Geringe Chancen für Baselbieter Kandidatur
06.10.2026 SchweizGuy Parmelin wünscht sich eine Frau als Nachfolge im Bundesrat
Nach der Rücktrittsankündigung von Bundesrat Guy Parmelin vom Freitag dreht sich das Kandidatenkarussell. SVP-Kantonalpräsident Peter Riebli rechnet angesichts kaum vorhandener Chancen nicht mit einer ...
Guy Parmelin wünscht sich eine Frau als Nachfolge im Bundesrat
Nach der Rücktrittsankündigung von Bundesrat Guy Parmelin vom Freitag dreht sich das Kandidatenkarussell. SVP-Kantonalpräsident Peter Riebli rechnet angesichts kaum vorhandener Chancen nicht mit einer Kandidatur aus der Nordwestschweiz.
sep/sda. Er sei nicht auf der Suche nach möglichen Bewerbern für den Ende Jahr frei werdenden Bundesratssitz von Guy Parmelin, erklärt Peter Riebli. Der Präsident der SVP Baselland sagt auf Anfrage, allfällige Interessenbekundungen werde man dem Schweizer Parteisekretariat weiterreichen.
Bisher sei keine solche bei ihm eingetroffen. Er rechnet auch nicht wirklich damit, zumal eine Kandidatur aus der Nordwestschweiz für die Landesregierung angesichts des Stadtbasler Amtsinhabers Beat Jans praktisch als chancenlos gelten müsse. Im Moment ist die Partei auf Kantonsebene wohl auch stärker mit der bürgerlichen Nachfolge für Mitte-Regierungsrat Anton Lauber beschäftigt.
Parmelin: Generationenwechsel
Der abtretende Bundesrat Guy Parmelin selber hat sich in einem «CH Media»- Interview für einen Generationenwechsel bei seiner Nachfolge ausgesprochen. Mehreren als mögliche Nachfolgerinnen gehandelten SVP-Politikerinnen traue er das Amt zu. «Ich denke, es ist Zeit für einen Generationenwechsel», sagte Parmelin in dem gestern publizierten Gespräch. Er verwies auf die Genfer Nationalrätin Céline Amaudruz, die St. Galler Ständerätin Esther Friedli und die Zürcher Regierungsrätin Natalie Rickli, über die auch die Medien als mögliche Kandidatinnen berichteten. Sie alle haben bisher noch keine Position zu einer möglichen Kandidatur bezogen, während andere Persönlichkeiten aus dem inneren Kreis der Partei bereits abgewinkt haben. So will Unternehmerin Magdalena Martullo-Blocher nicht in den Bundesrat wechseln, und der Schwyzer Parteipräsident Marcel Dettling stellt den Abstimmungskampf um die Verträge mit der Europäischen Union über den Wahlkampf um einen Bundesratssitz. Als weitere Namen werden in den Medien etwa Fraktionschef Thomas Aeschi aus Zug und Nationalrat Franz Grüter aus Luzern genannt.
Die mediale Aufmerksamkeit liegt aber eindeutig auf den drei potenziellen Kandidatinnen, die zwischen 47 und 49 Jahre alt sind und damit rund 20 Jahre jünger als Guy Parmelin. Dieser sagt deshalb: «Das ist eine andere Generation. Aber auch sie hat Erfahrung und macht Politik.» Er stört sich daran, dass bei möglichen Kandidatinnen noch immer Vorurteile bestünden. Fragen wie «Wer kümmert sich um die Kinder?» seien Ausdruck eines «alten, sehr konservativen Denkens». Man sehe längst, was Frauen erreichen könnten, wenn man sie machen lasse. Man müsse die Leute zunächst anfangen lassen und danach ihre Arbeit beurteilen, sagte Parmelin. «Das Amt ist intensiv, es hat Höhen und Tiefen, und man braucht gute Leute um sich, weil man nicht alles allein machen kann.» Er habe Vertrauen, dass diese Politikerinnen «ihre Prüfungen bestehen werden».
Was die drei genannten Frauen angeht, dürften die Chancen der Ehefrau von alt Nationalrat Toni Brunner, Esther Friedli, deshalb eher gering sein, weil sie den Kanton St. Gallen vertritt, den Kanton der amtierenden Finanzministerin Karin Keller-Sutter. Die frühere Nationalrätin Natalie Rickli dagegen verfügt inzwischen als Zürcher Regierungsrätin über viel Exekutiverfahrung, ist aber in den vergangenen Jahren auf nationaler Ebene nicht mehr stark sichtbar gewesen.
Amaudruz auf Spitzenposition
Als aussichtsreichste mögliche neue Bundesrätin gilt im Moment die Genfer SVP-Nationalrätin Céline Amaudruz (47). Sie nimmt sich Zeit, um über eine mögliche Kandidatur nachzudenken. Sie will zunächst ihren Ehemann, ihren Arbeitgeber sowie ihren Parteivorsitzenden konsultieren – «das ist eine Frage von wenigen Tagen». Die Fristen seien knapp, fügt Amaudruz hinzu. «Wir müssen also in aller Ruhe und mit der gebotenen Sorgfalt darüber nachdenken, aber ohne Eile.»
