Gemeinde soll Tafelsilber verkaufen
13.03.2026 BöcktenGemeinderat will Baugrundstücke umzonen und zu Geld machen
Gemeindeeigenes Land von der Zone für öffentliche Werke und Anlagen in die Wohnzone übertragen und zu einem möglichst guten Preis verkaufen: So will Böckten seinen Bilanzfehlbetrag ausgleichen.
...Gemeinderat will Baugrundstücke umzonen und zu Geld machen
Gemeindeeigenes Land von der Zone für öffentliche Werke und Anlagen in die Wohnzone übertragen und zu einem möglichst guten Preis verkaufen: So will Böckten seinen Bilanzfehlbetrag ausgleichen.
Christian Horisberger
Die Gemeinde Böckten weist seit dem Rechnungsabschluss 2024 einen Bilanzfehlbetrag in der Grössenordnung von 320 000 Franken aus. Von Gesetzes wegen muss dieser innert fünf Jahren ausgeglichen werden. Mit einer markanten Erhöhung des Steuerfusses um 5 auf 64 Prozent der Staatssteuer haben die Einwohnerinnen und Einwohner die Basis gelegt, um wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen: Das Budget fürs aktuelle Jahr sieht bei Ausgaben von 4,65 Millionen einen Gewinn von immerhin 74 000 Franken vor.
Als weitere Massnahme zur Reduktion des Bilanzfehlbetrags will der Gemeinderat zwei erschlossene Grundstücke an attraktiver Wohnlage in einem Einfamilienhaus-Quartier verkaufen. Dabei handelt es sich um die Parzelle 171 an der Unteren Limbergstrasse mit einer Fläche von 1183 Quadratmetern und die 1429 Quadratmeter grosse Parzelle 713 am Tiergartenweg.
Auf der steil abfallenden Parzelle 171 befindet sich ein Reservoir, das in Betrieb steht, wie Gemeindeverwalterin Tanja Wenger auf Anfrage der «Volksstimme» erklärt. Daher wolle der Gemeinderat lediglich einen Teil dieses Grundstücks veräussern.
Vollständig verkauft werden soll hingegen die Parzelle 713, die sich ebenfalls hinter dem Bahndamm befindet. Auf diesem Grundstück befindet sich ein zu Lärmschutzzwecken errichteter Erdwall. Dank dessen konnte ein wesentlicher Teil des Gebiets Golchen bebaut werden, als es unmittelbar an der Bahnlinie noch keinen Lärmschutz gab. Inzwischen haben die SBB neben den Schienen lärmdämmende Wände erstellt, womit für den Böckter Lärmschutzwall keine Notwendigkeit mehr besteht.
Beide Grundstücke befinden sich aktuell in der Zone für öffentliche Werke und Anlagen (OeWA). Voraussetzung für einen Verkauf sei eine Umzonung in die Wohnzone 1, analog zu den umliegenden Parzellen, schreibt der Gemeinderat in den Erläuterungen zur Gemeindeversammlung vom 23. März. Deshalb müssen die Stimmberechtigten in einem ersten Schritt dieser Umzonung zustimmen, bevor ein Verkauf erfolgen kann.
Zum Quadratmeterpreis und zum erwarteten Erlös macht der Gemeinderat in den Erläuterungen keine Angaben und auch die Verwalterin kann dazu nichts Näheres sagen. Nach den Zahlen des Statistischen Amtes Baselland wurde der Quadratmeter Bauland von 2021 bis 2024 im Durchschnitt für rund 670 Franken gehandelt, der Höchstpreis lag bei 800 Franken.
Landkauf für Schule
Während der Gemeinderat den Weg für einen Landverkauf ebnet, um das Bilanzdefizit auszugleichen, beabsichtigt er gleichzeitig, zwei Grundstücke zu erwerben. Konkret beantragt er einen Kredit von insgesamt 1,19 Millionen Franken für den Kauf der Parzellen 65 und 644. Das mit einem Wohnhaus bebaute, 499 Quadratmeter grosse Grundstück neben dem Schulhaus (Parzelle 65) hat einen Preis von 710 000 Franken. Das zweite Grundstück mit 659 Quadratmetern ist unbebaut und soll 480 000 Franken kosten.
Der Kauf von nur einer der beiden Parzellen ist keine Option, da die Eigentümer sie gemäss Gemeinderat nur als Paket verkaufen würden. Jedoch sei das «dafür erforderliche Darlehen realisierbar» und die Finanzierung könne durch die Mieteinnahmen der Liegenschaft auf Parzelle Nr. 65 gedeckt werden, heisst es weiter.
Als Grund für die Grundstückskäufe gibt der Gemeinderat an, dadurch Flexibilität für die Schulraumplanung zu gewinnen. «Mit der Schule müssen wir etwas machen», ergänzt Gemeindeverwalterin Tanja Wenger. Einerseits sei das Schulhaus an der Schulgasse 3 sanierungsbedürftig, andererseits fehle es je nach Jahrgangsstärke an genügend Schulraum, um die Vorgaben des Kantons erfüllen zu können. Hinzu komme, dass die Böckter Schülerinnen und Kindergärtler aktuell auf drei Standorte verteilt seien. «Flexibilität» könne daher vieles bedeuten, so Wenger: ein weiterer Anbau ans Schulhaus, eine Konzentration an einem Ort, Platz für «Container», oder anderes.

