlen Fachpersonen, und die finanziellen Spielräume der öffentlichen Hand werden laufend enger. Gefragt sind Lösungen, die eine gute Qualität sichern und langfristig finanzierbar bleiben. Für mich ist klar: Wir müssen aus den Silos ausbrechen, Wissen und Erfahrungen teilen, Angebote aufeinander abstimmen und koordinieren sowie Verantwortlichkeiten sinnvoll verbinden. Viele Themen lassen sich nicht innerhalb einzelner Gemeinden, Regionen, Institutionen oder Berufsgruppen lösen, es braucht eine integrierte Versorgung.
Zusammenarbeit hilft, Ressourcen besser zu nutzen, Doppelspurigkeiten zu vermeiden und Fachpersonen gezielter ein- zusetzen. Wer alles selbst anbieten will, riskiert hohe Kosten und eine ungenügende Auslastung. Die Bevölkerung möchte eindeutige Ansprechpartner und klare Wege. Mit Kompetenzzentren lassen sich medizinische, pflegerische, soziale und betreuerische Fachbereiche zusammenführen und weiterentwickeln. Wenn Fachpersonen interprofessionell arbeiten mit verlässlichen Abläufen, entstehen passende Lösungen für komplexe Fragestellungen. Betroffene erhalten schneller Zugang zu spezialisiertem Wissen, ohne auf persönliche Unterstützung vor Ort verzichten zu müssen.
Es geht also nicht um Zentralisierung um jeden Preis. Basisdienstleistungen, kurze Wege und persönliche Ansprechpersonen vor Ort bleiben wichtig. Eine gute Gesundheitsversorgung verbindet regionale Nähe mit Spezialwissen. Moderne Strukturen und fachlicher Austausch machen Arbeitsplätze und die Region zudem für Fachpersonen attraktiver. Digitale Hilfsmittel und künstliche Intelligenz können bereits angestossene Projekte unterstützen, weil Informationen zugänglich, wiederkehrende Arbeiten erleichtert und der Austausch zwischen verschiedenen Stellen verbessert werden. Betroffene und Angehörige erhalten durch Online-Informationen eine erste Orientierung.
Die Technik ersetzt jedoch weder Verantwortung noch Empathie oder das persönliche Gespräch. Die menschliche Interaktion ist und bleibt unverzichtbar. Und nicht zu vergessen: Viele Freiwillige unterstützen im Alltag, ermöglichen soziale Kontakte und schliessen Lücken, die professionelle Angebote allein nicht abdecken können. Dieser Beitrag ist von unschätzbarem Wert, verdient Respekt und ist im wahrsten Sinne des Wortes unbezahlbar. Mein Wunsch für die Zukunft: Lassen Sie uns zusammen Besseres leisten, gemeinsam mit der öffentlichen Hand, die nur dort Verantwortung übernehmen soll, wo es unbedingt notwendig ist.
In der «Carte blanche» äussern sich Oberbaselbieter National- und Landratsmitglieder sowie Vertreterinnen und Vertreter der Gemeindebehörden zu einem selbst gewählten Thema.

