Gelassener und gereift
06.10.2026 LampenbergSängerin Michèle Bircher mit neuer musikalischer Ausrichtung
Am 17. Oktober steht Michèle Bircher alias «Elle» mit dem Amerikaner Karl Frierson im «Elefantehuus» in Liestal auf der Bühne. Die beiden präsentieren Soul-Klassiker und eigene Songs. ...
Sängerin Michèle Bircher mit neuer musikalischer Ausrichtung
Am 17. Oktober steht Michèle Bircher alias «Elle» mit dem Amerikaner Karl Frierson im «Elefantehuus» in Liestal auf der Bühne. Die beiden präsentieren Soul-Klassiker und eigene Songs. Der gemeinsame Abend passt damit zur heutigen musikalischen Ausrichtung der Sängerin.
Wendy Maltet
Gut gelaunt und erholt aus den Ferien auf Sardinien erscheint Michèle Bircher zum Gespräch mit der «Volksstimme». Musikalisch ist es ruhiger geworden um die Sängerin. Seit rund einem Jahr ist sie ohne Management unterwegs. Für sie bedeutet das, vieles selbst organisieren und vereinbaren zu müssen. Das liege ihr nicht so, gibt sie offen zu.
Trotz ruhiger Phase sei es noch immer ihr Ziel, einmal ausschliesslich von der Musik leben zu können. Um möglichst unkompliziert daran arbeiten zu können, hat sie sich in Lampenberg ein Homestudio eingerichtet. Sie ist nebenbei zu 50 Prozent als Fitnessinstruktorin in der Region tätig und kann so ihre verschiedenen Tätigkeiten gut verbinden.
In ihrem Studio hat sie alles, was sie braucht, und kann mit verschiedenen Programmen eigenständig an ihrer Musik arbeiten. Von KI-Tools halte sie sich bis jetzt fern. Die machten ihr ein bisschen Angst, räumt sie ein, obwohl damit mittlerweile sehr gute Ergebnisse erzielt werden könnten. Für offizielle Aufnahmen gehe sie jedoch immer in ein Studio, in dem ein Produzent anwesend ist. Dort habe sie mehr Möglichkeiten und die nötige Unterstützung eines Produzenten und oft auch einer Songwriterin.
Mehr eigener Stil
Falls alles gut kommt, dürfen ihre Fans noch dieses Jahr mit einer Single rechnen: einer winterlichen Powerballade.
Zum ersten Mal wagt sie dabei etwas Neues: Der Song wird bilingual auf Englisch und Italienisch sein. Entstanden ist er während des ESC-Camps im Jahr 2023, also bereits vor einer Weile. Als Halbitalienerin fühlt sie sich mit der Sprache verbunden. Es sei eine rein persönliche Entscheidung gewesen, und sie wolle einmal schauen, wie der Song ankomme.
Die Gelassenheit, mit der sie ihrer Musik entgegentritt, sei eine ihrer grössten Wandlungen. Dazu komme ein gereifter Blick. «Ich bin schon über die Hälfte meines Lebens im Musikbusiness, durfte und musste viel erleben. Heute schaue ich realistischer auf das Ganze, sehe weniger rosarot und dafür auch den Arbeitsaufwand, der hinter einer Produktion oder einem Auftritt steckt.»
Das ruhige vergangene Jahr habe sie auch zum Reflektieren nutzen können. «Ich möchte mir selbst treu bleiben, mich nicht verlieren oder verbiegen, um kommerziellen Erfolg zu haben.» Rückblickend würden nicht alle ihre Songs zu 100 Prozent ihr entsprechen. «Run» habe sie beispielsweise nur ein einziges Mal live performt. Der poppige Stil entsprach ihr schlicht nicht.
Insbesondere die Songs «Enemy» und «Freedom» würden ihren bevorzugten Stil widerspiegeln. «Ich bin eher soulig und mag es, wenn ein Song unvorhersehbar ist. Ich provoziere gerne.» Im Pop sei dafür weniger Platz. Auch auf Social Media zeigt sie wenig von sich und hechtet bewusst nicht den Trends hinterher. Sie wisse kaum, was gerade angesagt sei. Da an ihrem Arbeitsplatz permanent das Radio an sei, bekomme aber auch sie gewisse aktuelle Hits mit. «Du bist gut genuuuug», stimmt sie scherzend ein.
«Mir wurden viele Dinge geraten: Schneide deine Haare und färbe sie blau, singe keine Covers mehr und so weiter. Aber schlussendlich möchte ich einfach authentische Musik machen und Songs performen, die mir Spass machen. Ob ich dabei als ‹Elle› auf der Bühne stehe oder Covers singe, spielt dabei eine weniger grosse Rolle.»
Auf der Bühne zu Hause
Die Bühne ist nach wie vor Birchers Zuhause. «Im Studio muss es jeweils stockdunkel sein, damit ich richtig singen kann.» In einem kleinen Raum mit vier Wänden alles herauszulassen, sei für sie schwierig. «Einmal war es mir nicht dunkel genug, also habe ich noch eine Sonnenbrille aufgesetzt», erinnert sie sich schmunzelnd: «Wie eine richtige Diva.»
Umso mehr freut sie sich auf das kommende Konzert am Samstag, 17. Oktober. Gemeinsam mit dem amerikanischen Sänger und Songwriter Karl Frierson wird sie unter dem Titel «Soul Power» auftreten. Die beiden kennen sich von bisherigen Auftritten. «Wir haben auf Anhieb harmoniert.» Sie war es dann auch, die auf ihn zuging, um die gemeinsame Show auf die Beine zu stellen.
Das Publikum erwartet viel gute Stimmung. «Wir werden viele klassische Soulhits performen und uns jeweils mit einem eigenen Song vorstellen.» Der Titel des Abends entspreche voll und ganz dem Programm.

