Gemeinde könnte um 20 Prozent wachsen
29.10.2026 TittertenAm Schulweg steht eine Grossüberbauung vor der Türe
Eine in Titterten geplante Überbauung mit 40 Wohnungen könnte bis zu 100 zusätzliche Bewohnerinnen und Bewohner für das 436-Seelen-Dorf bedeuten. Das Projekt könnte das Leben im Dorf nachhaltig ...
Am Schulweg steht eine Grossüberbauung vor der Türe
Eine in Titterten geplante Überbauung mit 40 Wohnungen könnte bis zu 100 zusätzliche Bewohnerinnen und Bewohner für das 436-Seelen-Dorf bedeuten. Das Projekt könnte das Leben im Dorf nachhaltig verändern.
Elmar Gächter
Wenn rund 80 Besucherinnen und Besucher den Gemeindesaal bis auf den letzten Platz füllen, muss es sich um einen besonderen Anlass handeln. Und tatsächlich: Das 436-Seelen-Dorf Titterten könnte bevölkerungsmässig auf einen Schlag um rund 20 Prozent wachsen. Eine private Eigentümerschaft plant in der Nähe des Sportplatzes am Dorfausgang Richtung Reigoldswil eine Überbauung mit 40 Wohnungen. Je nach Haushaltsgrösse sollen dort künftig bis zu 100 Menschen wohnen. Das Projekt umfasst auf einer Fläche von rund 5700 Quadratmetern vier Gebäudepaare.
An einer Informationsveranstaltung stellten die Projektverantwortlichen diese Woche das Vorhaben vor. Sie betonten, dass in Titterten ein grosses Bedürfnis nach zusätzlichem und bezahlbarem Wohnraum bestehe. In einer regen Diskussion bezeichneten Teilnehmende das Projekt als Chance für die notwendige Entwicklung der Gemeinde. Andere befürchteten, dass die Überbauung das Dorfbild und das Leben in Titterten grundlegend verändern könnte.
Ronald Schütz präsentierte als Projektleiter das Vorhaben, das von der ZP Group AG mit Sitz in Flamatt als General- und Totalunternehmerin realisiert werden soll. Das Projekt wurde vom Architekturbüro Virtuelle Welt GmbH erarbeitet. Vorgesehen sind 16 Wohnungen mit 2,5 Zimmern, die sich vor allem an Singles und Seniorinnen und Senioren richten. Die 16 Wohnungen mit 4,5 Zimmern sollen insbesondere Familien ansprechen. Mit acht 3,5-Zimmer-Wohnungen will die Bauherrschaft Paare und Familien gewinnen.
Zum Kauf und zur Miete
Ein besonderes Anliegen sei es, bezahlbaren Wohnraum anzubieten, betonte Marco Schweizer als Vertreter der Eigentümerschaft. «Wir haben vor, die Preise so zu gestalten, dass es für viele Interessenten machbar ist und nicht nur für einzelne Wenige.» Je nach Ausbaustandard liege der Quadratmeterpreis zwischen 6500 und 7700 Franken. Damit bewege man sich laut Schütz unter dem Marktniveau.
Die Kaufpreise reichen je nach gewähltem Standard von 435 000 Franken für eine 2,5-Zimmer-Wohnung bis zu 910 000 Franken für eine 4,5-Zimmer-Wohnung. Ein Einstellhallenplatz kann für zusätzlich 30 000 Franken erworben werden. Rund die Hälfte der Wohnungen übernehmen und vermieten die Grundstückeigentümer. Die andere Hälfte wird als Stockwerkeigentum zum Kauf angeboten.
Viele Besucher der Informationsveranstaltung zeigten sich von den Dimensionen des Projekts überrascht. Ein Einwohner zog einen Vergleich mit der Stadt Basel: «Bezogen auf die dortige Bevölkerungszahl würde Basel mit einem Schlag um 50 000 Bewohnerinnen und Bewohner wachsen.» Andere betonten, dass die Zukunft des Dorfs nur mit einer gewissen Bevölkerungszunahme gesichert werden könne.
Eine kritische Stimme gab zu bedenken, dass ein Teil der Überbauung während der Wintermonate im Schatten liegen dürfte. Andere fragten sich, welche Auswirkungen der grosse Bevölkerungszuwachs auf die Kosten der Schule und die Steuererträge haben werde. Die Schulklassen in Titterten seien eher zu klein als zu gross, und zusätzliche Einwohnerinnen und Einwohner könnten zu einem höheren Finanzausgleich beitragen, hielt eine Besucherin fest und meinte: «Jetzt haben wir die Möglichkeit, für Titterten etwas Positives zu machen.»
Auch die zusätzliche Wasserversorgung kam zur Sprache. Seit diesem trockenen Sommer ist dieses Thema in Titterten besonders präsent. Gemeinderat Remo Frey erklärte, dass in Titterten genügend Trinkwasser zur Verfügung stehe, auch dank der Möglichkeit, Wasser aus Reigoldswil zu beziehen.
Debatte um Parkplätze
Für eine längere Debatte sorgte die Parkplatzsituation. Die geplante Einstellhalle bietet 42 Plätze. Dazu kommen sechs Besucher- und zwei Behindertenparkplätze. Eine Einwohnerin bezweifelte, dass dieses Angebot ausreichen werde. Da viele der neuen Bewohner auswärts arbeiten würden und deshalb auf zwei Autos angewiesen seien, drohe ein zusätzlicher Parkierungsdruck. Zudem, so ein weiterer Besucher, sei damit zu rechnen, dass bei einem Engpass öffentlicher Grund als Ausweichmöglichkeit beansprucht werde. Projektleiter Schütz kündigte an, die Parksituation nochmals zu überprüfen.
Marco Schweizer zeigte sich überzeugt, mit dem Projekt insbesondere auch jüngeren Menschen eine bezahlbare Wohnmöglichkeit in Titterten bieten zu können. Bereits mehr als ein Dutzend Interessierte hätten sich bei ihm gemeldet. Laut Ronald Schütz rechnet die Bauherrschaft mit einem Baubeginn im kommenden Frühling. Das Baugesuch befindet sich beim Bauinspektorat in Prüfung. Die Bauzeit soll maximal zwei Jahre betragen.

