Geht jetzt ein Ruck durch das Team?
27.02.2026 Sport, EishockeySWHLB: ZS trifft in den Viertelfinals auf den DHC Lyss
Zwischen dem Meistertitel der vergangenen und dem Play-off-Start der aktuellen Saison liegen ziemlich genau zwölf Monate. Ist das aktuelle ZS-Ladies-Team bereit für einen erneuten Exploit? Die wahrscheinlichste Antwort: ...
SWHLB: ZS trifft in den Viertelfinals auf den DHC Lyss
Zwischen dem Meistertitel der vergangenen und dem Play-off-Start der aktuellen Saison liegen ziemlich genau zwölf Monate. Ist das aktuelle ZS-Ladies-Team bereit für einen erneuten Exploit? Die wahrscheinlichste Antwort: Leider nein.
Daniel Monnin
Erinnern wir uns: Vor gut einem Jahr waren die ZS-Ladies in den Play-off-Viertelfinals nach dem Fehlstart zu Hause gegen Bassersdorf «auf einer Mission»: Sieben Siege reihten sie aneinander, vier davon mit nur einem Tor Unterschied, am Ende hoben sie den Meisterpokal der Swiss Women’s Hockey League B in die Höhe. Eine fast unglaubliche Geschichte, die aber wohl einmalig bleiben wird.
Die Unterschiede zwischen der Meistersaison und der aktuellen sind zu gross und zu vielfältig, als dass man auch mit viel Optimismus an eine Wiederholung des letztjährigen Exploits glauben könnte. Diese Meinung teilt Flavio Costeggioli, der langjährige Mitstreiter und nun erneut Frauen-Verantwortliche. Das heutige Team sei mit demjenigen von vor einem Jahr kaum zu vergleichen, meint er.
Warum? Der Grund aller Gründe liegt wohl in der Besetzung: Das aktuelle Kader ist weder spielerisch noch kämpferisch mit dem Meisterteam zu vergleichen. Die Top-Spielerinnen der vergangenen Saison haben den Club verlassen (Kristina Faberova, Livia Tschannen). In der Defensive hinterliessen Patrycja Wojcik (zurück nach Polen), Mayla Uiker (GCK Lions) und Léa Péclard (Übersee) grosse Lücken. Zudem blieben zu viele Leistungsträgerinnen der vergangenen Saison in ihrem Outcome (Tore, Assists) weit hinter den Erwartungen zurück. Keine der 24 eingesetzten Spielerinnen hat die Skorerwerte von Faberova (1,53 Punkte pro Spiel) und Tschannen (1,71 Punkte pro Spiel) auch nur annähernd erreicht. Bailey Kehl als Topskorerin liegt bei einem Punkteschnitt von 0,76, 20 Spielerinnen liegen unter der 0,5-Punkte-Grenze.
Kein freiwilliger Abstieg
Ein weiterer Grund liegt wohl in der Zusammensetzung des Teams. Die Freiburger Verstärkungsspielerinnen sind mit Ausnahme von Vanessa Bärtschi alle französischsprachig und damit in der Mentalität verschieden von den Deutschschweizerinnen. Ihre Integration entpuppte sich als schwierig. Womit wir bei einem weiteren Kernpunkt der missratenen Qualifikation angelangt sind: der Diskrepanz in der Zieldefinierung und der Leistungsbereitschaft des Teams und des Trainers.
Roger Rensch, der Meistertrainer, vier Runden vor Schluss entlassen, hatte seine Ziele zu ambitioniert, zu hoch für einen grossen Teil des Teams angesetzt. Die Meinungen dazu seien weit auseinandergeklafft, sagt Flavio Costeggioli, und dies habe wohl im Endeffekt zur Trainerentlassung geführt. Wobei er anfügt, «dass die Trennung vier Runden vor Schluss nichts gebracht hat. Das Team spielt seither nicht besser.»
Eines jedoch sei vom Tisch, unterstreicht Flavio Costeggioli, der kolportierte freiwillige Abstieg in die SWHLC. «Das war eine meiner Forderungen vor der Übernahme des neuen Jobs. Ich habe verlangt, dass das Team in der SWHLB bleibt und weiterhin kompetitiv sein soll.»
Es gibt im Sport – vor allem im Mannschaftssport – immer wieder Momente, in denen das Momentum unerwartet und extrem kippen kann, wie es in der letzten Saison der Fall war. Doch vor dem Meistertitel hatte sich das damalige Team mit Rang 4 einen Heimvorteil verschafft und vor allem 9 Punkte mehr erspielt als jetzt. Die aktuellen 24 Punkte sind die schlechteste Ausbeute der vergangenen fünf Jahre, in denen die jeweilige Punktzahl nach der Qualifikation zwischen 32 (2022/23) und 39 (2023/24) lag. Und trotzdem ist die Frage erlaubt, ob jetzt ein Ruck durch das Team gehen wird. Das anstehende Wochenende wird Klarheit bringen. Gespielt wird zweimal innerhalb von 24 Stunden. Im Falle eines 1:1 in der Serie folgt am Mittwoch das Entscheidungsspiel.
Play-off-Viertelfinal SWHLB: DHC Lyss – EHC Zunzgen-Sissach Samstag, 28. Februar, 19.15 Uhr in Lyss; Sonntag, 1. März, 20.15 Uhr in Sissach. Falls nötig: Dienstag, 3. März, 19.45 Uhr in Lyss.
Lyss – ein unbequemer Gegner
dm. Mit dem Erreichen von Rang 5 habe man ein grosses Zwischenziel erreicht, hält Flavio Costeggioli fest: «Wir sind einem Duell mit Aufstiegsaspirant Lausanne aus dem Weg gegangen.» Wobei Viertelfinalgegner DHC Lyss ebenfalls unbequem sei, wie er nachschiebt. Das ist der Seeländer Club allemal, unbequem, aber auch schlecht auszurechnen, denn die Bernerinnen treten fast nie in der gleichen Besetzung an.
Spielt der «DHC Lyss light», das heisst ohne Berner und Neuenburger Verstärkungsspielerinnen, ist er berechenbar und auch schlagbar. Sind jedoch die «Women’s League»-Spielerinnen Joya Stettler, Tanja Kunz (beide Neuenburg) oder Ilana Leibundgut und Amelie Walzer (beide SC Bern) dabei, wird es für jeden Gegner schwierig.
Stettler, Kunz und Leibundgut steuerten in ihren Einsätzen für Lyss jeweils
einen Punkt pro Spiel bei und Joya Stettler, die Neuenburger Verteidigerin, ist gar die Lysser Topskorerin (12 Spiele, 8 Tore, 4 Assists).
Dass sie Lyss durchaus (auch hoch) schlagen können, haben die Zunzgen-Sissach-Ladies mit ihrem Heimsieg im November (9:1 gegen «Lyss light») bewiesen. Die zweite Partie im Berner Seeland allerdings gewann «Lyss verstärkt» klar mit 4:0.
VERGANGENESAISONS
2025/26 5. Rang 18 5 3 3 7 39:44 24
2024/25 4. Rang 18 8 3 3 4 60:42 33
2023/24 3. Rang 18 13 0 0 5 92:77 39
2022/23 4. Rang 18 10 1 0 7 80:57 32
2021/22 5. Rang 18 8 3 1 6 54:54 31
DIESKORERINNEN
1. Bailey Kehl: 17 Spiele, 9 Tore, 4 Assists. 0,76 Punkte pro Spiel. Ligaweit Rang 8.
2. Jana Porrier: 17, 5, 4. 0,53. Rang 23.
3. Selina Hehlen: 16, 5, 4. 0,56. Rang 25.
4. Laurine Modoux: 9, 4, 4. 0,89. Rang 33.
TEAM-STATISTIKEN
Erzielte Tore: 39 (6. Rang in der Liga)
Erhaltene Tore: 44 (6.)
Powerplay-Tore: 0 bei 58 Möglichkeiten (10.)
Unterzahl-Spiel: In 89,6 Prozent der Unterzahl-Situationen kein Tor erhalten (6.)


