Gang in d Bäiz!
06.03.2026 LauwilRaymond Tanner, Gemeindepräsident Lauwil, parteilos
Heute will ich einmal eine Lanze brechen für unsere Gastronomen. Auch als leidenschaftlicher Hobbykoch gehe ich doch sehr gerne in ein Restaurant und lasse mich verwöhnen. Mit der Zeit lernt man so ...
Raymond Tanner, Gemeindepräsident Lauwil, parteilos
Heute will ich einmal eine Lanze brechen für unsere Gastronomen. Auch als leidenschaftlicher Hobbykoch gehe ich doch sehr gerne in ein Restaurant und lasse mich verwöhnen. Mit der Zeit lernt man so einige Gastwirte näher kennen und erfährt auch von ihren Sorgen und den eher unschönen Momenten in ihrem Berufsleben. Ein Lächeln im Service, ein perfekt angerichteter Teller, ein aufmerksames Nachschenken des Weins – für Gäste ist es selbstverständlich. Ich habe schon von Gästen gehört, die das Lokal verlassen haben, weil sie nach 10 Minuten nicht gefragt wurden, ob sie ein weiteres Bier wollen, statt einfach selbst eines zu bestellen.
Ja, wir leben in einer Dienstleistungsgesellschaft, aber allzu oft wird Dienstleister mit Diener verwechselt. Gastronominnen und Gastronomen sind Gastgeber aus Überzeugung. Aber dürfen sie nicht auch einmal einen schlechten Tag haben und vielleicht nicht ganz so aufmerksam oder freundlich sein? Klar, sie verdienen Geld damit und haben sich diesen Beruf ausgesucht, trotzdem oder gerade deswegen haben sie unseren Respekt verdient. Die Arbeitstage sind lang, und meist müssen Gastwirte und ihre Angestellten an den Tagen arbeiten, an denen wir frei haben. Die Mar- gen sind klein, und jede Preiserhöhung wird kritisiert.
Man hört an vielen Orten den Ausspruch «Alles wird teurer!» Trotzdem gehen wir alle zwei bis drei Mal pro Jahr in die Ferien und kaufen uns schöne Autos. Wenn im Restaurant das Bier dann aber 50 Rappen teurer wird, beginnt die Diskussion. In der Tat alles wird teurer, also muss doch auch der Gastrobetrieb nachziehen. Als Nicht-Gastronomen können wir nur erahnen, was alles bezahlt werden muss mit den 50 Rappen Aufschlag.
Ich lade Sie ein, einmal das Experiment zu Hause zu machen. Kaufen Sie ein, rechnen Sie für die 45 Minuten, in denen Sie für die Zubereitung in der Küche gestanden sind, einen fairen Stundenlohn, und zählen Sie dann zusammen. Sie werden überrascht sein, was ein schönes Menu kostet. Dann haben Sie aber Strom, Wasser, Heizung, Versicherungen, Vorbereitungs- und Einkaufszeit und so weiter noch nicht mit im Preis.
Wir alle wollen ein gutes Angebot an Bars, Restaurants und Dorfbeizen, vergessen aber manchmal, dass wir auch et- was dafür tun müssen. Nämlich ab und zu ein Lokal besuchen, ein paar Drinks oder ein gutes Abendessen geniessen. Ohne Einnahmen können die Wirte nicht überleben, und wenn weniger Leute in ein Lokal gehen, muss der Preis höher sein, damit die Rechnung aufgeht. Es ist der bekannte Teufelskreis.
Daneben haben alle im Gastgewerbe angestellten Menschen unseren Respekt verdient, wie wir den alle in unserem Berufen auch verdient haben, nur dass wir in einem Büro oder als Zimmermann auf einem Dachstock nicht im Schaufenster stehen, wie das die Angestellten im Gastrobereich tun. Lassen wir die Fünf gerade sein, wenn etwas nicht ganz so war wie gewünscht, und sagen im Gegenteil auch einmal deutlich, was wir gut gefunden haben an unserem Lokalbesuch. Direkt, persönlich und nicht über eine Bewertungsplattform. Also: Ab in d Bäiz!
In der «Carte blanche» äussern sich Oberbaselbieter National- und Landratsmitglieder sowie Vertreterinnen und Vertreter der Gemeindebehörden zu einem selbst gewählten Thema.

