«Gegen Borussia Dortmund waren 4200 Zuschauer auf der Wolfstiege»
21.05.2026 Sport, FussballAndré Benz zieht Bilanz nach 36 Jahren Vorstandstätigkeit beim FCG
Was beim FC Gelterkinden lange unmöglich schien, ist passiert: Nach fast vier Jahrzehnten im Vorstand ist André Benz zurückgetreten. Ein Gespräch über Identifikation mit dem ...
André Benz zieht Bilanz nach 36 Jahren Vorstandstätigkeit beim FCG
Was beim FC Gelterkinden lange unmöglich schien, ist passiert: Nach fast vier Jahrzehnten im Vorstand ist André Benz zurückgetreten. Ein Gespräch über Identifikation mit dem Herzensverein, veränderte Anforderungen und Entwicklungen im FCG.
Heinz Degen
Sie sind 1990 in den Vorstand des FC Gelterkinden gewählt worden und sind bis im März 36 Jahre lang dessen Sekretär und lange auch Vizepräsident gewesen. Herr Benz, wie kam das?
André Benz: Ich bin als 20-Jähriger vom damaligen Präsidenten Ernst Droll angefragt worden. Ich habe mir das sehr gut überlegt und mir natürlich die Frage gestellt: Habe ich die Fähigkeiten, in meinem jungen Alter dieses Amt auszufüllen? Ich durfte dann an einer «Probesitzung» teilnehmen und habe schliesslich zugesagt.
Auch gestandene Aktivspieler des FC Gelterkinden kennen einen Vorstand des Vereins ohne André Benz nicht. Wurden oder werden Sie oft darauf angesprochen?
Eigentlich ist es erst jetzt nach meinem Rücktritt ein Thema – vor allem natürlich in Bezug auf die lange Zeitdauer meines Engagements. Ich möchte betonen, dass ich das Amt immer sehr gerne ausgeübt habe. Ich durfte viele spannende Projekte mitgestalten, konnte Dinge ausprobieren, die im Berufsleben eher nicht möglich sind, hatte die Möglichkeit mit vielen, auch immer wieder jungen Leuten in Kontakt zu kommen und habe sogar in Sachen Führungserfahrung profitieren können.
Was waren die «Highlights» in diesen 36 Jahren?
Ganz klar: Die internationalen Spiele auf der Wolfstiege, als Borussia Dortmund und später der VfB Stuttgart – jeweils mit Welt- und Europameistern wie Stefan Reuter, Flemming Povlsen, Thomas Berthold, Guido Buchwald und so weiter – in Gelterkinden aufliefen. Gegen Dortmund säumten 4200 Zuschauer das Spielfeld auf der Wolfstiege! Sehr interessant für mich waren damals die Kontakte mit namhaften Journalisten sowie in der Vorbereitung auf die Spiele das Einholen von Interviews und das Erfassen der Vorberichte. An zweiter Stelle folgen dann die für den FCG enorm wichtigen Projekte auf der Wolfstiege mit dem Einbau des Kunstrasens und der Erweiterung der Infrastruktur.
Vom Holperrasen, der häufig wegen Unbespielbarkeit gesperrt war, bis zum belastbaren Kunstrasen von heute. Wie hat sich der FCG in dieser Zeit verändert?
Sofort nachdem unser Kunstrasen zu bespielen war, hat sich die Anzahl Teams und damit der Aktivmitgliederbestand extrem erhöht. – weil wir plötzlich das ganze Jahr zuverlässig Trainings anbieten konnten. Heute weichen nur noch die kleinsten Junioren im Winter in die Hallen aus – obwohl gerade diese den Kunstrasen super finden. Alle anderen trainieren immer auf den Kunstrasenplätzen. Eine weitere Folge war, dass der Bedarf an Trainerinnen und Trainern markant grösser wurde. So besteht der Trainerstaff im gesamten Verein heute aus 50 bis 60 Personen!
Es ist häufig die Rede davon, dass sich junge Menschen vermehrt für Trainings und Spiele kurzfristig abmelden und sich auch nicht für Vereinsämter verpflichten würden. Als jemand, der knapp 40 Jahre im Vereinsvorstand überblickt: Ist da etwas dran?
Zum Teil mag das vielleicht schon stimmen. Doch haben wir viele gute junge Leute im Verein, die diverse Ämter ausfüllen: Schon nur der bereits erwähnte riesige Betreuerstab spricht Bände … Diesen auf die Beine zu stellen, ist keine einfache Aufgabe, denn die Ansprüche im privaten Bereich nehmen ja auch laufend zu. Die Zeiten haben sich definitiv geändert. Während früher die Männer neben ihrem Beruf wie selbstverständlich noch im Verein tätig und die Partnerinnen für die Familienarbeiten zuständig waren, hat sich diese Aufteilung stark verschoben. Dazu kommt, dass auch die Anforderungen im Beruf gestiegen sind und damit die Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren, eher abgenommen hat – Stichwort «Work-Life-Balance». Trotzdem sind wir beim FC Gelterkinden noch immer auf gutem Weg.
Der Vorstand des FCG hat – auch wenn es immer wieder Rücktritte aus dem Vorstand gibt – nie Vakanzen. Wie macht man das?
Es gibt kein Geheimnis. Das Wichtigste ist aus meiner Sicht, dass die Suche nach Nachfolgerinnen und Nachfolgern vom Vereinsvorstand positiv angegangen wird. Er versucht, von Anfang an Listen mit mehreren potenziellen Kandidatinnen und Kandidaten aufzustellen und mehrgleisig zu suchen. So ist er bei der Absage einer Wunschlösung nicht total enttäuscht und muss wieder bei null beginnen. Die zweite, in jüngster Zeit oft praktizierte Massnahme ist: Wir probieren, die Bereiche aufzuteilen und auf mehrere Schultern zu verteilen. Dies ergibt für die einzelnen Personen weniger Druck, und bei Vakanzen stehen keine «abschreckenden Monsterressorts» zur Diskussion.
Seit 13 Jahren spielt die erste Mannschaft des FC Gelterkinden in der 2. Liga – und das vorwiegend mit Spielern aus den eigenen Junioren. Wie ist das möglich? Und wie wichtig ist die Ligazugehörigkeit der ersten Mannschaft überhaupt für den Verein?
Ich finde es schon gut, wenn unser Fanionteam in der 2. Liga spielt. Aber zwingend ist das für uns nicht. Darum wird die Vereinsführung auch nicht nervös, wenn die Mannschaft sich einmal in den hinteren Tabellenregionen befindet. Dass Aktivmannschaften vor allem aus Spielern aus den eigenen Junioren bestehen, gehört zu unserer DNA, zur Philosophie, auch weil wir ja keine Entschädigungen zahlen. Das familiäre Umfeld muss stimmen, damit die eigenen Spieler bei uns bleiben und sich Zuzüge wohlfühlen.
Was hat die Gründung des Frauenteams in der Struktur und dem Selbstverständnis des FC Gelterkinden verändert?
Das Frauenteam ist mit Sicherheit eine Bereicherung für unseren Verein – und meine Nachfolge konnte ja sogar mit einer Frau aus diesem Team besetzt werden!
Und warum hat der Verein recht lange mit der Integration der Frauen zugewartet?
Es gibt zwei Gründe für das «lange Warten»: Einerseits wollte der Verein nicht ein Frauenteam «befehlen». Die Meinung war: Es soll aus Eigeninitiative von Spielerinnen erwachsen, da dann die Motivation der Beteiligten besonders hoch ist. Und genau so ist es auch passiert. Andererseits ist es klar, dass es für ein erfolgreiches Projekt eine bestimmte Anzahl Akteurinnen braucht. Und das war nicht ganz einfach zu bewerkstelligen, denn das Ziel war es, sofort in den Meisterschaftsbetrieb einzusteigen. Trainingsgruppen funktionieren oft nicht lange …
Zur Person
hed. André Benz, geboren am 2. September 1969, ist Betriebswirtschafter HF und wohnt in Gelterkinden. Er war von 1990 bis 2026 im Vorstand des FC Gelterkinden als Sekretär und Vizepräsident tätig. Er ist schon länger Ehrenmitglied des Vereins und wurde auch mit dem goldenen Verdienstabzeichen des Fussballverbands Nordwestschweiz ausgezeichnet.
Benz ist seit dem Jahr 1996 Juniorentrainer (immer in den Kategorien D, E und F). Ausserdem war er mehrere Jahre Mitleiter im Juniorenlager des Vereins und – in seiner Funktion als Sekretär – «Chef» des Cluborgans (seit 1997!) sowie Gründer und Verantwortlicher des Webteams. Die Funktion im Cluborgan wird Benz weiterhin wahrnehmen.

