Gas statt Diesel im Tank
21.05.2026 EptingenThomas Recher unterhält einen Traktor mit Holzvergaser
Der Eptinger Landwirt Thomas Recher betreut einen Hürlimann-Traktor 4T43 von 1940, der einen eher ungewöhnlichen Antrieb hat: Statt mit Diesel läuft der Traktor mit Holz. Recher erzählt von seiner ...
Thomas Recher unterhält einen Traktor mit Holzvergaser
Der Eptinger Landwirt Thomas Recher betreut einen Hürlimann-Traktor 4T43 von 1940, der einen eher ungewöhnlichen Antrieb hat: Statt mit Diesel läuft der Traktor mit Holz. Recher erzählt von seiner Leidenschaft.
Sander van Riemsdijk
Es ist kein alltägliches Hobby, das Thomas Recher pflegt. In der Scheune des Landwirtschaftsbetriebs in Eptingen, den er in einer Generationengemeinschaft mit seinen Schwiegereltern bewirtschaftet, steht ein Hürlimann 4T43-Traktor mit Baujahr 1940. Es ist kein gewöhnlicher Traktor, denn er läuft statt mit Diesel nur mit Holz. Im Besitz der Brauerei Feldschlösschen Rheinfelden wurde das robuste Fahrzeug in den 1940er-Jahren auf Holzgas umgebaut, weil kriegsbedingt das Benzin rar war. Auf dem Brauerei-Areal stand der Traktor aus Platzgründen im Freien und war ungeschützt der Witterung ausgesetzt. Thomas Recher holte ihn vor einigen Jahren auf seinen Hof. Seitdem kümmert er sich nach Absprache mit der Brauerei um den Unterhalt.
Thomas Recher ist 35 Jahre alt und lebt mit seiner Frau Ramona und den beiden Kindern auf dem Bauernbetrieb in Eptingen. Aufgewachsen ist er in Gelterkinden und Wenslingen, später zog er nach Ziefen – und schliesslich nach Eptingen.
Der Traktor bleibt im Besitz der Brauerei, welche die Kosten für den Unterhalt übernimmt. Dies bedingt jedoch, dass der Traktor immer einsatzbereit sein muss. Reparaturen mit Einzelteilen aus rostfreiem Chromstahl nimmt Recher selber vor. «Diese Einzelteile sind nicht mehr erhältlich, sie müssen speziell angefertigt werden», sagt er. Vor wenigen Jahren hat der Landwirt eigenhändig einen neuen Gaskühler und einen Gasgenerator hergestellt.
Es braucht etwa eine Viertelstunde, um den Traktor einzuheizen und fahrbereit zu machen. «Im Winter geht es etwas länger, denn der Traktor ist eigentlich für Fahrten im Sommer gedacht.» Wenn es regnet, bleibt der Traktor definitiv in der Scheune: «Die Zündanlage erträgt keinen Regen und Ersatzteile bekommt man keine mehr.» Er erinnert sich an frühere Zeiten, als der Hürlimann nicht immer angesprungen ist: «Ein Ärger, der heute nicht mehr vorkommt.» Der Traktor präsentiert sich trotz seines hohen Alters nicht nur mechanisch, sondern auch optisch in einwandfreiem Zustand.
Familiäre Vergangenheit
Der Ursprung seiner Faszination für Traktoren mit Holzvergaser liegt in der familiären Vergangenheit. «Mein Grossvater arbeitete in den 1940er-Jahren bei der Liestaler Maschinenfabrik Konrad Peter AG, die eine Lizenz für den Aufbau von Holzgeneratoren besass», erzählt Recher. Dieses Wissen hat er an seinen Vater, an ihn und an den Verein «Freunde alter Landmaschinen Nordwestschweiz» weitergegeben.
Recher ist ausgebildeter Landwirt und Mitglied eines Oldtimer-Vereins. Bis zu seinem 18. Lebensjahr betrieb er ausserdem den Schwingsport. Mit den Fachkenntnissen im Rucksack hat Recher in seiner Ausbildung zum Landwirt im Ebenrain-Zentrum seine Abschlussarbeit zur Technik des Holzvergasers verfasst.
«Der Reiz, mit einem solchen Traktor zu fahren, liegt im Gefühl der Entspannung», sagt Recher. Schnell ist das Gefährt nicht. Die Leistungsstärke des Traktors mit einem Holzvergaser reduziert sich im Vergleich zu Diesel um nicht weniger als 40 Prozent. Auf einer geraden und ebenen Strecke fährt er nicht schneller als 17 Stundenkilometer. «Genügend Zeit, um sich zu entspannen und die Umgebung zu geniessen», sagt Recher schmunzelnd. Bereits sein Vater nahm an Umzügen und Oldtimer-Treffen teil, Recher geht ebenso an solchen Anlässe und jedes Jahr an den «Feldschlösschen Oldtimer Treff». Viel Zeit für weitere Hobbys bleibe allerdings nicht, sagt Recher schmunzelnd: «Mit einem landwirtschaftlichen Betrieb und einer jungen Familie ist man gut ausgelastet.»
Sehr gut gelagertes Buchenholz, das der Landwirt aus dem eigenen steilen Wald östlich des Hofs oder aus dem Wald der Eltern in Ziefen holt, ist für die Energiegewinnung am besten geeignet. So wie es aussieht, dürfte der Traktor in der Familie Recher noch ein langes Leben vor sich haben, zeigen doch die beiden Söhne mit fünf und sieben Jahren schon jetzt grosses Interesse an der alten Technik.
Die Geschichte des Holzvergasers
svr. Anfang der 1940er-Jahre wurde der Traktor von der Brauerei Feldschlösschen Rheinfelden erworben und vorwiegend in der Landwirtschaft betrieben, etwa um den Boden für die Aussaat von Gerste oder Tierfutter zu bestellen. Treibstoff war im Zweiten Weltkrieg ein seltenes Gut und der Traktor wurde deshalb 1943 auf Holzgas umgerüstet.
Als 1947 der Treibstoff wieder verfügbar war, rüstete man den Traktor wieder auf Benzin um. Mit der Ölkrise während der 1970er-Jahre folgte eine Rückkehr zu Holzgas.

