«Gehen bewusst den langen Weg»
18.06.2026 LauwilGemeinderat initiiert Arbeitsgruppe für Gemeindefinanzen
Eine Arbeitsgruppe soll Massnahmen erarbeiten, die ab 2028 jährlich bis zu 200 000 Franken einsparen. Der Lauwiler Gemeinderat sieht vor allem bei der Schule Sparpotenzial, hofft aber auf alternative Vorschläge aus ...
Gemeinderat initiiert Arbeitsgruppe für Gemeindefinanzen
Eine Arbeitsgruppe soll Massnahmen erarbeiten, die ab 2028 jährlich bis zu 200 000 Franken einsparen. Der Lauwiler Gemeinderat sieht vor allem bei der Schule Sparpotenzial, hofft aber auf alternative Vorschläge aus der Bevölkerung.
André Frauchiger
Herr Tanner, an einer Informationsveranstaltung der Gemeinde über die Gemeindefinanzen vom 19. Mai wurde eine Arbeitsgruppe Gemeindefinanzen gegründet. Wie kam es dazu?
Raymond Tanner: Im August 2025 hatten wir eine Klausur des Gemeinderats Lauwil. Thema war der Finanzplan der Gemeinde für die nächsten fünf Jahre. Wir stellten fest, dass sich die Finanzlage von Lauwil in den nächsten fünf Jahren massiv verschlechtern wird. Wir machten uns deshalb Gedanken darüber, wie wir als Gemeinderat dieser Entwicklung begegnen können. Nach unserer Analyse geht es darum, spätestens ab 2028 jedes Jahr 150 000 bis 200 000 Franken einsparen zu müssen, um finanziell gesund zu bleiben.
Weshalb führten Sie eine Informationsveranstaltung durch?
Wir wollten damit am 19. Mai den Einwohnerinnen und Einwohnern die zukünftigen finanziellen Herausforderungen aufzeigen und die Haltung des Gemeinderats erläutern. Wir zeigten an der Versammlung auf, dass 84 Prozent der Gemeindefinanzen von uns nicht beeinflussbar sind. Der Gemeinderat sieht vor diesem Hintergrund nur die Möglichkeit, die eigene Schule aufzugeben und einen Kreisschulvertrag mit einer benachbarten Gemeinde für eine gemeinsame Schule einzugehen. Dies ist aus Sicht des Gemeinderats die wirklich einzige Möglichkeit, bis zu 200 000 Franken jährlich einsparen zu können. Aber der Gemeinderat verschliesst sich nicht anderen Sparvorschlägen. An der besagten Infoveranstaltung wurde über das weitere Vorgehen diskutiert und entschieden, eine Arbeitsgruppe zu bilden, welche die Aufgabe hat, Vorschläge aus der Bevölkerung zu prüfen und eigene Vorschläge zu unterbreiten.
Die Arbeitsgruppe wurde also gegründet, um Alternativen zur Aufgabe der Schule zu prüfen?
Wohlgemerkt: Ziel des Gemeinderats ist nicht, die Schule abzuschaffen, sondern die Gemeindefinanzen ins Lot zu bringen. Die Exekutive sieht nur die Schule als Sparmöglichkeit im notwendigen Ausmass. Der Gemeinderat würde es sehr begrüssen, wenn die Arbeitsgruppe andere Sparmöglichkeiten fände. Sie arbeitet übrigens ausschliesslich für die Gemeinde Lauwil. Die Gründung der Arbeitsgruppe zeigt auch, dass es der Gemeinderat ernst meint mit seiner Aussage, dass es nicht um die Schulabschaffung geht, sondern darum, langfristig Geld einzusparen. Egal, bei welchen Ressorts. Wir gehen damit bewusst den langen Weg.
Wie ist der Zeithorizont?
Bis Ende dieses Jahres müssen von der Arbeitsgruppe konkrete Massnahmen und umsetzbare Vorschläge auf dem Tisch liegen. Die Umsetzung der Massnahmen soll im Jahr 2027 erfolgen, um in der Rechnung 2028 wirksam zu werden. Gemeinderat und Einwohnerschaft müssen überlegen, wo Mehreinnahmen und wo Sparmassnahmen möglich sind. Das ist nicht einfach. Das zeigt auch ein Beispiel: Selbst wenn wir die Gemeindesteuern um 10 Prozent erhöhen würden, gäbe es jährlich Mehreinnahmen von «nur» rund 80 000 Franken. Das würde bei Weitem nicht ausreichen und wäre politisch auch kaum zu machen. Eine Steuererhöhung hätte übrigens auch zur Folge, dass der Finanzausgleich des Kantons reduziert wird.
Wie viele Mitglieder soll die Arbeitsgruppe haben?
Wir haben die Teilnahmemöglichkeit zwei Wochen lang ausgeschrieben. Zehn Personen haben sich gemeldet. Zusätzlich gehören der Arbeitsgruppe drei Vertreter des Lauwiler Gemeinderats an. Viel grösser sollte die Arbeitsgruppe nicht sein, um effizient arbeiten zu können. Die Arbeitsgruppe nimmt ihre Arbeit in den kommenden Wochen auf. Die Zeit ist recht knapp. Es geht aber nicht anders, die Zeit drängt.
Die Arbeitsgruppe ist also ein beratendes Gremium des Gemeinderats?
Nein. Sie ist vielmehr ein unabhängiges Gremium, das konkrete Massnahmen zum Sparen erarbeiten und vorschlagen soll. Die Umsetzung ist dann Sache des Gemeinderats, dies gestützt auf entsprechende befürwortende Beschlüsse der Einwohnergemeindeversammlung, sofern diese notwendig sind.

