Gelebte Inklusion
10.07.2026Perfektes Wetter, tolle Stimmung und ansteckende Energie. Bereit für den Startschuss: Donghua Li, Manuela Schär, Franziska Roth, Philipp Handler und weitere bekannte Persönlichkeiten traten in Gruppen gegeneinander im Sprint an. Die Teams gemischt – mit oder ohne Behinderung. ...
Perfektes Wetter, tolle Stimmung und ansteckende Energie. Bereit für den Startschuss: Donghua Li, Manuela Schär, Franziska Roth, Philipp Handler und weitere bekannte Persönlichkeiten traten in Gruppen gegeneinander im Sprint an. Die Teams gemischt – mit oder ohne Behinderung. Die Voraussetzungen innerhalb der Gruppen hätten kaum unterschiedlicher sein können. Und trotzdem, oder gerade deshalb, hätte dieser Wettkampf nicht spannender sein können. Ein Bild, das wir noch viel zu selten sehen.
Zum 64. Mal fand am Sonntag der PluSport-Behinderten-Sporttag in Magglingen statt. Bewegung, Begegnung und gelebte Inklusion standen im Mittelpunkt. Mehr als 1000 Sportlerinnen und Sportler waren vor Ort. Dazu kamen 450 freiwillige Helfer sowie weitere Besucher. Es war ein unvergesslicher Tag voller Sport. Mehr als 20 Regelsportverbände und Organisationen boten Workshops an und machten die Vielfalt des inklusiven Sports hautnah erlebbar.
Ich durfte eine Gruppe über das Gelände führen. Mit dabei hatten wir Sensibilisierungsmaterial wie einen Rollstuhl, Blindenmasken und Blindenstock. So konnte die Gruppe Erfahrungen sammeln, sei es mit einer Einschränkung oder aus der Perspektive eines Guides. Es entstanden spannende Gespräche und Fragen. Manche konnten wir beantworten, andere bewusst offenlassen, denn auf einige Fragen gibt es keine perfekte Antwort. Bedürfnisse bleiben individuell. Sport verbindet Menschen, unabhängig von ihren Voraussetzungen. Dafür braucht es lediglich etwas Kreativität. Ich selbst muss mich jedoch immer wieder an der eigenen Nase nehmen. Manchmal ist auch meine Denkweise zu begrenzt. Zu häufig versuche ich beispielsweise, meine Behinderung zu kompensieren. Dabei ist genau das etwas, was ich niemandem wünsche, das Gefühl, etwas ausgleichen zu müssen.
Natürlich gibt es Situationen, in denen Separation oder auch Integration sinnvoll sein können. Doch viel zu oft geben wir der Inklusion selbst keine echte Chance. Vielleicht aus Unsicherheit oder aus Angst, etwas falsch zu machen. Ich muss gerade schmunzeln. Als Kinder haben wir uns über solche Dinge nicht wirklich Gedanken gemacht. Wir waren einfach Kinder. Voraussetzungen oder sonstige Unterschiede standen nicht im Fokus, wir waren lediglich eine Gruppe Kinder. Genau diese schöne Haltung dürfen wir uns abschauen.
Dafür brauchen wir Offenheit und ein wenig Mut, diesen Schritt zu gehen. Veränderung ist selten bequem. Aber ohne Veränderung bleiben wir stehen. Und wer möchte schon stehen bleiben? Ich jedenfalls nicht. Gelebte Inklusion ergibt Sinn und macht sogar Spass.
Romy Tschopp
Vom Rollstuhl aufs Snowboard: Die Sissacherin Romy Tschopp (1993) ist die erste Schweizer Para-Snowboarderin, die an Paralympischen Spielen teilnehmen konnte. Sie wurde 2023 Vizeweltmeisterin im Snowboardcross.

