Gemütliches Spiel statt verbissene Duelle
26.03.2026 SissachGelassenheit im Interesse der Jugend
Der Schachsport hat es im Oberbaselbiet nicht leicht: Kleine Vereine kämpfen um Mitglieder, besonders um Nachwuchs. Der Schachclub Sissach setzt deshalb bewusst auf eine lockere Atmosphäre statt verbissene Wettkämpfe in der Hoffnung, ...
Gelassenheit im Interesse der Jugend
Der Schachsport hat es im Oberbaselbiet nicht leicht: Kleine Vereine kämpfen um Mitglieder, besonders um Nachwuchs. Der Schachclub Sissach setzt deshalb bewusst auf eine lockere Atmosphäre statt verbissene Wettkämpfe in der Hoffnung, Jugendliche langfristig für das königliche Spiel zu begeistern.
Timo Wüthrich
Bobby Fischer, Garri Kasparow oder Magnus Carlsen: Namen, die viele schon einmal gelesen oder gehört haben, aber nicht immer richtig zugeordnet können. «Kasparow ist einigen wahrscheinlich eher als russischer Oppositioneller bekannt denn als Schachspieler», sagt André Brunner, Präsident des Schachclubs Sissach, im Gespräch mit der «Volksstimme».
Dass diese drei Schachspieler in der Region weniger bekannt sind als die erfolgreichsten Fussballer oder Skifahrerinnen, verdeutlicht ein zentrales Problem der Sportart: die fehlende Strahlkraft. Vereine müssen um jedes Mitglied kämpfen, wobei die Nachwuchsarbeit eine entscheidende Rolle spielt. «Im Januar konnten wir an der Generalversammlung gleich elf Neueintritte verzeichnen, darunter auch Junioren. Nun zählen wir neunzehn Vollmitglieder», so Brunner.
Gleich elf neue Mitglieder: für den Sissacher Schachclub könnte es deutlich schlechter aussehen. Doch eine genauere Betrachtung relativiert das Bild: Die letzte Mitgliederversammlung vor derjenigen im Januar fand noch vor Ausbruch der Corona-Pandemie statt. Die elf Zugänge nahmen bereits seit Jahren an den Aktivitäten des Klubs teil. Das leicht gestiegene Interesse führt der Präsident vor allem auf das ungezwungene Klima zurück: «Zum einen versuchen wir gezielt, Schach in entspannter Atmosphäre zu betreiben. Verbissene, rein wettkampforientierte Duelle sind bei uns fehl am Platz. So versuchen wir, den Kindern und Jugendlichen den Spass nicht zu nehmen.»
Für den Vorstand ist es wichtig, bei der Suche nach neuen Mitgliedern die positiven Seiten des Sports hervorzuheben: «Schach macht Spass, da eine hohe Konzentrationsfähigkeit gefragt ist. Dies kann insbesondere Heranwachsenden in der Schule oder auch später im Beruf zugutekommen. Gleichzeitig fördert unser Sport auch das systematische Vorgehen. Auch von dieser Fähigkeit können Spieler abseits des Bretts profitieren», betont der Vereinsvorsitzende.
Schwieriger Stand
Gezielt haben Vereinsvertreter in der Vergangenheit versucht, Jugendliche mit Schulbesuchen oder Aushängen für den Schachsport zu begeistern. Schützenhilfe kommt dabei von unerwarteter Seite: «Einige haben erwähnt, dass Online-Schachplattformen, die in den vergangenen Jahren stark gewachsen sind, das Interesse an der Sportart wecken», vermutet der Klubpräsident. Gegenwärtig sind sieben der neunzehn Mitglieder Jugendliche. Problematisch wird es, wenn der Nachwuchs volljährig wird: Ausbildung, Militär oder veränderte Interessen führen häufig zum Austritt. «Es fehlt eine ganze Generation zwischen dem Nachwuchs und den Erwachsenen. Mit über 50 bin ich der jüngste Erwachsene. Den Nachwuchs langfristig zu halten, ist entscheidend», erklärt Brunner.
Nicht nur in der Altersstruktur, sondern auch in der Geschlechterverteilung sieht der Funktionär Verbesserungspotenzial. Gegenwärtig sind alle neunzehn Mitglieder männlich. Der Schachsport ist eine Männerdomäne. Bei Turnieren oder im nationalen Verband seien Frauen deutlich in der Minderheit, so der Klubpräsident. Einen konkreten Grund dafür könne er nicht nennen. «Natürlich würden wir uns freuen, wenn auch Frauen zu uns kämen», wirbt der Funktionär.
Zweite Stärkeklasse
Obschon sich der Sissacher Schachclub mittelfristig keine existenziellen Sorgen machen muss, hat die Sportart im Oberbaselbiet einen schweren Stand. Im Waldenburgertal und Gelterkinden lösten sich die beiden bestehenden Klubs auf, auch der nationale Verband sieht sich mit sinkenden Mitgliederzahlen konfrontiert. Brunner betont, dass Kontinuität wichtig sei: «Jeden Freitag findet der Vereinsabend statt. Mindestens eine Person muss immer vor Ort sein, damit klar ist: Es wird Schach gespielt». Zum gemeinsamen Spiel sind jeweils etwa vier bis acht Personen anwesend. «Früher kam es vor, dass nur eine Person erschien – um dann festzustellen, dass sonst niemand da ist», so der Präsident. Gespielt wird in einer Räumlichkeit im «Cheesmeyer», direkt neben Brunners Büro, wo er als Anwalt tätig ist.
Sofern genügend Spieler an einem Vereinsabend erscheinen, messen sich die Anwesenden frei nach Lust und Laune – einige wollen mit Zeitmessung spielen, andere ohne. Häufig werden kurze Formate wie Blitzschach gespielt, bei dem eine Partie einige Minuten dauert. Duelle im klassischen, mehrstündigen Format werden nicht ausgetragen. Drei Mitglieder nehmen dennoch gelegentlich an Turnieren teil. Dafür spannt der Sissacher Schachclub allerdings mit dem Liestaler Pendant zusammen.
Für die Zukunft des Klubs soll eine zweite Stärkeklasse eingeführt werden. «Wenn Neuzugänge auf Spieler mit jahrzehntelanger Erfahrung treffen, kann die Freude schnell schwinden», so Brunner. «Eine mittlere Generation, also Spieler in ihren Zwanzigern oder Dreissigern, könnte diese Lücke schliessen und auch den Nachwuchs besser integrieren.»

